Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

Dioxin: Verunreinigungen seit März bekannt

NACHRICHTEN

 
Dioxin: Verunreinigungen seit März bekannt
 


Wie jetzt bekannt wurde, sind bereits im März Industriefette mit überhöhten Dioxinwerten für Futter verarbeitet worden. Politiker sprechen von kriminellem Verhalten; Bauern sind wütend, Verbraucher verzichten auf Eier. Bereits im März 2010 seien bei Eigenkontrollen der Firma Harles und Jentzsch erhöhte Dioxinwerte festgestellt worden, sagte ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums in Kiel. Sie seien maximal doppelt so hoch gewesen wie zulässig. «Das hätte sofort gemeldet werden müssen», sagte Ministeriumssprecher Christian Seyfert. Weil die erforderliche Meldung ausblieb, habe das Ministerium Strafanzeige gestellt. Dies geschah am 4. Januar dieses Jahres. Gegen das Unternehmen ermittelt die Staatsanwaltschaft Itzehoe, am Mittwoch hatte es Razzien gegeben. Auch wenn der Höchstwert im Endprodukt durch die Verdünnung bei der Futterherstellung im März wohl unterschritten wurde, hätten die Fette nicht verwendet werden dürfen, sagte der Ministeriumssprecher. Die Firma wollte sich unter Hinweis auf das laufende Ermittlungsverfahren nicht äußern.

Die an diesem Donnerstag bekanntgegebenen aktuellen Werte waren erheblich höher als die der März-Proben: Bis zu 10,05 Nanogramm wurden gemessen und damit gut das 13-fache der zulässigen 0,75 Nanogramm. Seyfert bestätigte auch, dass es seit März in zwei weiteren Fällen Auffälligkeiten gab, die von der Firma hätten gemeldet werden müssen. Wie viele Futtermittel seitdem unter Verwendung von Fetten mit überhöhten Dioxinwerten ausgeliefert wurden, sei noch nicht bekannt. Auch der Schaden für Schweinehalter, die vorerst keine Tiere schlachten dürfen, sei noch nicht bezifferbar.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sagte zu dem Vertuschungsverdacht der Nachrichtenagentur dpa: «Wenn sich der Verdacht erhärtet, dass das verantwortliche Unternehmen bereits seit Monaten von der Dioxin-Belastung wusste und trotzdem nicht die zuständigen Landesbehörden informiert hat, ist das hochgradig kriminell und völlig unverantwortlich.» Auch das niedersächsische Agrarministerium sieht «kriminelle Machenschaften» am Werk. Agrar-Staatssekretär Friedrich-Otto Ripke (CDU) sagte, die Firmen wollten möglichst viel Gewinn erzielen. Technische Fette sind viel billiger als Stoffe für Futter. Die Spedition Lübbe im niedersächsischen Bösel habe zudem keine Genehmigung zur Futtermittelherstellung gehabt, sondern sei seit 2005 lediglich als Transporteur gemeldet gewesen, sagte Ripke. «Dahinter vermuten wir Vorsatz.»  Ein Arzt aus der Nähe von Münster zeigte unterdessen die Uetersener Firma an. Seine Vorwürfe: schwere Körperverletzung und versuchter Mord aus Habgier.

Bisher mussten bundesweit mehr als 4700 Betriebe wegen Dioxinverdachts gesperrt werden. Viele Verbraucher lassen Eier in den Regalen liegen. Ein Absatzrückgang sei «deutlich spürbar», sagte Margit Beck von der Bonner Marktberichterstattungsstelle MEG. Bundesministerin Aigner sagte: «Das Bundesinstitut für Risikobewertung sieht beim gelegentlichen Verzehr belasteter Produkte keine akute Gesundheitsgefahr. Aus Gründen des vorsorgenden Verbraucherschutzes muss allerdings die Belastung mit Dioxinen so weit wie möglich minimiert werden».
  
07.01.2011 l PZ/dpa
Foto: Fotolia/Maconga
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Verhütung: Unter Umständen zwei Pillen danach notwendig

Zur Verhütung einer Schwangerschaft nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr werden unter anderem Levonorgestrel-haltige Notfallkontrazeptiva...



Medikationsplan: Apotheker sehen Schwachstellen

Ab dem 1. Oktober haben gesetzlich Krankenversicherte, die dauerhaft mindestens drei verordnete Arzneimittel einnehmen, Anspruch auf einen...



Sprachstörungen: Ursache immer klären!

Sprachstörungen, auch Aphasien genannt, sind immer eine rote Flagge, die Ursache dafür muss geklärt werden. Das machte der Notfallmediziner...



Volksleiden Nykturie: Oft ist es ein Alarmsignal

Häufiges nächtliches Wasserlassen, die Nykturie, kann ein Warnsignal für eine behandlungsbedürftige Erkrankung sein. «Fälschlicherweise...

 
 

Gesetzentwurf nach KBV-Skandal: Neue Vorschriften in Sicht
Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zieht Konsequenzen aus dem Skandal um hohe Pensionszahlungen und rechtswidrige...

Legal Highs: Umfassendes Verbot beschlossen
Der Bundestag hat ein umfassendes Verbot von modernen künstlichen Drogen verabschiedet. Bisher konnten die Hersteller von sogenannten Legal...

Zahngesundheit: An die Dritten denken!
Gesunde Zähne hat bekanntermaßen nur, wer sie regelmäßig und richtig putzt. Oft übersehen wird aber, dass auch bei Teil- und Vollprothesen...

Biosimilars: Politik setzt auf Selbstverwaltung
Um den Versorgungsanteil der Biosmilars am Markt zu erhöhen, halten Gesundheitspolitiker von Regierung und Opposition gesetzliche...

Multifokallinsen: Gleitsichtbrille im Auge
Eine Augenoperation aufgrund des grauen Stars (Katarakt) bedeutet heute nicht mehr automatisch, dass der Patient anschließend eine Brille...

Medikationsplan: 163 Millionen Euro für Ärzte
Der GKV-Spitzenverband und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) haben sich über die Vergütung niedergelassener Ärzte für das Jahr...

Opioide: Mehr Verordnungen, mehr Beratungsbedarf
Mit der steigenden Abgabe von Opioiden steigt auch der Beratungsbedarf von Patienten in den Apotheken. Im Jahr 2015 seien 18,4 Millionen...

Tularämie: Frau infiziert sich mit Hasenpest
Eine Frau aus Karlsruhe hat sich mit Tularämie, der sogenannten Hasenpest, infiziert. Laut der Nachrichtenagentur dpa bestätigte dies heute...

Zuckerberg: Milliardenspende für Grundlagenforschung
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und seine Ehefrau, die Kinderärztin Priscilla Chan, haben sich ein hohes Ziel gesteckt: Sie wollen noch in...

Zu viel Quecksilber in Sparlampen: BGH bestätigt Verbot
Für Energiesparlampen, die zu viel giftiges Quecksilber enthalten, wird es auf dem deutschen Markt keine Nachsicht geben. Der...

Flüchtlinge stellen Ärzte vor neue Herausforderungen
Der Zuzug von Flüchtlingen stellt auch Ärzte vor neue Herausforderungen. «Es kann sein, dass wir Krankheiten zu Gesicht bekommen, die wir...

Umfrage: «Dr. Google» verwirrt viele Nutzer
Gesundheitsinformationen im Internet können nicht den fachmännischen Rat von Ärzten und Apothekern ersetzen. Laut einer repräsentativen...

USA: Zulassung für Mittel gegen Duchenne-Dystrophie
Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat Eteplirsen (Exondys™ 51, Sarepta Pharmaceuticals) die bedingte Zulassung zur Behandlung...

Finanzierung geklärt: Cochrane-Zentrum soll Stiftung werden
Die Frage nach der langfristigen Finanzierung des deutschen Cochrane Zentrums für evidenzbasierte Medizin ist offenbar gelöst: Wie der...

EMA: Blutprodukte sind Zika-frei
Arzneimittel, die aus menschlichem Blutplasma gewonnen werden, sind in Europa frei von Kontaminationen mit dem Zika-Virus. Gleiches gilt...

Antibiotika: Vier-Punkte-Plan gegen Resistenzen
Bereits beim Weltwirtschaftsforum in Davos haben zahlreiche Pharmaunternehmen angekündigt, sich verstärkt im Kampf gegen antimikrobielle...

MLP Gesundheitsreport: Steigende Kosten, weniger Zeit
Der Kostendruck im Gesundheitssystem wirkt sich zunehmend auf die Auswahl der Therapieoptionen aus. Immer mehr Patienten haben den...

Hepatitis B: Therapiestopp kann sinnvoll sein
Bei einer chronischen Infektion mit Hepatitis-B-Viren (HBV) kann es vorteilhaft sein, die antivirale Therapie zu unterbrechen. Denn nach...

Noch mehr Meldungen...

PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU