Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

BKA: Schwere Schäden durch Kräuterdrogen













DIREKT ZU

 


NACHRICHTEN

 
BKA: Schwere Schäden durch Kräuterdrogen
 


Angeblich legale Drogen wie die Kräutermischung «Lava Red» können sehr gefährliche Folgen haben. Davor warnen das Bundeskriminalamt (BKA) und die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP). Vor allem Jugendliche konsumieren die im Internet als Badesalze, Kräuter oder Lufterfrischer angebotenen Mischungen. Sie enthalten unbekannte, nicht deklarierte Stoffe, die «high» machen sollen. Meist handelt es sich um echte Betäubungsmittelrecht oder experimentelle Substanzen. Daher fallen die Produkte eigentlich unter das Betäubungsmittel- oder Arzneimittelgesetz. Das BKA berichtet nun über Fälle, in denen es zu lebensgefährlichen Intoxikationen kam. Vielerorts litten jugendliche Konsumenten unter Kreislaufversagen, Ohnmacht, Psychosen, Wahnvorstellungen, Muskelzerfall bis hin zu drohendem Nierenversagen.

«Aufgrund der häufig fehlenden Deklarierung der Wirkstoffe wissen die Konsumenten nicht, welchen Wirkstoff sie sich in welcher Konzentration zuführen», so der Präsident des Bundeskriminalamts Jörg Ziercke in einer Pressemitteilung. «Daraus ergeben sich unkalkulierbare Gesundheitsgefahren, da Wirkung und Nebenwirkungen der meist unerforschten Substanzen nicht eingeschätzt werden können. Zudem wird die Wirkstoffzusammensetzung eines Produktes oftmals im Zeitverlauf verändert. Konsumenten können dann auch bei wiederholtem Konsum eines bestimmten Produktes nicht mit der gleichen Dosierung und der gewohnten Wirkung rechnen.» Zudem verharmlose die jugendliche Gestaltung der Verpackung die Gefahren der Produkte.

Vergangene Woche hatte eine Analyse des Landeskriminalamts Niedersachsen ergeben, dass die Kräutermischung «Lava Red» das synthetische Cannabinoid JWH-122 enthält. Das Gutachten liegt der Pharmazeutischen Zeitung vor. JWH-122 ist mit dem natürlichen Inhaltsstoff Tetrahydrocannabinol strukturell nicht verwandt, hat jedoch eine ähnliche psychoaktive Wirkung. JWH-122 ist ein Strukturanalogon von JWH-018, einer der Wirkkomponenten der Kräutermischung «Spice», die vor einem Jahr verboten wurde. JWH-122 fällt derzeit nicht unter das Betäubungs-, wohl aber unter das Arzneimittelgesetz.

Lesen Sie dazu auch
Drogen: Was steckt in «Lava Red»?
BtM: Bundesrat stimmt neuen Regelungen zu

20.12.2010 l PZ
Foto: Fotolia/Andre B. (Symbolbild)
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Dabigatran: Streit um Drug Monitoring

Schweres Geschütz gegen Boehringer Ingelheim: Der Pharmakonzern habe für seinen Gerinnungshemmer Dabigatran (Pradaxa®)...



Mückenstich: Vorsicht, Komplikationen!

Auf einen Mückenstich reagieren die meisten Menschen mit einer lokalen Rötung, Schwellung und Juckreiz. Schmerzhaft sei der Stich nur, wenn...



Allergie: Viele Pollen sorgen für Umsatz

Die starke Allergiesaison hat vor allem den Versandapotheken im ersten Halbjahr 2014 steigende Umsätze beschert. Das geht aus Zahlen des...



OTC: Kassen zahlen für Phytopharmaka und Homöopathie

Seit 2012 dürfen Krankenkassen die Kosten für apothekenpflichtige OTC-Arzneimittel erstatten. Nach einer Untersuchung des Bundesverbandes...

 
 

Cottbus: Apothekenmuseum zeigt DDR-Medikamente
Pillen, Säfte und Salben im Retro-Look: das Brandenburgische Apothekenmuseum in Cottbus sammelt DDR-Medikamente. Heute sind sie vom Markt...

HIV- und Aids: Ukraine droht Rückschlag bei Bekämpfung
Die politische Krise in der Ukraine droht deutliche Fortschritte im Kampf gegen HIV-Infektionen und Aids zunichtezumachen. Davor warnten...

USA: Neuer Wirkstoff für drei Blutkrebsarten
Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat dem Kinasehemmer Idelalisib (Zydelig) die Zulassung erteilt. Der neue Wirkstoff soll zum einen Patienten...

Gesundheitsreform: Erste Teile treten in Kraft
Am morgigen Freitag treten erste Teile der Gesundheitsreform von Union und SPD in Kraft. So gilt dann unter anderem für den Gemeinsamen...

Rückenschmerzen: Paracetamol nicht besser als Placebo
Paracetamol hilft bei akuten Schmerzen im Rücken nicht besser als Placebo. Das Analgetikum verbesserte in einer großen randomisierten...

Roche: Starker Franken vermiest Bilanz
Der starke Schweizer Franken drückt weiter auf das Ergebnis des Pharmakonzerns Roche. Der Höhenflug der heimischen Währung zehrte die...

Barrierefreiheit: Nachholbedarf bei Arztpraxen
Die meisten Arztpraxen in Deutschland sind für Behinderte schlecht zugänglich. Nur 22 Prozent der Praxen für Allgemeinmedizin verfügten...

Cannabis-Eigenanbau: Pharmazeutisch problematisch
Der Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK), Andreas Kiefer, sieht das gestrige Cannabis-Urteil am Kölner Verwaltungsgericht kritisch....

Rifampicin-Engpass: Sirup importieren oder selbst herstellen
Zurzeit besteht ein Lieferengpass für das Rifampicin-haltige Arzneimittel Eremfat-Sirup von Riemser Pharma. Laut Bundesinstitut für...

Gehe: Keine Lloyds-Apotheken in Deutschland
Der Stuttgarter Pharmagroßhändler Gehe hat das Pilotprojekt mit drei Premiumapotheken der Marke Llyods in Deutschland abgeschlossen. Mit...

Rechnungen vom Arzt: FDP lobt Bundesbank
Nach der krachenden Wahlniederlage im vergangenen Herbst war es ruhig geworden um die FDP. Jetzt melden sich die Liberalen mitten im...

Festbeträge: Kosten fairer verteilen
Angesichts der seit Juli neu geltenden Festbeträge und dem damit teils drastisch erhöhten Eigenanteil, den Patienten für ihre Medikamente...

Noch mehr Meldungen...