Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

Bayern: Regierung warnt Ärzte vor Ausstieg aus GKV














DIREKT ZU

 


NACHRICHTEN

 
Bayern: Regierung warnt Ärzte vor Ausstieg aus GKV
 


Wenige Tage vor der Entscheidung über den Ausstieg aus dem Kassensystem hat die bayerische Landesregierung die Hausärzte eindringlich vor diesem Schritt gewarnt. Der Ausstieg gefährde Patienten und Hausärzte, heißt es in Anzeigen, die am Samstag in mehreren Zeitungen veröffentlicht wurden und sich an alle Hausärzte in Bayern wendeten. «Bedenken Sie die Folgen eines Ausstiegs! Denn: Wer aussteigt, ist draußen!» Der Bayerische Hausärzteverband unter seinem Chef Wolfgang Hoppenthaller will seine Mitglieder am kommenden Mittwoch über den Ausstieg abstimmen lassen. Die oberste Aufsicht der Krankenkassen in Deutschland warnte vor einer Abspaltung der Mediziner. «Die Organisation eines Kollektivausstiegs ist nicht nur rechtswidrig. Es ist ein handfester grober Bruch des Hausarztvertrags, den die bayerischen Hausärzte geschlossen haben», sagte der Präsident des Bundesversicherungsamtes (BVA), Maximilian Gaßner, der Nachrichtenagentur dpa.

Die AOK hatte wegen der Systemausstieg-Drohung ihren Hausarztvertrag mit dem Verband bereits fristlos gekündigt. Auch Gaßner sagte: «Das kann zur Kündigung des Vertrags führen und zu Schadensersatzansprüchen.» Auch diei Ersatzkassen haben heute zum Jahresende ihre Verträge gekündigt. «Die Funktionäre des Bayerischen Hausärzteverbandes lassen von ihrem gefährlichen Tun nicht ab und wollen ihr leichtfertiges Spiel mit der Existenz tausender Hausarztpraxen nicht beenden», kritisierte der bayerische Chef des Verbands der Ersatzkassen, Ralf Langejürgen, laut Mitteilung. Die Kündigung dieses Sondervertrages hat dem Verband zufolge keine Folgen für die hausärztliche Regelversorgung. Die Patienten könnten weiterhin ihren Hausarzt aufsuchen und sich auf Versichertenkarte behandeln lassen.

Hat Hoppenthaller Erfolg, scheiden tausende Hausärzte auf einen Schlag aus dem Kassensystem aus. Die Kosten für die Behandlung von Kassenpatienten müssten dann von einer anderen Stelle abgerechnet werden. Hoppenthaller will, dass dies sein Verband selbst erledigt. Für ihn macht die geltende Sozialgesetzgebung die Ärzte zu Sklaven der Kassen. Ein Wiedereinstieg in das System ist nach Darstellung der bayerischen Regierung aber schwierig. Verträge von ausgestiegenen Ärzten mit den Krankenkassen seien gesetzlich verboten, zudem drohe eine sechsjährige Sperre für den Wiedereinstieg in die vertragsärztliche Versorgung. «Wer aussteigt, kann damit nur noch Privatpatienten behandeln.» Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) erinnerte die Ärzte auch an ihre Verantwortung für die Patienten. «Mediziner haben ein Berufsethos. Es geht um die Versorgung von Kranken, und nicht nur um Honorarstreitigkeiten», sagte er der «Passauer Neuen Presse». Alle Mediziner sollten mit ihren Ehepartnern und der Bank darüber reden und überprüfen, ob dies wirtschaftlich und persönlich der richtige Weg sei. «Jeder Hausarzt, der aus dem Kassensystemaussteigt, ist draußen und gefährdet seine eigene Existenz.»

Lesen Sie dazu auch
Bayern: AOK kündigt Vertrag mit Hausärzten
Ärztedrohung: Kassen warnen vor Systemausstieg
Bayerische Hausärzte: Ausstieg aus der GKV?

20.12.2010 l dpa
Foto: Fotolia/M&S Fotodesign
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Chinin ab heute nur noch auf Rezept

Ab heute steht Chinin komplett unter Verschreibungspflicht. Betroffen ist als einziges Fertigarzneimittel in der Selbstmedikation...



Welt-Autismus-Tag: Stoppt die Diskriminierung!

Nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation sind mehr als 80 Prozent der Erwachsenen mit Autismus arbeitslos – dabei würden Arbeitgeber...



Ostern: Die korrekte Applikation von Schokohasen

Häschen gut geschüttelt? Glöckchen-Funktion überprüft? Schutzfolie entfernt? Der korrekte Verzehr eines Schoko-Osterhasen hat erstaunlich...



Adipositas: Neue Diätpille zugelassen

Mit Mysimba® von Orexigen Therapeutics hat ein weiteres Abnehmpräparat eine Zulassung in Europa erhalten. Es kann oral...

 
 

Medizinprodukterecht: Unangekündigte Kontrollen als Regel
Die sogenannten unangekündigten Audits (UAA) bei Medizinprodukte-Herstellern sollen als Teil des regulären Kontrollzyklus anerkannt werden....

Mit Bakterien-Nasentropfen gegen Meningokokken
Nasentropfen, die das harmlose Bakterium Neisseria lactamica enthalten, können eine Besiedlung der oberen Atemwege mit dem gefährlicheren...

Linke fragt nach in Sachen Xarelto
Die Partei Die Linke will wissen, ob die Bundesregierung etwas gegen den Anstieg der Verschreibungen des Gerinnungshemmers Rivaroxaban...

Fehleinschätzung: Mein Kind ist nicht dick
Eltern scheinen Übergewicht bei ihren eigenen Kindern nicht gut erkennen zu können. Einer britischen Studie zufolge weicht die Einschätzung...

Gesundheitsvorsorge: Engagement des Arbeitgebers lohnt sich
Betriebliche Gesundheitsförderung zahlt sich für Unternehmen aus: Nach einer Studie sinken krankheitsbedingte Fehlzeiten um...

Hepatitis C: Sovaldi kann sich rechnen
Die Behandlung von Hepatitis-C-Patienten mit dem innovativen Medikament Sofosbuvir (Sovaldi®) ist bei bestimmten Patienten trotz...

Feinstaub geht direkt ans Herz
Eine erhöhte Konzentration von ultrafeinen Feinstaub-Partikeln führt bereits nach fünf Minuten zu einer veränderten Herzratenvariabilität,...

Schluckstörungen: Patienten manipulieren Arzneimittel
Einer von zehn Patienten zerquetscht Tabletten oder öffnet Kapseln – und zwar meistens, ohne seinen Apotheker oder Arzt vorher zu fragen....

Creme und Salbe: Begriffe sauber trennen
Die Begriffe Creme und Salbe sind aus pharmazeutischer Sicht keine Synonyme und sollten von Ärzten und Apothekern differenziert verwendet...

Ohne OP: Myome mit Ultraschall behandeln
Ein neues Verfahren, der sogenannte hochintensive fokussierte Ultraschall (HIFU), zerstört Myome ohne Schnitt oder Punktion durch die...

Adipositas: Liraglutid zum Abnehmen zugelassen
Das GLP-1-Analogon Liraglutid kann in der EU demnächst auch bei übergewichtigen Erwachsenen ohne Diabetes eingesetzt werden – als...

Hessen: Apotheker fordern regelmäßige Honoraranpassung
Die hessischen Apotheker fordern eine regelmäßige Anpassung ihrer Vergütung. Der aktuelle Fixzuschlag von 8,35 Euro pro Rx-Packung halte...

Das Geschlechterverhältnis von der Empfängnis bis zur Geburt
Zum Zeitpunkt der Empfängnis ist das Verhältnis der Geschlechter gleich, allerdings werden weltweit mehr Jungen als Mädchen geboren,...

Diskussion um Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht
Der Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), Rainer Richter, lehnt eine Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht ab. «Die...

Noch mehr Meldungen...