Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

EU-Beschluss: Klare Kennzeichnung für Lebensmittel

NACHRICHTEN

 
EU-Beschluss: Klare Kennzeichnung für Lebensmittel
 


Die EU-Minister haben neue Regeln für die Kennzeichnung von Lebensmitteln beschlossen. Deutschland und andere Staaten wollen noch weiter gehen. Die Hersteller müssen auf Verpackungen den Gehalt an Zucker, Fett, Salz und Kalorien auflisten. Bislang ist dies freiwillig und erst auf 70 Prozent aller Lebensmittel zu finden. Die EU-Verbraucherminister einigten sich heute in Brüssel auf die neuen Vorgaben, die ab 2014 gelten sollen. Ernährungsexperten hatten eine Kennzeichnung in Ampelfarben gefordert, allerdings gab es dafür keine Mehrheit in der EU.

Europas Lebensmittelindustrie muss auch falschen Käse («Analog-Käse») und Klebe-Schinken deklarieren. Bei nicht verpackter Ware (Fisch, Erdnüsse) müssen Geschäfte auf allergieauslösende Stoffe hinweisen. Bei Energy-Drinks werden Warnhinweise für Schwangere und Kinder Pflicht, und für die Schrift gilt eine Mindestgröße. Alle Angaben der Nährwerttabelle beziehen sich auf 100 Gramm oder 100 Milliliter des Produkts. Alkohol soll nicht gekennzeichnet werden. In Deutschland wird die Kennzeichnung ergänzt. Kalorien, Zucker, Fett, gesättigte Fettsäuren und Salz geben zahlreiche Hersteller schon jetzt freiwillig in Prozent der empfohlenen Tagesration an. Als Bezug soll eine Packung, nicht eine Portion dienen. Nach Ansicht der EU-Minister ist mit der Täuschung von Verbrauchern nun Schluss. «Die Informationen auf den Verpackungen werden ausführlicher, leichter verständlich und besser lesbar», sagte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU). EU-Verbraucherkommissar John Dall sprach von «einem echten Fortschritt im Bereich der Lebensmittelinformation.» Dagegen kritisieren Verbraucherschützer die EU-Regeln als zu lasch und irreführend, auch Deutschland gehen einige Vorgaben nicht weit genug.

Dem Beschluss muss das Europaparlament noch zustimmen, im Juni nächsten Jahres soll entscheiden werden. In den weiteren Beratungen sind noch Änderungen möglich. Die Mitgliedsstaaten haben dann drei bis fünf Jahre Zeit, die Vorgaben umzusetzen. Einzelne Staaten können darüber hinausgehen und zum Beispiel Ampel-Kennzeichnungen nach britischem Vorbild verwenden. Fünf Staaten, darunter Deutschland, gaben eine Erklärung zu Protokoll, in der sie klarere Angaben zur verpflichtenden Herkunftsangabe bei Fleisch und eine Kosten-Nutzen-Rechnung fordern. Bei Fleisch soll künftig der Ort der Verpackung genannt werden, was bei der Bundesregierung auf Kritik stößt. «Mir geht es darum, dass der Verbraucher die Information kriegt, die er haben will, nämlich wo die Tiere herstammen und nicht wo das Fleisch verpackt wird», sagte Ministerin Aigner. Sie will sich in den weiteren Beratungen dafür einsetzen, dass nicht nur auf der Rück-, sondern auch auf der Vorderseite der Verpackung wesentliche Informationen stehen.

07.12.2010 l PZ/dpa
Foto: Fotolia/Pumba
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Pharmagesetz: 100 Millionen Euro für Apotheken

Jetzt ist es offiziell: Die Apotheken sollen mehr Geld für die Abgabe von Rezepturen und Betäubungsmitteln (BtM) bekommen. Wie heute aus...



Berichte über Depression als Gewaltursache oft «fahrlässig»

Nach den jüngsten Terroranschlägen und Amokläufen werden Depressionen oft voreilig und undifferenziert als Ursache für die Gewalttaten...



Apothekenkooperationen: Führungswechsel bei Avie

Die Apothekenkooperation Avie hat Dominik Klahn zum neuen Geschäftsführer berufen. Wie die hundertprozentige Tochter der Kohl Medical AG...



Jeder zweite Berufstätige liest Dienstmails nach Feierabend

Fast jeder zweite Erwerbstätige in Deutschland schaut einer Umfrage zufolge nach Feierabend in seine dienstlichen E-Mails. In einer...

 
 

Kassenärzte: Klinikreform löst Strukturprobleme nicht
Die Krankenhausreform der Bundesregierung verfehlt nach Einschätzung der Kassenärzte die beabsichtigte Wirkung. Die Anfang des Jahres in...

Evolution: Urform aller Lebewesen mochte heiße Quellen
Die gemeinsame Urform der heutigen Lebewesen ernährte sich von Gasen und liebte es heiß. Das haben Forscher vom Institut für Molekulare...

Pharmazulieferer Sartorius erwartet sattes Umsatzplus
Nach dem Kauf von drei Start-up-Unternehmen und einem Gewinnsprung im ersten Halbjahr hat der Labor- und Pharmazulieferer Sartorius seine...

HIV-Präexpositionsprophylaxe: Bahn frei für Truvada in Europa
Die europäische Arzneimittelbehörde EMA empfiehlt, das Medikament Truvada® von Gilead auch in der EU für die...

Zwei neue Wirkstoffe gegen Nierenkrebs
Die Europäische Arzneimittelagentur hat zwei neue Therapieansätze zur Behandlung von Patienten mit Nierenzellkarzinom zur Zulassung...

Neue Zulassungsempfehlung beim Reizdarmsyndrom
Der Ausschuss für Humanarzneimittel der europäischen Arzneimittelbehörde EMA hat sich für eine Marktzulassung von Eluxadolin...

Weniger Plastiktüten: Immer mehr Unternehmen ziehen mit
Die Zeiten, in denen Kunden Neuerworbenes in der kostenlosen Tüte nach Hause tragen konnten, scheinen endgültig vorbei: Immer mehr...

Aids-Hilfe fordert HIV-Prophylaxe auch in Deutschland
Zum Abschluss der Welt-Aids-Konferenz hat die Deutsche Aids-Hilfe die Einführung einer medikamentösen Prophylaxe gegen das HI-Virus auch in...

Herstellungsverbot für Isopropanol 70 Prozent
Apotheken ist die Herstellung des Biozids Isopropylalkohol (2-Propanol) 70 Prozent künftig verboten. Seit 1. Juli bedarf es dafür einer...

Psychologin: Trauma bedeutet nicht unbedingt Radikalisierung
Traumatisierte Flüchtlinge sind nach Ansicht einer Migrationspsychiaterin nicht besonders gefährdet, eine Gewalttat wie den Axt-Angriff bei...

Midostaurin: Ein neuer Multitarget-Kinasehemmer
In einer Phase-II-Studie hat der Wirkstoff Midostaurin gute Ergebnisse bei Patienten mit fortgeschrittener systemischer Mastozytose...

Buprenorphin: Implantat verbessert Abstinenzrate
Das kürzlich in den USA zugelassene subdermale Buprenorphin-haltige Implantat Probuphine® kann im Vergleich zur täglichen...

Krebstherapie: Bakterien töten Tumorzellen
Genmanipulierte Bakterien sind möglicherweise ein neuer Ansatz in der Krebstherapie: US-amerikanische Forscher haben einen...

Freie Apothekerschaft: Neue Honorierung nicht realistisch
Die Freie Apothekerschaft ist mit der vorgesehenen Honoraranpassung des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) für von Hand gefertigte...

ÄoG: Die neuen HIV-Medikamente müssen bezahlbar werden
Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (ÄoG) fordert niedrigere Preise für Medikamente zur HIV-Behandlung in Entwicklungsländern. Die...

HIV-Medikamente senken Übertragungsrisiko beim Stillen
Eine antiretrovirale Therapie verhindert die HIV-Übertragung beim Stillen. Das ist vor allem für HIV-infizierte Mütter in...

Nahrungsergänzungsmittel: Synephrin erhöht Fettverbrennung
Die in einigen Nahrungsergänzungs- und Schlankheitsmitteln enthaltene Substanz Synephrin kurbelt die Fettverbrennung an. Das funktioniert...

Allergiepflanze Ambrosia: Städte kämpfen gegen Verbreitung
Mit Messstationen und Zentralregistern wollen Kommunen in Deutschland gegen die Verbreitung der Allergiepflanze Ambrosia vorgehen. Deren...

LAV: Rekordergebnis im Retax-Management
«Wir sind erfolgreich im Retax-Management.» Fritz Becker, Präsident des Landesapothekerverbands (LAV) Baden-Württemberg, konnte bei der...

Noch mehr Meldungen...