Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

Impfen: Vorsicht vor Infos aus dem Internet

NACHRICHTEN

 
Impfen: Vorsicht vor Infos aus dem Internet
 


Bei Impfdiskussionen im Internet dringen neutrale Sachinformationen von Fachleuten nach Forschungen der Universität Erfurt oftmals nur schwer durch. Grund seien Seiten von Impfgegnern, die die Diskussion stark beeinflussten, sagte die Psychologin Cornelia Betsch im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. «Sie sind prominent platziert, sehr leicht zu finden und werden deshalb häufig angeklickt.» Außerdem führten sie sehr oft auf andere impfkritische Links. Das wirke sich auch auf die Impfentscheidung aus, weil Impfrisiken stärker wahrgenommen würden als Gesundheitsrisiken bei Impfverzicht. Betsch forscht an der Universität Erfurt zu Risikowahrnehmung und Risikokommunikation. Sie schätzt die Zahl impfkritischer Seiten im Netz als eher gering ein. Allerdings stünden diese bei der Suche mit Suchmaschinen häufig unter den ersten fünf Treffern – und oft auch vor neutralen Anbietern wie etwa der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. «Je einfacher der Suchbegriff, desto direkter stößt man auf impfkritische Seiten», sagte die Wissenschaftlerin. Die Quellen seien häufig undurchsichtig, oft werde mit Einzelfallberichten über tatsächliche oder vermeintliche Schäden durch Impfungen gearbeitet. «Bebilderte und emotionalisierte Einzelfallberichte sind sehr konkret und persönlich angelegt», erläuterte Betsch. Dies sei nicht zu unterschätzen. «Das ist bei Eltern, die vor der Impfentscheidung für ihre Kinder stehen, hoch wirksam.»

Die Universität Erfurt hatte in einer in diesem Jahr veröffentlichten Studie 325 Teilnehmer jeweils mit einer neutralen und einer impfkritischen Internetseite konfrontiert und die Probanden anschließend nach ihrer Impfbereitschaft gefragt. Wer dabei über fünf Monate hinweg ein höheres Impfrisiko wahrgenommen habe, hat nach Angaben der Psychologin auch weniger impfen lassen. Ärzte müssten sich darauf einstellen, dass ihre Patienten immer häufiger im Internet recherchierten, sagte Betsch. «Das Internet zu verteufeln, bringt gar nichts.» Ärzte müssten vielmehr selbst in die Offensive gehen und ihren Patienten gute Internetseiten empfehlen. «Die Ärzte müssen selber surfen.»

06.12.2010 l dpa
Foto: Fotolia/Pressmaster
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Nach Chef-Rauswurf: Sanofi plant Stellenaufbau in Frankfurt

Nach dem Rauswurf von Firmenchef Christopher Viehbacher beim französischen Pharmakonzern Sanofi hat die deutsche Tochter Sorgen um einen...



Wissenschaftsrat: Durchwachsenes Zeugnis für das BfArM

Gut in der Arzneimittelaufsicht, ausbaufähig in der Forschung: So lautet kurz gefasst das Urteil des Wissenschaftsrats über das...



Saarland: Kammer übernimmt Apothekenaufsicht

Voraussichtlich ab Februar 2015 soll die komplette Apothekenaufsicht im Saarland von der dort ansässigen Apothekerkammer übernommen werden....



Dimethylfumarat: Häufigere Blutbildkontrollen gefordert

Der Todesfall einer Multiple-Sklerose-Patientin, die über längere Zeit mit dem Immuntherapeutikum Dimethylfumarat (Tecfidera®)...

 
 

Kinder nicht als Boten in die Apotheke schicken
Eltern sollten ihre Kinder nicht als Boten in eine Apotheke schicken. Das Gesetz verbietet Apothekern zwar nicht grundsätzlich,...

Halloween: Gruselige Kostüme aus gruseligem Material
Alle Jahre wieder: Das Landesuntersuchungsamt in Koblenz warnt vor Schadstoffen in Halloween-Kostümen und Horror-Masken. Die Behörde rät...

EU: Apotheker kämpfen für Verbraucherschutz
Deutschlands Apotheker fordern die Institutionen der Europäischen Union auf, in der Arzneimittelversorgung auch in Zukunft ein hohes...

Umfrage: Jede dritte Schwangerschaft ist ungeplant
Trotz moderner Verhütungsmethoden scheint die Familienplanung komplizierter zu sein als gedacht. Laut einer repräsentativen Umfrage treten...

Gewinn- und Umsatzplus bei Bayer: Neue Strategie geht auf
Mit glänzenden Geschäften im Gesundheits- und Agrargeschäft bestätigt der Bayer-Konzern seinen vor wenigen Wochen voll­zo­ge­nen...

Palliativversorgung: Zahl der Hospize steigt an
Die Versorgung von Todkranken gewinnt in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums nehmen immer...

Internisten: Turnschuhe statt Tabletten verordnen
Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) hat an die Ärzte appelliert, ihre Patienten mehr vorbeugend zu...

Ebola: Erstmals weniger Neuinfektionen in Liberia
In Liberia lässt das Ausmaß der Ebola-Epidemie offenbar nach. Erstmals seit Ausbruch der Epidemie sei die Zahl der gemeldeten...

Schlaganfall: Symptome erkennen, schnell handeln
Um die Chancen zu erhöhen, einen Schlaganfall unbeschadet zu überleben, sollten mehr Menschen die typischen Symptome bei einem...

Zytostatika-Retax: Gericht legt Urteilsgründe vor
Patienten dürfen selbst darüber entscheiden, in welcher Apotheke sie vom Arzt verordnete Krebsmedikamente herstellen lassen möchten. Zu...

Streit um AM-Zukäufe: Sanofi schmeißt Chef raus
Der französische Pharmakonzern Sanofi zieht die Notbremse: Mit sofortiger Wirkung trennt sich das Unternehmen von seinem Chef Christopher...

AMNOG: Gemischte Bilanz nach knapp vier Jahren
Knapp vier Jahre nach Einführung des Arzneimittelmarkt-Neuordungsgesetzes (AMNOG) bewerten Ärzte, Krankenkassen und Hersteller den Erfolg...

Arzneimittelimporteure kritisieren bayerische Importregelung
Der Verband der Arzneimittelimporteure (VAD) hat das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege darum gebeten, den...

Experten: Zusatzbeiträge nicht künstlich niedrig halten
Experten haben vor einer finanziellen Schieflage der Krankenkassen durch den neu forcierten Wettbewerb gewarnt. Kassen können von 2015 an...

Ebola: Mehr als 5000 weitere Helfer gesucht
Für den Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika werden nach Auffassung der Weltbank zusätzlich mindestens 5000 Helfer benötigt. Der...

Ebola: Auch nicht kausale Therapie kann erfolgreich sein
Bei allem Nachdruck, mit dem zurzeit weltweit nach Mitteln gegen das Ebola-Virus gesucht wird, dürfen die momentan zur Verfügung stehenden...

Generika-Konkurrenz: Pfizer hat weiter zu kämpfen
Beim US-amerikanischen Pharmakonzern Pfizer laufen die Geschäfte weiter schleppend. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, meldete das...

DAK-Report: Antibiotika immer noch zu häufig verordnet
Beinahe 30 Prozent der Antibiotika-Verordnungen im vergangenen Jahr stellten sich mit Blick auf die Diagnose als fragwürdig heraus....

EMA: Neue Empfehlungen zum Polymyxin-Einsatz
Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat die Sicherheit, Wirksamkeit und Pharmakokinetik der Polymyxin-Antibiotika Colistin (Polymyxin...

Diabetes: Verordnung von Fertigpens auf der Kippe
Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) fürchtet, dass alte Menschen mit Diabetes demnächst benachteiligt werden könnten. Grund ist...

Noch mehr Meldungen...