Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

Kliniken: Jedes fünfte Haus im Minus

NACHRICHTEN

 
Kliniken: Jedes fünfte Haus im Minus
 


Höhere Lohnabschlüsse und Sparrunden drücken jedes fünfte Krankenhaus in Deutschland ins Minus. Somit schreiben mehr als 400 der noch knapp 2100 Kliniken rote Zahlen. «Durch die gesetzlichen Einsparmaßnahmen wird 2011 die Schere zwischen Kosten und Erlösen wieder deutlich auseinandergehen», sagte der Geschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum, unter Berufung auf die neue Untersuchung «Krankenhaus Barometer 2010» am Freitag in Berlin. Fusionen oder Klinikschließungen dürften nach einer Verschnaufpause für die Branche somit wieder Fahrt aufnehmen. Zuletzt war nach den jüngsten DKG-Daten die Zahl der Kliniken binnen zehn Jahren um 180 zurückgegangen. Insgesamt schrieben vergangenes Jahr 68 Prozent der Krankenhäuser einen Überschuss, 21 Prozent ein Minus und 11 Prozent ein ausgeglichenes Ergebnis, so die DKG.

Dabei bekamen die Kliniken 2009 durch das Krankenhaus-Finanzierungs-Reformgesetz mehr Geld. Kommendes Jahr kürzt die Koalition mit der Gesundheitsreform ihre Mehreinnahmen. Gemeinsam mit Tarifabschlüssen und höheren Sozialversicherungsbeiträgen führe das dazu, dass die Häuser fürs Personal deutlich mehr ausgeben müssten als sie an Plus verbuchen, sagte Baum. «Noch sorgenvoller schauen die Kliniken in das Jahr 2012», so die DKG. Die Politik sehe zwar die Notwendigkeit für eine Stärkung der Branche. «Im Widerspruch dazu steht die von der Koalition über das Jahr 2012 hinaus installierte dauerhafte Rabattregelung zugunsten der Krankenkassen und zulasten der Kliniken», kritisierte Baum. Infolgedessen fehlten hunderte Millionen Euro. «Insbesondere kommunale Kliniken werden den hohen Verschuldungsgrad ihrer Gemeinden spüren», sagte das Wirtschaftsforschungsinstitut RWI in seiner jüngsten Studie dazu im Mai voraus. Acht Prozent der Häuser seien derzeit in Insolvenzgefahr. 2011 verschlechtere sich die Lage.

Die Kassen wiesen Rufe nach mehr Geld für die Krankenhäuser zurück. Sie dringen auf den Abbau von Überkapazitäten. «Es kann nicht die Aufgabe der Beitragszahler sein, aus ihren Portemonnaies verkrustete Strukturen zu finanzieren, bei denen jedes fünfte Krankenhausbett leer steht», sagte Verbandssprecher Florian Lanz. Angesichts von Gewinnen bei mehr als zwei Dritteln der Kliniken müsse man die Ursachen des Minus bei der Minderheit erforschen. Die Ausgaben allein der gesetzlichen Kassen für Klinikbehandlungen stiegen um mehr als 3 auf 55,4 Milliarden Euro 2009 und machen mit 34,5 Prozent den mit Abstand größten Anteil aus. Zehn Jahre zuvor waren es noch 43,3 Milliarden. Die Krankenhäuser sehen sich nicht nur im laufenden Geschäft unterfinanziert, wofür die Kassen zahlen. Die DKG bemängelt auch zu wenig Geld für Investitionen etwa in Gebäude, wofür die Länder zuständig sind: Ohne eigene Mittel und Kredite wären die Krankenhäuser vom Fortschritt abgekoppelt. Ihr Anteil liege mit rund 2,8 Milliarden Euro bei der Hälfte der tatsächlichen Investitionen.

03.12.2010 l dpa
Foto: Fotolia/Aperture
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Sensible Kundendaten: Apotheker passen auf

Deutsche Apotheker denken, dass sie sensible Daten ihrer Kunden ausreichend schützen. Das ist das Ergebnis einer Apokix-Umfrage des...



Hepatitis-C-Therapie: PRAC bestätigt Hepatitis-B-Reaktivierung

Unter einer Therapie mit direkt wirkenden antiviralen Arzneimitteln gegen Hepatitis C kann eine schlummernde Hepatitis B wieder aufflammen....



Handicaps: Jeder Vierte in Europa sieht sich eingeschränkt

Jeder Vierte in der Europäischen Union sieht sich durch gesundheitliche Handicaps im Alltag eingeschränkt. Die Zahl nannte die europäische...



Nuklearer Notfall: NRW stockt Iodtabletten-Vorrat auf

Das Land Nordrhein-Westfalen will bei einem Atomunfall bis zu drei Millionen Haushalte mit Iodtabletten versorgen. Dafür wurden zusätzlich...

 
 

Demenz: Vorhofflimmern und Blutverdünner als Risikofaktoren
Patienten mit Vorhofflimmern (VHF), die zur Prävention von Schlaganfällen das Antikoagulanz Warfarin einnehmen, haben ein höheres Risiko...

Körpereigene Nanopartikel zum Antibiotika-Transport
Eine neue Forschergruppe am Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) will eine Technologie entwickeln, mit der...

Kammer informiert Berufsberater über Apothekenberufe
Um mehr junge Leute für einen Apothekenberuf zu begeistern, geht die Apothekerkammer Westfalen-Lippe nun auch verstärkt den indirekten Weg....

Falsch dosierte Zytostatika: Apotheker unter Betrugsverdacht
Im Fall des Bottroper Apothekers, der massenhaft Krebsmedikamente in betrügerischer Absicht zu niedrig dosiert haben soll, fordern...

Crystal Meth: Neue S3-Leitlinie vorgestellt
Seit heute ist Deutschland das erste Land mit einer S3-Leitlinie, die Empfehlungen zum Umgang mit Crystal-Meth-Abhängigen macht. «Der...

Berufsstarter unter Stress: «Generation Z» schaltet auf Abwehr
Selbst Berufsstarter plagen sich laut einer Gesundheitsstudie schon häufig mit typischen Volkskrankheiten herum. Mehr als jeder dritte der...

UN entschuldigen sich für Cholera-Ausbruch in Haiti
Nach jahrelangem Zögern hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eine Schuld der Vereinten Nationen für den Cholera-Ausbruch 2010 in Haiti mit...

Drei Viertel der deutschen Männer essen zu viel Fleisch
Die meisten Deutschen essen deutlich mehr Fleisch, als für sie gesund wäre: 74 Prozent der Männer und 45 Prozent der Frauen überschreiten...

Welt-Aids-Tag: Impfstudie in Südafrika gestartet
Erstmals seit sieben Jahren soll eine potenzielle Impfung gegen HIV getestet werden. Teilnehmen an der randomisierten placebokontrollierten...

Hilfsmittel: BGH erlaubt Erlass der Zuzahlung
Händler dürfen bei der Abgabe ärztlich verordneter Hilfsmittel an gesetzlich Versicherte auf die Zuzahlung verzichten und auch mit diesem...

Innovationsfonds: Zwei Förderprojekte mit Apotheken
Unter den Projekten, die 2016 Mittel aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) erhalten, sind auch zwei mit...

Pflege: Gesetz soll bessere Beratung bringen
Die 2,8 Millionen Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen sollen künftig besser über Möglichkeiten der Pflege beraten werden. Kommunen...

Kammer: EuGH-Urteil gefährdet Patientensicherheit
Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Rx-Preisbindung erregt weiter...

Corticoid-Nasensprays: Rezeptfrei nur nach Erstdiagnose
Im Oktober wurden Nasensprays mit den Wirkstoffen Mometason und Fluticason aus der Verschreibungspflicht entlassen. Damit stehen neben...

Anhörung zum HHVG: Beinahe gut
Das geplante Gesetz zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittelversorgung (HHVG), das für mehr Transparenz und Qualität in diesem Markt sorgen...

PCSK9-Hemmer und das Diabetesrisiko
Möglicherweise erhöhen PCSK9-Antikörper wie Alirocumab und Evolocumab das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Die neue Klasse von...

Blaue Hand: Neues Logo für Schulungsmaterial
Damit wichtiges Schulungsmaterial zu Medikamenten nicht mit Werbung verwechselt wird, gibt es künftig ein neues Logo zur Kennzeichnung: Die...

Computerspielsucht trifft vor allem Jungen und Männer
Knapp sechs Prozent der 12- bis 25-Jährigen in Deutschland zeigen nach einer Krankenkassen-Studie Anzeichen einer Computerspielsucht....

Psychologe: Schlafmangel führt zu «sozialem Jetlag»
4,8 Millionen Menschen in Deutschland leiden nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) an...

Welt-Aids-Tag: UN warnen vor Anstieg von Neuinfektionen
Die Zahl der jährlich neuen HIV-Infektionen unter Jugendlichen könnte nach Schätzungen der Vereinten Nationen im Jahr 2030 bis zu 400.000...

Noch mehr Meldungen...


PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU