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Arbeitskreis 2: Nachwuchs fordern und fördern

DEUTSCHER APOTHEKERTAG 2010

 
Arbeitskreis 2

Nachwuchs fordern und fördern


Mehr zu versorgende alte Menschen, weniger fachlich qualifizierte junge Menschen: Wie ist die Arzneimittelversorgung in den kommenden Jahrzehnten zu meistern? Das war Thema in Arbeitskreis 2.


Zunächst ging es um die Zahlen zum demografischen Wandel. Hier räumte Dr. Harald Michel, Leiter des IFAD – Institut für angewandte Demografie in Berlin, mit einem allgemeinen Irrtum auf. Weder die Zuwanderungs- noch Familienförderungspolitik könnten das Schrumpfen der deutschen Bevölkerung aufhalten. »Der Prozess ist viel zu komplex«, so Michel. »Wir können gegen diesen Wandel überhaupt nichts tun.« Die Frage sei nun, wie wir damit umgehen.




Eine genaue Volkszählung habe es seit Langem nicht mehr gegeben. Nach Schätzungen hatte die Einwohnerzahl der Bundesrepublik mit rund 80 Millionen im Jahr 2004 ihren Höhepunkt erreicht. Seitdem geht es abwärts, bis auf rund 50 Millionen im Jahr 2050. Dabei steigt die Lebenserwartung immer weiter an, die Geburtenrate nimmt ab, und die Bevölkerung wandert weiter von ländlichen Regionen in die Ballungsräume ab. Schon in den kommenden zehn Jahren werde es beispielsweise in den östlichen Bundesländern zu Problemen bei der pflegerischen Versorgung von Senioren kommen, da die Jüngeren längst weggezogen sind.

 

Und Nachwuchs ist kaum in Sicht. Michel nannte als Beispiel den Landkreis Demmin in Mecklenburg-Vorpommern, der genauso groß ist wie Berlin. Im Jahr 2020 werde es dort so gut wie keine 25- bis 30-Jährigen mehr geben. »Das hat Folgen für Wirtschaft und Politik«, sagte Michel. Dieser Landkreis sei aber nur ein Vorreiter.




Dr. Harald Michel

Kinderfreundlichkeit sei in jedem Fall ein wichtiger Wert, den es auch politisch zu bewahren gilt. Das Altenbild dagegen werde sich von allein zum Positiven wenden. Schließlich gewinne diese Gruppe immer mehr an Kaufkraft. Und auch an politischem Einfluss. Michel appellierte jedoch für mehr Generationengerechtigkeit. Die zunehmende Verschuldung sei eine unzumutbare Last für die kommenden Generationen.

 

Nächster Schritt müsse sein, vorhandene Potenziale zu aktivieren, zum Beispiel ältere Menschen, die noch arbeiten können und wollen, dies auch tun zu lassen. Auf der anderen Seite sollte dem Nachwuchs die bestmögliche Ausbildung geboten werden, und zwar unabhängig, ob zugewandert oder nicht.

 

Die demografische Entwicklung trifft auch die Apotheker. Viele werden in den kommenden Jahren aus dem Beruf ausscheiden. Zudem muss die Branche mit anderen Studienfächern vermehrt um Nachwuchs konkurrieren und klinisch-pharmazeutische Dienstleistungen ausbauen, erklärte ABDA-Geschäftsführerin Dr. Christiane Eckert-Lill.

 

Man müsse sich jetzt überlegen, wie die Apotheker die Versorgung der Menschen in ausgedünnten Regionen mit reduzierter Infrastruktur qualitativ hochwertig sicherstellen können. Dazu brauchen Pharmazeuten eine gute Ausbildung.

 

Ist das Pharmaziestudium noch attraktiv? Ja, meinte Professor Dr. Bernd Clement von der Universität Kiel. Dies belege die hohe Nachfrage nach den Studienplätzen. Positiv sei das breite Spektrum der Hochschulausbildung. Der Bedarf an qualifizierten Absolventen sei aber nicht nur für die Offizinpharmazie hoch. »Pharmazeutische Analytik, medizinische Chemie, Pharmakologie, Toxikologie – Apotheker werden gesucht.« Die Kollegen sollten für das Pharmaziestudium werben: »Stellen Sie den Beruf so schön dar, wie er ist.«




Maria-Christina Scherzberg

Der BPhD, Bundesverband der Pharmaziestudierenden Deutschlands, setze sich für eine optimale Umsetzung der Ausbildung in Klinischer Pharmazie an allen Universitäten ein, versicherte BPhD-Präsidentin Maria-Christina Scherzberg. »Im dritten Ausbildungsabschnitt hängt von Ihnen als Ausbilder ab, wie gut der Nachwuchs auf sein Berufsleben vorbereitet ist«, wandte sie sich an das Auditorium. Mit Blick auf die »Akademische Ausbildungsapotheke« in Baden-Württemberg warb sie für eine gut strukturierte Ausbildung.

 

Für Apothekerin Freifrau Stephanie Schauff von Sobeck-Werder aus Hamm ist das Praktische Jahr (PJ) »eine Brücke zur Praxis«. Gerade bei der Entscheidung für das künftige Berufsfeld spielt diese Zeit eine entscheidende Rolle, ergab eine vorläufige Auswertung einer BPhD-Umfrage. Nur eine Minderheit der Studienanfänger wolle zunächst in die öffentliche Apotheke; tatsächlich führt ihr Weg doch mehrheitlich in die Offizin, erklärte Scherzberg. »Dieser Sinneswandel findet vermutlich vor allem im PJ statt.«




Erika Fink

»Fördern und fordern« heißt die Maxime für Dr. Frank Dörje, Chef der Apotheke des Uniklinikums Erlangen, der das Recht der Studenten auf eine adäquate Ausbildung im PJ unterstrich. Allerdings suchten viele Studenten ihre Ausbildungsapotheke eher nach dem Umfeld als nach der Qualifikation aus, kritisierte BAK-Präsidentin Erika Fink. Sie plädierte zudem für ein lebenslanges Lernen. Dörje wies auf die Fort- und Weiterbildungen der Kammern hin, die die Kollegen für die Zukunftsaufgaben qualifizieren, und nannte die Weiterbildungen zu Prävention und Gesundheitsförderung sowie Geriatrische Pharmazie.

 

Die Apotheker müssen sich frühzeitig Gedanken machen, wie sie die Arzneimittelversorgung in ausgedünnten Regionen sicherstellen können, forderte Eckert-Lill. Dies sei besonders in Orten wichtig, in denen keine niedergelassenen Ärzte mehr praktizieren und sich eine Apotheke daher nicht mehr halten kann. Diese Lücke könne nicht durch Versandapotheken geschlossen werden. »Hier brauchen wir intelligente Lösungen«, so Eckert-Lill.

 

Fazit des Arbeitskreises: Die Apotheke 2050 muss noch viel näher am Patienten sein und dafür viele Anstrengungen unternehmen. /


Kommentar: Mehr Stolz

Die Apotheker sorgen sich um ihren Berufsnachwuchs. Ein Beruf, der in der Öffentlichkeit als nicht zukunftssicher dasteht, ist für junge Menschen wenig attraktiv. Offensichtlich sind auch viele Apotheker von der Zukunft nicht wirklich überzeugt. Dies zeigte die Reaktion auf die spontane Frage des Moderators Dr. Albrecht Kloepfer, wer seinen Kindern empfehlen würde, Pharmazie zu studieren. Viele Delegierte hoben nicht die Hand. Das ist schade, denn Apotheker zu sein, ist ein schöner und wertvoller Beruf. Wir sollten ihn mit Stolz und Freude vertreten. Wenn wir dies aktiv nach außen tragen, machen wir damit die beste Werbung für den Berufsstand. Wer mit Freude Apotheker ist, verleiht dem Beruf Attraktivität und Ausstrahlung. Diese Botschaft sollte vom Apothekertag ausgehen.

 

Brigitte M. Gensthaler, Redakteurin


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Beitrag erschienen in Ausgabe 41/2010

 

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