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Deutscher Apothekertag: Heilberufe müssen besser kooperieren

POLITIK

 
Deutscher Apothekertag

Heilberufe müssen besser kooperieren


Von Daniel Rücker / Die beiden Arbeitskreise des Deutschen Apothekertags stellen die Pharmazie in den Mittelpunkt. Im ersten Arbeitskreis diskutiert ABDA-Geschäftsführer Professor Dr. Martin Schulz mit Experten über die Weiterentwicklung der Arzneimittelversorgung.

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PZ: In Ihrem Arbeitskreis geht es um die Weiterentwicklung der Arzneimittelversorgung. Mit wem diskutieren Sie?

 

Schulz: Professor Dr. Ulrich Laufs von der Universitätsklinik des Saarlandes spricht über »Apotheken-basierte Verbesserung der Einnahmetreue«. Seine Thesen und mein sich anschließender Vortrag sind die Grundlage für die Podiumsdiskussion. Dr. Peter Froese, Vorsitzender des Apothekerverbandes Schleswig-Holstein, wird den Blickwinkel eines Praktikers und seine Erfahrungen aus Verhandlungen mit der Kassenärztlichen Vereinigung und den Krankenkassen auf Landesebene einbringen. Leistungen kosten nun einmal Geld – mit Johann-Magnus Freiherr von Stackelberg, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Vorstands des GKV-Spitzenverbandes, werden wir diskutieren, welche Leistungen die Krankenkassen interessieren. Eine ganzheitliche Betreuung vor allem von chronisch Kranken setzt eine engere Zusammenarbeit von Arzt und Apotheker voraus. Dr. Lothar Lieschke von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) wird die Sicht der niedergelassenen Ärzteschaft darstellen.

 

PZ: Welche Aspekte werden in Ihrem Vortrag aufgegriffen?

 

Schulz: Neben der Darstellung, was wir alle gemeinsam in den vergangenen Jahren bereits erreicht haben und welche Grundlagen geschaffen wurden, um die Arzneimittelversorgung zukunftssicher weiter zu entwickeln, werden die Positionierung der Apotheker als Heilberufler mit Verantwortung für das Medikationsmanagement und die Arzneimitteltherapiesicherheit im Fokus stehen.

 

PZ: Sie haben einen Mediziner und einen Vertreter der niedergelassenen Ärzteschaft (KBV) auf das Podium eingeladen. Bedeutet dies, dass die Apotheken in Zukunft sehr viel stärker mit den Ärzten zusammenarbeiten müssen?

 

PZ: Ja! Die Heilberufe Arzt und Apotheker wollen und müssen zukünftig noch besser zusammenarbeiten. Das gilt vor allem für öffentliche Apotheken und niedergelassene Ärzte. ABDA und KBV haben dies frühzeitig auf Bundesebene erkannt und das ABDA/KBV-Konzept entwickelt. Gleiches gilt für die Zusammenarbeit der Arzneimittelkommissionen AMK und AkdÄ, aber auch die Gespräche zwischen Bundesärzte- und Bundesapothekerkammer. Diese bieten die Grundlage für konkrete Ausgestaltungen, gemeinsame Modellprojekte und gemeinsame Vorschläge an die Gesundheitspolitik und für die konkrete Arzt-Apotheker-Kooperation vor Ort.

 

PZ: Welche Botschaften erhoffen Sie sich von der Diskussion?

 

Schulz: Die in den beiden Eingangsvorträgen, der Diskussion auf dem Podium und vor allem in der Debatte mit den Delegierten behandelten Themen lassen sich dreiteilen: Es geht um die Bedeutung der Einnahme- und Therapietreue in der medikamentösen Therapie, die Arzneimitteltherapiesicherheit und Medikationsmanagement durch Apotheker und Arzt. Außerdem sprechen wir über einen patientenorientierten Leistungs- und Qualitätswettbewerb und wir skizzieren Entwicklungen im Vertragsumfeld. Diese Themen bieten vielfältige Gelegenheit, der Gesundheitspolitik – aber auch den Krankenkassen und den Medien – unsere Vorstellungen für eine an den Patienteninteressen orientierte Weiterentwicklung der Versorgung vorzustellen.

 

PZ: Bislang waren die Krankenkassen ja oft ziemlich zurückhaltend, wenn Apotheker und Ärzte gemeinsame Projekte angestoßen haben. Haben Sie die Hoffnung, dass von Stackelberg offener für neue Formen der Arzneimittelversorgung ist?

 

Schulz: Ja, ich bin da optimistisch. In den vielfältigen Gesprächen von ABDA und des DAV mit dem GKV-Spitzenverband und vor allem mit einzelnen Krankenkassen stellen wir abseits von Verhandlungen zum Apothekenabschlag oder Rabattverträgen fest, dass das Interesse an unseren Vorschlägen und Angeboten zunimmt. Diese sind ja auch überzeugend; übrigens auch für viele Abgeordnete und die Leitung des Bundesgesundheitsministeriums. Manchmal haben wir allerdings noch den Eindruck, dass der Mut hin zu Entscheidungen für die notwendigen Rahmenbedingungen nachhaltiger sein könnte. In jedem Fall haben wir alle im Rahmen der politischen Podiumsdiskussion am Samstag die Chance, auch dieses Thema mit den gesundheitspolitischen Sprechern aus dem Bundestag anzuschneiden.

 

PZ: Viele Apothekerinnen und Apotheker sehen die Hauptversammlung im Rahmen des Deutschen Apothekertages als eine Delegierten-exklusive Veranstaltung. Tatsächlich hat aber jeder Pharmazeut Zutritt. Warum sollten Apotheker Ihren Arbeitskreis besuchen?

 

Schulz: Jede Kollegin, jeder Kollege hat selbstverständlich freien Zutritt zur Hauptversammlung – und das ist gut so! Die behandelten Themen betreffen uns alle. Auf der einen Seite bekommen die Apotheken durchweg gute Noten von den Patienten, auf der anderen sehen viele uns in einer permanenten Abwehrhaltung gegenüber Medien, Teilen der Gesundheitspolitik und den Krankenkassen.

 

Wir wollen auch auf dem Deutschen Apothekertag gemeinsam deutlich machen, was wir bereits leisten, und in welche Richtung wir den Beruf weiterentwickeln wollen. Dazu gehören aber auch verlässliche Rahmenbedingungen, die wir auch in München vernehmlich von der Politik einfordern werden. Wir wollen – im engen Schulterschluss mit den Ärzten – die Möglichkeit erhalten, noch verstärkt für die Patienten tätig zu werden. /


Der Deutsche Apothekertag findet vom 7. bis 9. Oktober auf dem Messegelände in München statt. Die kostenlose Teilnahme steht allen Apothekern frei. Die Arbeitskreise im Rahmen der Hauptversammlung sind auf den 8. und 9. September in Halle A6 (Eingang Ost) terminiert.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 38/2010

 

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