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Selbsthilfe: DAV prämiert vorbildliche Konzepte

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DAV prämiert vorbildliche Konzepte


Von Bettina Sauer, Berlin / Der Deutsche Apothekerverband (DAV) hat erstmals Kooperationen zwischen Apotheken und Selbsthilfegruppen ausgezeichnet. Auf diese Weise will er anderen Mut und Anregungen zur Nachahmung liefern.

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Viele deutsche Apotheken arbeiten mit Selbsthilfegruppen zusammen, und ihrer Kreativität sind dabei quasi keine Grenzen gesetzt. Nun hat der Deutsche Apothekerverband (DAV) erstmals vorbildliche Kooperationen ausgezeichnet. »Dadurch möchten wir einen Überblick über die bestehenden Gemeinschaftsprojekte gewinnen, diese öffentlich bekannt machen und Mut und Anregungen zur Nachahmung geben«, erklärte Thomas Preis, Vorstandsmitglied und Beauftragter für Patientenbelange des DAV, bei der Preisverleihung. Diese fand im Rahmen des diesjährigen DAV-Patientenforums am vergangenen Freitag in Berlin statt.




Die Preisträger beim Gruppenbild mit Wolfgang Zöller, dem Patientenbeauftragten der Bundesregierung (hinten links) und Thomas Preis, dem Beauftragten für Patientenbelange des DAV (hinten rechts).

Foto: PZ/ZIllmer




Unter den Rednern war auch Wolfgang Zöller (CDU), Patientenbeauftragter der Bundesregierung und Schirmherr des Preises. Er sagte: »Über 21 000 Apotheken und drei Millionen Mitglieder der Selbsthilfe stellen zwei wichtige Größen im deutschen Gesundheitssystem dar und können sich bei aller Verschiedenheit ganz wunderbar ergänzen.« Denn Erstere verfügten über eine umfassende Arzneimittelkenntnis, Letztere wüssten, »wo bei den Patienten der Schuh drückt«. »Wenn sich beide zusammentun, ist das eine Win-Win-Situation, und es können vorbildliche Projekte zur Gesundheitsförderung entstehen.« Das zeigten die knapp 60 eingereichten Bewerbungen ganz deutlich.

 

Den ersten Preis im Wert von 2000 Euro erhielt die »Selbsthilfe rund um den Mannheimer Wasserturm« in Kooperation mit Apothekeninhaber Dr. Gerhard Bender. Dabei handelt es sich um ein Netzwerk von vielen lokalen Selbsthilfegruppen und Apotheken, das seit 1997 besteht und schon eine Fülle von Aktionen auf den Weg gebracht hat. Unter anderem unterstützen die Apotheken die Vorbereitung und Durchführung von Selbsthilfetagen, bieten den Gruppen in ihren Schaufenstern Werbemöglichkeiten und legen die regionale Selbsthilfezeitung »Gesundheitsexpress« aus.

 

15-jährige Kooperation

 

Vielfältig und langjährig ist auch die Zusammenarbeit zwischen der Multiple Sklerose (MS)-Selbsthilfegruppe »Offensiv« und der Schwanen-Apotheke in Chemnitz, die den zweiten Preis im Wert von 1000 Euro erhielt. Apothekeninhaberin Heike Wöstenberg bietet der Selbsthilfegruppe seit 15 Jahren finanzielle und inhaltliche Unterstützung, stellt ihr unter anderem kostenlos eine Wohnung zur Verfügung, hält Vorträge und beteiligt sich bei der Organisation von Sommerfesten, Weihnachtsfeiern und öffentlichkeitswirksamen Aktionen. Dazu zählen die »Rad`l-Tage«, bei denen Kinder und Erwachsene aus Chemnitz auf dem Fahrradergometer für gemeinnützige Projekte strampeln.

 

Der dritte Preis im Wert von 500 Euro ging an die »HSP-Selbsthilfegruppe Deutschland« in Kooperation mit Apothekerin Gabriele Weigel. Letztere leidet selbst an der seltenen, genetisch bedingten Hereditären Spastischen Spinalparalyse (HSP) und berät seit 2005 deutschlandweit andere Patienten bezüglich ihrer Arzneimittel-Therapie. Dabei informiert sie über die erwartbaren Wirkerfolge und Nebenwirkungen der verordneten Medikamente, optimale Einnahmemengen und -Zeitpunkte sowie mögliche therapeutische Alternativen. Das soll als Unterstützung für zukünftige Arzt-Patienten-Gespräche dienen.

 

Für neue Kooperationen zwischen Apotheken und Selbsthilfegruppen engagiert sich der »Verein Selbsthilfekontaktstellen Bayern« aus Würzburg in Kooperation mit dem Bayerischen Apothekerverband und der Bayerischen Landesapothekerkammer. Die Partner veranstalten Fortbildungen für Apotheker, um die Arbeitsweise der Selbsthilfe und regionale Angebote vorzustellen und Ideen für neue Gemeinschaftsprojekte zu erarbeiten. Dieses Konzept wurde mit einem Sonderpreis gewürdigt.

 

Zur fünfköpfigen Jury gehörten Thomas Preis, Hannelore Loskill von der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe (BAG), Dr. Jutta Hundertmark-Mayser von der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS), Jutta Petersen-Lehmann, Chefredakteurin der Neuen Apotheken Illustrierten, und Daniel Rücker, Chefredakteur der Pharmazeutischen Zeitung. Der DAV plant die Dokumentation aller eingereichten Beiträge. »Schließlich zeugen auch die nicht-prämierten von einer hohen Kreativität und Einsatzbereitschaft«, sagte Preis. Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung kommentierte: »Ich hoffe von Herzen, dass viele andere diese Anregungen aufgreifen – zum Wohl der Patienten und für ein humaneres Gesundheitssystem.« /


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Beitrag erschienen in Ausgabe 38/2010

 

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