Govi-Verlag
Mylan dura

NEUE ARZNEISTOFFE

86 Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva


Lenalidomid, Revlimid® (Celgene)

 

 

 

Lenalidomid ist bei Patienten mit multiplem Myelom zugelassen, die vorher mindestens eine andere Therapie erhalten haben. Lenalidomid wird immer mit Dexamethason kombiniert. Dieser Tumor der Plasmazellen im Knochenmark ist selten, daher wurde Lenalidomid im Dezember 2003 als Orphan drug eingestuft.

 

Der Neuling leitet sich strukturell vom Thalidomid ab und hat wie dieses ein asymmetrisches C-Atom. Das Arzneimittel enthält das Racemat. Lenalidomid wird nach peroraler Gabe rasch resorbiert und erreicht nach 0,6 bis 1,5 Stunden maximale Plasmakonzentrationen. In vitro wurde kein Einfluss auf wichtige CYP-Enzyme wie CYP1A2, -2C9, -2D6 und -3A beobachtet. Der größte Teil wird unverändert über die Niere ausgeschieden.

 

Das Medikament wird in 28-tägigen Therapiezyklen eingenommen und zwar unzerkaut jeden Tag etwa zur gleichen Zeit. Die empfohlene Tagesdosis liegt bei 25 mg an den Tagen 1 bis 21, gefolgt von einer einwöchigen Pause. Zusätzlich schluckt der Patient in den ersten vier Zyklen 40 mg Dexamethason an den Tagen 1 bis 4, 9 bis 12 und 17 bis 20. In den Folgezyklen wird das Steroid nur noch an den ersten vier Tagen gegeben. Bei einem schweren Mangel an Blutplättchen oder Neutrophilen (Thrombozyto- und Neutropenie) sowie Nierenproblemen wird die Tagesdosis reduziert.

 

Lenalidomid ist ein Immunmodulator mit vielfältigen Wirkungen. Er hemmt die Proliferation bestimmter hämatopoetischer Tumorzellen, fördert die von T-Zellen sowie von Natural-Killer-(NK)-Zellen vermittelte Immunität, stimuliert die Erythropoese, hemmt die Angiogenese und die Produktion von proinflammatorischen Zytokinen wie TNF-α und Interleukin-6 und -12.


Multiples Myelom

Das multiple Myelom ist ein bösartiger Tumor der B-Lymphozyten und gehört zu den Non-Hodgkin-Lymphomen. Bei den Patienten ist eine Plasmazelle bösartig entartet und vermehrt sich unkontrolliert vor allem im Knochenmark. Proliferieren die Plasmazellen an mehreren Stellen im Skelett, spricht man von einem multiplen Myelom. Ist nur eine Stelle befallen, wird die Krankheit auch als Plasmozytom bezeichnet. Die Wucherungen der Myelomzellen und die Bildung von Paraprotein (M-Protein) führen unter anderem zur Auflösung von Knochensubstanz (Osteolyse), zu Blutbildveränderungen und Schädigung von Organen wie der Niere. Betroffen sind vor allem Menschen jenseits des 65. Lebensjahres. Trotz Chemo- und Strahlentherapie, Stammzelltransplantation sowie Einsatz von Thalidomid und Bortezomib ist die Erkrankung bis heute unheilbar.

 

 


Der Wirkstoff wurde in zwei Hauptstudien an 704 Patienten mit multiplem Myelom untersucht. Diese erhielten Lenalidomid entweder mit Dexamethason oder Placebo nach dem genannten Dosierungsschema. Primärer Endpunkt war die Zeit bis zur Progression. Diese lag bei Patienten in der Kombigruppe bei 48,3 Wochen im Vergleich zu 20,1 Wochen im Placeboarm. In beiden Studien waren die Gesamtansprechraten signifikant höher (60 versus 22 Prozent). 15 Prozent der Patienten in der Kombigruppe erreichten eine komplette und 45 Prozent eine partielle Remission; unter Placebo waren es 2 und 20 Prozent. Nach einem Jahr lebten noch 82 Prozent der Patienten aus der Kombigruppe und 75 Prozent aus der Vergleichsgruppe.

 

Eine Vergleichstudie mit dem 2004 für diese Indikation eingeführten Proteasomen-Inhibitor Bortezomib liegt nicht vor. Sie sollte geplant werden, weil in der SUMMIT-Studie bei den Bortezomib-Patienten bei  28 Prozent eine komplette oder partielle Remission und bei 59 Prozent eine Stabilisierung der Krankheit beobachtet wurde.

 

Die häufigsten Nebenwirkungen waren Neutropenie, Thrombozytopenie und Anämie, Müdigkeit, Asthenie, Obstipation und Diarrhö, Muskelkrämpfe und Hautausschlag. Zudem stieg das Risiko für Thromboembolien und Lungenembolien. Ein teratogener Effekt des Thalidomid-Derivats ist nicht auszuschließen. Daher unterliegt die Anwendung einem strengen Sicherheitsprogramm, an dem auch die Apotheker beteiligt sind . Alle Patienten müssen ein Schwangerschaftsverhütungsprogramm einhalten. Die Apotheke darf nur Rezepte beliefern, die den ärztlichen Vermerk „Sicherheitsbestimmungen gemäß Fachinformation werden eingehalten“ tragen und nicht älter als sieben Tage sind.


Weiterführende Links

FachinformationRevlimid®:

www.celgene.de/Fachkreise/Produkte/downloads/7-Fachinformation-200706.pdf

 

Sicherheitsinformationen für alle Patienten:

www.celgene.de/Fachkreise/Produkte/downloads/2-SicherInfo-fuer-alle-Patienten.pdf

 

Sicherheitsinformationen zur Vermeidung von Schwangerschaften:

www.celgene.de/Fachkreise/Produkte/downloads/3-SicherInfo-Vermeidung-von-Schwangerschaften.pdf

 

Europäischer öffentlicher Beurteilungsbericht Revlimid®:

www.emea.europa.eu/humandocs/PDFs/EPAR/revlimid/H-717-de1.pdf

 

Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels:

www.emea.europa.eu/humandocs/PDFs/EPAR/revlimid/H-717-PI-de.pdf

 

Therapieüberblick Multiples Myelom:

www.krebsinformationsdienst.de/Krebsarten/maligne_lymphome_multiplesmyelom.html


Social Bookmarking: Bookmark setzen bei: Mr. WongBookmark setzen bei: Del.icio.usBookmark setzen bei: FacebookBookmark setzen bei: studiVZ meinVZ schülerVZBookmark setzen bei: DiggBookmark setzen bei: GoogleBookmark setzen bei: YahooBookmark setzen bei: LinkarenaBookmark setzen bei: Favoriten
Zurück Nach oben
Startseite Kontakt Sitemap Impressum