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Wadenkrämpfe: Die optimale Therapie

PHARMAZIE

 
Wadenkrämpfe

Die optimale Therapie


Von Nadine Sander / Wadenkrämpfe sind ein weitverbreitetes Problem und können vor allem in der Nacht sehr störend sein. Die American Academy of Neurology (AAN) hat jetzt eine Zusammenfassung zur optimalen Therapie von Muskelkrämpfen veröffentlicht.

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Als Ursachen kommen verschiedene Erkrankungen wie Tetanus, Myalgie, das Restless-Legs-Syndrom oder periphere arterielle Verschlusskrankheit infrage. Bei diesen sollte zuerst die Grunderkrankung therapiert werden. Außerdem kann es bei Sportlern, speziell Marathonläufern, oder Schwangeren zu einer erhöhten Anzahl an Wadenkrämpfen kommen. Auch Hypomagnesiämie, Hypocalciämie, Hypothyreodismus sowie Nieren- und Leberfunktionsstörungen können der Auslöser sein.




Foto: Pixelio/Arnold


Bereits im Jahr 1994 hat die Food and Drug Administra­tion (FDA) den OTC-Verkauf von Chininsulfat untersagt und im Jahr 2006 vor dem Off-Label-Use bei Waden­kräm­pfen gewarnt. Die Begründung der FDA: Das Mittel kann zwar gegen Wadenkrämpfe helfen, aber das Nebenwir­kungs­potenzial, bestehend aus allergischen Reaktionen, Thrombozytopenie und Herz-Rhythmus-Störungen, ist zu hoch. Zugelassen sind Präparate mit Chininsulfat nur noch für die Malariabehandlung. Wichtig: In Deutschland ist Chininsulfat weiterhin ohne Rezept in der Indikation Wadenkrämpfe erhältlich.

 

Die Studie der AAN (doi: 10.1212/WNL.0b013e3181d0ccca) untersuchte jetzt Veröffentlichungen aus den Jahren zwischen 1950 und 2008, die sich mit der Therapie von Muskelkrämpfen beschäftigten. Die Datenlage ist sehr uneinheitlich. In den verschiedenen Studien halfen sowohl Magnesium als auch Chininsulfat bei Muskelkrämpfen. Aber auch andere Arzneistoffe wie Calciumkanal-Blocker, Vitamin-B-Komplex und Naftidrofuryl zeigten Wirksamkeit. Sie werden nur als dritte Therapieoption empfohlen. Nach den Autoren kann auch eine nicht-medikamentöse Therapie durch Dehnübungen der Wadenmuskeln hilfreich sein.

 

In Deutschland hat die »Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) im Jahr 2008 eine Leitlinie zu Wadenkrämpfen herausgebracht. Nach dieser werden aufgrund des FDA-Beschlusses Chininsulfat und Derivate nur noch als zweite Therapiemöglichkeit (Empfehlungsgrad B) hinter Dehnübungen und Magnesium-Präparaten (Empfehlungsgrad A) aufgeführt. Es braucht jedoch weitere Studien, um zu zeigen, welche Präparate sicher und effektiv in der Therapie sind. / 


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Beitrag erschienen in Ausgabe 27/2010

 

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