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Interview: Qualität als höchstes Ziel

POLITIK

 
Interview

Qualität als höchstes Ziel


PZ / Zum 1. Januar übernimmt ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf für ein Jahr die Präsidentschaft des ZAEU (Zusammenschluss der Apotheker in der Europäischen Union).


PZ: Zum 1. Januar 2011 übernehmen Sie die Präsidentschaft des ZAEU. Welche Aufgaben kommen damit auf Sie zu?




Wir müssen den bereits intensiven Draht gen Europa auch in Zukunft zum Glühen bringen.

Wolf: Der Zusammenschluss der Apotheker in Europa ist das Rückgrat unserer europäischen Interessenvertretung. Ähnlich wie bei meiner Tätigkeit als Präsident der ABDA werde ich mich also für die Anliegen und Interessen der Apothekerschaft einsetzen. Für die Dauer von zwölf Monaten ist das parallel machbar, auch dank der Unterstützung unserer hauptamtlichen ZAEU-Mitarbeiter in Brüssel, unseres Brüsseler ABDA-Teams um Dr. Gobrecht und dank der fachlichen Unterstützung aus dem Deutschen Apothekerhaus. Zweifelsohne ist es auch wichtig für uns Deutsche, den bereits intensiven Draht gen Europa auch in Zukunft zum Glühen zu bringen. Insoweit freue ich mich auf die Herausforderungen und Aufgaben.

 

PZ: Welche Ziele haben Sie sich für Ihre Amtszeit gesetzt?

 

Wolf: Auf dem Weg zu einem gemeinsamen Europa müssen wir darauf achten, dass nicht die niedrigsten Schwellen das Ziel für die Gesundheitsversorgung der Menschen werden. Das bedeutet, gerade in der Gesundheits-, aber eben auch in der Arzneimittelversorgung müssen wir als Ziel ausgeben, die höchsten Benchmarks im Sinne von Best Cases zu definieren. In einem Europa der sehr unterschiedlichen Versorgungssysteme darf der zwanghafte Wille zur Anpassung nicht den Verlust von hohen Qualitätsmaßstäben zur Folge haben. Hier hat nicht nur der Europäische Gerichtshof erkannt und geurteilt, dass deshalb auch die Mitgliedsstaaten selbst entscheiden sollen, wohin sie der Weg führt.

 

Auch wenn ich mir sehr sicher und bewusst bin, dass wir in Deutschland einen sehr hohen Standard verfolgen, ist es aber wichtig, auch den Blick über den Tellerrand zu wagen. Und eben auch dafür zu werben, nicht durch ein ungewolltes Absenken von Standards Versorgung nachhaltig zu verschlechtern.

 

Entscheidend ist es, mit Überzeugungskraft, guten Argumenten und Empathie voranzugehen und möglichst viele Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ländern mitzunehmen. Diese Herausforderung ist angesichts der heterogenen Struktur der Apothekenlandschaft in Europa natürlich reichlich ambitioniert. Aber meine Wahl zeigt auch, dass wir Deutschen in Europa und auch bei den Kolleginnen und Kollegen eben nicht im Ruf stehen, ein schlechtes System zu haben.

 

PZ: Welche Themen bewegen zurzeit die europäischen Apotheker am meisten?

 

Wolf: In ganz Europa stehen die Gesundheitssysteme unter Druck. So, wie die gegenwärtige und anhaltende Wirtschaftskrise vielerorts zu einer Krise des Staatsgebildes und des Sozialstaats mutiert ist, so müssen die Gesellschaften insgesamt anscheinend auch bei den Sozialausgaben sparen. Und nicht wenige kappen bei denjenigen, die Leistungen erbringen, auch bei den Apotheken. Insoweit zeigten auch die jüngste Generalversammlung und die Gespräche am Rande, dass die Finanzierung der apothekerlichen Leistung zum Problem geworden ist. Für einige Länder ist das neu. Der gesundheitspolitische Sparzwang, dem wir in Deutschland seit Jahren ausgesetzt sind, trifft einige Länder mit voller Wucht.

 

Weitere Themen sind natürlich die immer größeren Probleme durch Arzneimittelfälschungen und die schleichende Liberalisierung in der Arzneimittelversorgung und damit der Werteverfall. Das Arzneimittel wird von einigen Staaten als solches in seinen Besonderheiten infrage gestellt. Hier müssen wir europäisch einlenken und wirken. Patienteninformation, Arzneimittelinformation, Werbung, aber auch die europaweit spürbaren Herausforderungen durch den demografischen Wandel machen immer wieder deutlich, dass viele Problemstellungen nicht nationale, sondern europäische Sache sind.

 

PZ: Die Apothekensysteme in Europa unterscheiden sich zum Teil deutlich. Ist es da immer leicht, einen Konsens zwischen den ZAEU-Mitgliedern zu finden?

 

Wolf: In manchen Fragen ist es durchaus leicht, einen Konsens herbeizuführen. Und auch wenn die Systeme angesichts politischer oder gesellschaftlicher Rahmenbedingungen verschieden anmuten, so eint die Apothekerinnen und Apotheker am Ende immer die Pharmazie. Nicht wenige glauben, sie hätten den Goldstandard für sich gepachtet. Da entstehen oft Debatten um den besten Weg. Ich denke, das müssen und werden wir aushalten. In Deutschland machen wir täglich föderal geprägte Erfahrungen. Das kommt mir persönlich jedenfalls bei meiner Funktion in der ZAEU-Spitze durchaus zugute.

 

PZ: Welche Gestaltungsmöglichkeiten haben Sie als Präsident?

 

Wolf: Der Präsident steht an der Spitze und ist Teil des Exekutivkomitees. Es geht nicht darum, seine persönlichen Meinungen und Anliegen in die Welt zu tragen, sondern im Sinne eines Sprechers und Moderators zu wirken. Die heterogene Struktur unseres europäischen Verbandes und die vielfältigen Interessen seiner Mitglieder verlangen nach Moderation und Ausgleich für die Unersetzbarkeit der Apotheke bei der Arzneimittelversorgung. So wirkt unser Exekutivkomitee – und so wirke ich als Präsident.

 

PZ: Wenn ie in andere europäische Länder blicken. Von welchen Apothekensystemen können wir in Deutschland noch lernen?

 

Wolf: Natürlich können wir immer noch von vielen lernen. Es gibt in einigen Systemen durchaus spannende Themen, insbesondere dann, wenn es um eine Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Leistungserbringern geht. Und auch die Überwindung der Grenzziehungen zwischen stationärer und ambulanter Versorgung beschäftigt uns natürlich. Trotzdem: Wenn ich mich heute und hier für ein System entscheiden müsste, dann bliebe ich ohne jeden Zweifel bei unserem. Das liegt mitunter weniger an der zuweilen anstrengenden Gesundheitspolitik, am Hin und Her mit den Kassen, sondern vielmehr an der Qualität unseres Systems. Denn auch die Diskussionen innerhalb der ZAEU zeugen davon, dass wir – aus Apotheken- und auch aus Patientensicht – hierzulande immer noch sehr gut aufgestellt sind. /


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Beitrag erschienen in Ausgabe 25/2010

 

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