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Onkologie: Naturheilkunde auf dem Prüfstand

PHARMAZIE

 
Onkologie

Naturheilkunde auf dem Prüfstand

Von Annette Junker, Chicago

 

Beim weltweit größten Krebskongress, dem Jahrestreffen der Amerikanischen Gesellschaft für klinische Onkologie (ASCO), präsentierten Forscher zwei Studien mit Nahrungsergänzungsmitteln, die auf Hilfe für Krebspatienten hoffen lassen. Dagegen versprach die Einnahme von Haifischknorpelextrakt keinen Nutzen.

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Präparate aus Ginseng-Wurzel kommen häufig als Tonikum und Geriatrikum zum Einsatz. Sie sollen der Altersdemenz vorbeugen, sich positiv auf Konzentration und Hirnleistung auswirken und eine kräftigende Funktion bei Müdigkeits- und Schwächegefühlen sowie Stress ausüben. Neben dem bekannteren asiatischen findet auch der amerikanische Ginseng pharmazeutische Verwendung.

 

Fatigue, eine allgemeine Erschöpfungssymptomatik, ist bei Krebspatienten eines der häufigsten Symptome. Eine beim ASCO-Kongress vorgestellte Studie überprüfte die Wirkung von drei verschiedenen Dosen des amerikanischen Ginsengs auf die durch Krebs hervorgerufene Fatigue.

 

Dafür randomisierten Debra Barton und ihre Kollegen von der Mayo-Klinik in Rochester insgesamt 282 Patienten mit unterschiedlichen Tumoren und einer verbleibenden Lebenserwartung von circa sechs Monaten, die schon seit einem Monat unter Fatigue litten. Die Testpersonen erhielten acht Wochen lang entweder Placebo oder aber 750, 1000 oder 2000 mg amerikanischen Ginseng-Extrakt pro Tag. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Präparate in den beiden höheren Dosierungen therapeutisch wirksam sind. Hier berichteten 25 beziehungsweise 27 Prozent der Patienten von einer Besserung der Fatigue. Jeweils ein Drittel erklärte sich mit der Therapie zufrieden. Hingegen zeigten sich kaum Unterschiede zwischen Ginseng in einer Dosis von 750 mg und Placebo. Unerwünschte Nebenwirkungen traten in keiner der Gruppen auf.

 

Leinsamen bei Prostatakrebs

 

Leinsamen sind reich an Omega-3-Fettsäuren, die zelluläre Signalwege zu beeinflussen und das Zellwachstum zu reduzieren scheinen. Zudem enthalten die Samen eine große Menge Lignane. Diese binden an Hormone wie Testosteron und Estrogen und blockieren teilweise deren krebsfördernde Wirkung. Darüber hinaus belegen Untersuchungen, dass Lignane das Wachstum von Prostatakarzinomzellen hemmen und bei Mäusen mit Prostatakrebs die Tumorgröße verringern.

 

Die Phase-II-Studie, die Wendy Demark-Wahnefried und ihre Kollegen von der Duke-Universität in Durham, North Carolina, vorstellten, überprüfte neben dem Nutzen der Leinsamen auch den einer fettarmen Diät. An der Studie nahmen 161 Männer mit Prostatakrebs teil, die wenige Wochen vor einer Prostatektomie standen. Sie wurden in vier Gruppen unterteilt und ernährten sich ihren üblichen Gewohnheiten entsprechend weiter, bekamen dazu 30 g Leinsamen am Tag, ernährten sich fettreduziert (weniger als 20 Prozent Fettanteil an der gesamten Kalorienzufuhr) bekamen Leinsamen und reduzierten zusätzlich den Fettanteil der Nahrung.

 

Im Mittel kam es nach 30 Tagen zur Prostatektomie und der Analyse des entfernten Tumorgewebes. Als Endpunkt der Studie diente die Proliferationsrate. Sie bezeichnet das Verhältnis von Krebszellen, die sich aktiv teilen, gegenüber denen, die sich nicht teilen. Die Werte zeigen, dass die Krebszellen in den beiden mit Leinsamen behandelten Gruppen deutlich langsamer wuchsen als in den zwei anderen. Der Nutzen einer alleinigen fettreduzierten Diät erwies sich dagegen als gering. Beide Therapiemöglichkeiten wurden gut vertragen. Die Forscher planen entsprechende Untersuchungen an Männern, die nicht operiert, sondern zum Beispiel wegen eines hohen PSA-Wertes zunächst nur beobachtet werden sollen.

 

Haifischknorpel negativ bewertet

 

Nichtkleinzellige Bronchialkarzinome (Non-Small Cell Lung Cancer, NSCLC) machen fast 80 Prozent aller Bronchialkarzinome aus und werden meist mit Kombinationen aus Chemo- und Radiotherapie behandelt. Haifischknorpelextrakte werden seit einiger Zeit als alternative Krebstherapie vermarktet. Angeblich sollen sie die Tumorangiogenese hemmen. Doch in früheren Untersuchungen konnten unterschiedliche Produkte keinen Vorteil für die Patienten zeigen. In der Studie, die Charles Lu und seine Kollegen vom M.-D.-Andersen-Cancer-Center in Houston präsentierten, bekamen 384 NSCLC-Patienten in 53 US-amerikanischen und kanadischen Zentren zusätzlich zur Standardtherapie entweder den Haifischknorpelextrakt AE-941 oder Placebo. Nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 3,7 Jahren ließ sich im Hinblick auf das Gesamtüberleben kein Unterschied feststellen (14,4 Monate in der Haifischknorpelgruppe gegenüber 15,6 Monaten im Placeboarm). Demnach erscheint eine zusätzliche Gabe von Haifischknorpelextrakt zur Standardtherapie überflüssig. Das Resultat zeigt auch, wie wichtig es ist, die Vielzahl der alternativen Tumortherapien einer strengen wissenschaftlichen Prüfung zu unterziehen.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 30/2007

 

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