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Dengue: Impfstoffe fieberhaft gesucht

MEDIZIN

 
Dengue

Impfstoffe fieberhaft gesucht


Von Daniela Biermann / Dengue-Fieber ist eine tropische Erkrankung, die tödlich ausgehen kann. Vor allem Kinder sind betroffen. Verschiedene Firmen und Institute forschen an Impfstoffen. In ein paar Jahren könnten die Vakzinen auf den Markt kommen.

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Dengue ist in den Tropen weit verbreitet, vor allem in Südostasien, Indien sowie Mittel- und Südamerika. Anders als Malaria kommt Dengue auch in städtischen Gebieten häufig vor, zum Beispiel im Stadtstaat Singapur. Überträger des Erregers ist die Tigermücke Aedes aegypti, aber auch Aedes albopticus kann das Virus weitergeben. Im Gegensatz zu Malaria-übertragenden Moskitos stechen die Aedes-Arten nur tagsüber. Die Mücken nisten überall, wo sich Wasser sammeln kann, vor allem in Wassertanks, Autoreifen, Blumentöpfen und Plastikflaschen.




Anders als bei Malaria kann Dengue auch in städtischen Gebieten im tropischen Raum vorkommen. Die Flavivirus-Infektion ist vor allem für Kinder gefährlich.

Foto: WHO/Virot



Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation ist der Erreger in mehr als 100 Ländern endemisch. 2,5 Milliarden Menschen, also 40 Prozent der Weltbevölkerung, sind einer möglichen Infektion ausgesetzt. Weltweit treten geschätzte 50 Millionen Fälle auf. Oft wird die Erkrankung jedoch nicht erkannt. Bei drei von vier Infizierten verläuft Dengue asymptomatisch. In ihrer milden Form äußert sich Dengue mit grippeähnlichen Symptomen. Typisch sind plötzlich auftretendes hohes Fieber, das drei bis sieben Tage anhält, intensive Kopfschmerzen, Schmerzen hinter den Augen sowie Muskel- und Gelenkschmerzen. Oft tritt ein charakteristischer Ausschlag auf. In dieser leichten Form heilt die Krankheit in der Regel von selbst aus. Einzige, aber wichtige Therapiemöglichkeiten sind die Rehydratation und Fiebersenkung mit Paracetamol. Acetylsalicylsäure und andere Blut verdünnende nicht steroidale Antirheumatika sind kontraindiziert.

 

Denn es können gefährliche Komplikationen auftreten: Die Zahl der Blutplättchen sinkt, es kommt zu hämorrhagischem Fieber (DHF) bis hin zum Schocksyndrom. Dabei können Blutungen unter der Haut, dem Zahnfleisch und aus der Nase, aber auch im Magen-Darm-Trakt auftreten. In diesen Fällen kann eine Dengue-Infektion tödlich ausgehen. Von den Patienten, die hämorrhagisches Fieber entwickeln, stirbt etwa jeder fünfte. Vor allem Kinder sind gefährdet. In einigen asiatischen Ländern ist Dengue sogar der Hauptgrund für Kindersterblichkeit.

 

Das Dengue-Virus gehört wie die Erreger von Gelbfieber und Japanischer Enzephalitis zu den Flaviviren. Es treten vier Serotypen auf. Die einmalige Infektion bietet nur Schutz gegen eine erneute Infektion mit demselben Subtyp. Das bereitet den Impfstoffentwicklern Schwierigkeiten. Obwohl weltweit intensiv geforscht wird, steht noch keine wirksame Vakzine zur Verfügung. Am Klinikum der National University of Singapore leitet Dr. Annelies Wilder-Smith eine Phase-IIb-Studie mit einem Impfstoffkandidaten von Sanofi-Pasteur. »Wir bekommen täglich Dengue-Fieber-Fälle zu sehen«, sagte Wilder-Smith während des Nordeuropäischen Reisemedizin-Kongresses in Hamburg. »Dengue ist auch ein häufiger Grund für Krankenhausaufenthalte von Reisenden.« Schätzungen zufolge erkranken etwa 3 Prozent der Reisenden nach einem einmonatigen Aufenthalt in einem endemischen Land.

 

Vierfacher Schutz gesucht

 

Gesucht wird nach einer tetravalenten Impfung, die gegen alle vier Serotypen schützt. Problematisch sei jedoch, die einzelnen Komponenten zusammenzubringen. Verschiedene Ansätze wie vektor- oder DNA-basierte Impfstoffe befinden sich noch im präklinischen Stadium. Am weitesten in der Entwicklung sind zwei attenuierte Lebendimpfstoffe von Sanofi-Pasteur und Glaxo-Smith-Kline (GSK). GSK testet derzeit ein zweimaliges Impfschema in Phase II. Ein Adjuvanz soll die zelluläre Immunantwort unterstützen. Sanofi-Pasteurs Vakzine kommt ohne Adjuvanz aus. Die Impfung enthält ein abgeschwächtes, rekombinantes Virus, das Anteile des Gelbfieber-Erregers enthält. Dieser diente den Impfstoffdesignern als Vorbild. Eine Kreuzprotektivität gegen Gelbfieber bietet er allerdings nicht. Das derzeitige Impfschema sieht drei Immunisierungen über ein Jahr vor. In einer kleineren Studie in den USA trat bei den Dengue-naiven Probanden eine hundertprozentige Serokonversion ein. Seit April 2009 läuft die Studie in Singapur, an der 1200 Probanden entweder gegen Dengue oder in der Kontrollgruppe gegen Influenza geimpft werden. »Bislang erweist sich die Impfung als sehr gut verträglich«, berichtet Wilder-Smith. Schwere Nebenwirkungen wie bei Gelbfieber-Impfungen traten bislang nicht auf. Vor 2015 sei jedoch nicht mit einem Impfstoff für die einheimische Bevölkerung zu rechnen.

 

Die Pädiatrische Dengue-Vakzin-Initiative (www.pdvi.org) mit Sitz im südkoreanischen Seoul fördert Produktentwicklungspartnerschaften zwischen Instituten, Stiftungen und der Pharmaindustrie. Nach ihren Informationen könnten die beiden derzeitigen Phase-II-Impfstoffe bereits 2014 eine Lizenz erhalten. Bis 2013 sollen fünf weitere Impfstoffe die Phase II abgeschlossen haben, darunter eine Subunit-Vakzine mit Antigenen für zwei virusspezifische Proteine. /


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Beitrag erschienen in Ausgabe 23/2010

 

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