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200 Jahre Organon: Die Bibel der Homöopathie

MAGAZIN

 
200 Jahre Organon

Die Bibel der Homöopathie


Von Brigitte M. Gensthaler, Ingolstadt / Ein Meilenstein in der Entwicklung der Homöopathie, das Organon der rationellen Heilkunde, steht im Mittelpunkt der neuen Sonderausstellung im Deutschen Medizinhistorischen Museum in Ingolstadt. Vor 200 Jahren erschien die Originalausgabe.

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»Das Organon bildete den Pfeiler der neuen Heilkunde«, erklärt Museumsdirektorin Privatdozentin Dr. Marion Maria Ruisinger die herausragende Bedeutung des Werks, das in einer Säulenvitrine auf rotem Samt präsentiert wird. Der Arzt Dr. Samuel Hahnemann überarbeitete das Organon mehrmals.




Organon, 1. Auflage von 1810
links von oben: Pflanzliche und tierische Arzneistoffe aus Hahnemanns Zeit (Schwamm, Canthariden, Chinarinde), Chamomilla, sowie die »Alte Anatomie« mit Arzneipflanzengarten

Fotos: Deutsches Medizinhistorisches Museum/Ausstellungskatalog


Die sechste und letzte Fassung, die er 1842 abschloss, bildet heute noch die Grundlage der Homöopathie und der Ausbildung homöo­pathisch tätiger Ärzte. In der Ausstellung werden neben dem Erstlingswerk auch die zweite Auflage sowie Originalbriefe aus der Korrespondenz Hahnemanns mit seinen Patienten gezeigt. Sie geben einen Einblick in die Frühzeit der homöopathischen Behandlung und den hohen Anspruch des Arztes.

 

Dem Organon von 1810 gingen berühmte Ver­öffentlichungen Hahnemanns voraus, so die Be­schreibung des Chinarindenversuchs, der ihn auf die Idee der Ähnlichkeitsregel brachte. 1796 veröffentlichte er das Simile-Prinzip in Hufelands Journal. Diese und weitere Schrift­stücke, unter anderem die Dissertation, bele­gen den Erkenntnisweg, den Hahnemann von der Medizin seiner Zeit, mit der er hervorra­gend vertraut war, bis zu seiner neuen Heil­kunde zurücklegte. Die Originalpublikationen sind in dieser Vollständigkeit selten zu sehen.



Mohnhäupter und Opium aus Thyatira, Goldsand aus dem Rhein, China Cortex convoluta, Moschus Nepaulensis, Rindsleder und vieles andere: Die Materia medica wird die Apotheker besonders erfreuen. Viele Arzneistoffe der Homöopathie werden im Original gezeigt. »Dabei handelt es sich großteils um Apothekerware von 1830/40, so wie Hahnemann sie damals in den Apotheken kaufen konnte«, erklärt Ruisinger im Gespräch mit der PZ. Textbänder informieren detailliert über alle Stoffe. Stolz weist die Museumsdirektorin auch auf die Vitrinen mit den schlichten bis kunstvoll verzierten Haus-, Taschen- und Reiseapotheken hin. Erstmals werde der gesamte Bestand an homöopathischen Apotheken aus der Sammlung des Museums gezeigt.



Unbedingt lohnt sich ein Spaziergang durch den Garten des Museums. 30 Pflanzen sind hier mit transparenten Rosenkugeln, »beschrifteten Globuli«, gekennzeichnet. Bei Gartenführungen und dem Sommerkonzert am 30. Juni sind die Pflanzen die Stars der Ausstellung.

 

Die Schau beantwortet viele Fragen rund um die Homöopathie – aber nicht die Frage, ob sie wirklich wirkt. »Wir haben keinen missionarischen Auftrag, sondern beleuchten den Entstehungskontext dieser Heilkunde«, erklärt Ruisinger. »Mit fundierten historischen Informationen wollen wir dem Halbwissen entgegentreten, aber wir bewerten nicht, ob die Methode wirkt.« Darüber könnten sich die Experten bei einem Symposium der Hahnemann-Gesellschaft im Herbst austauschen. /



Homöopathie: 200 Jahre Organon

Ausstellung vom 13. Mai bis 17. Oktober

Deutsches Medizinhistorisches Museum

Anatomiestraße 18-20

85049 Ingolstadt

 

Öffnungszeiten:

Di bis So 10-17 Uhr

Sonderöffnungen von 18-21 Uhr an den Mittwochsterminen der Gartenführungen

nähere Informationen: Telefon 0841 305-2860

dmm(at)ingolstadt.de

www.dmm-ingolstadt.de

 


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Beitrag erschienen in Ausgabe 22/2010

 

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