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Hautalterung: Nikotin und UV-Licht meiden

PHARMAZIE

 
Hautalterung

Nikotin und UV-Licht meiden


Von Susanne Topf und Volker Steinhaus / Die Alterung der Haut ist ein komplexer Vorgang, der nach dem derzeitigen Stand der Forschung nicht aufgehalten werden kann. Durch konsequenten Hautschutz gegenüber Umweltnoxen, einen gesunden Lebensstil, eine angemessene und jahreszeitlich optimierte Hautpflege sowie durch gezielte Anwendung von Wirkstoffcremes lässt sich die Oberflächenstruktur der Haut jedoch unter Umständen optisch verjüngen.

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Im Rahmen der Alterung kommt es zu ausgeprägten strukturellen Veränderungen der Haut. Sie spielen sich auf zellulärer und nichtzellulärer Ebene ab, erfassen alle Schichten der Haut und sind sowohl mikro- als auch makromorphologisch sichtbar (Abbildung 1). Die Epidermis (Oberhaut) wird dünn, die Dermis (Lederhaut) unterliegt massiven Veränderungen im elastischen und kollagenen Fasergerüst und die Subkutis (Unterhautfettgewebe) verliert Volumen.



Hinzu kommen funktionelle und immunologische Defizite, die die Haut trockener, verletzbarer und krebsanfälliger machen. Es gibt vier Dimensionen des Alters, die alle in teils komplexen Beziehungen zueinander stehen: Das kalendarische, das optische, das biologische und das gefühlte Alter. Im Folgenden geht es primär um das optische Alter.

 

Hautalterung ist ein dynamischer Prozess, der etwa in der Mitte der dritten Lebensdekade einsetzt. Man unterscheidet die intrinsische beziehungsweise chronologische Hautalterung in zeitlebens sonnengeschützten Regionen, die relativ homogen verläuft, von der mehr heterogen verlaufenden, extrinsischen Hautalterung in lichtexponierten Regionen, in denen die intrinsische Alterung durch UV-Lichtschäden (Photodamage) überlagert wird (zum Beispiel Gesicht und Handrücken).




Abbildung 1: Junge Haut (30-jährige Patientin) und alte Haut (90-jährige Patientin) im makro- und mikroskopischen Vergleich. Die Strukturveränderungen, die im Laufe von 60 Jahren entstehen, sind sowohl mit dem bloßen Auge als auch mit dem Mikroskop deutlich zu erkennen.


Die Altershaut weist ein charakteristisches Erscheinungsbild auf, das je nach Mischungsverhältnis der intrinsischen, extrinsischen beziehungsweise mimischen Einflüsse durch feine Falten, grobe Falten, Atrophie, Teleangiektasien und Pigmentverschiebungen gekennzeichnet ist (Abbildung 2).

 

Intrinsische Alterung

 

Intrinsische Hautalterung ist die Folge des Ablaufens der biologischen Uhr. Durch die sich mit jeder Zellteilung verkürzenden Endkappen der Chromosomen (Telomere) ist die Zellteilung endlich. Je nach Spezies läuft die biologische Uhr unterschiedlich schnell ab: Zum Beispiel wird die Maus etwa vier, der Elephant etwa 60, der Mensch etwa 100 und die Schildkröte etwa 150 Jahre alt.




Abbildung 2: Die typischen Zeichen der Hautalterung sind feine und grobe Faltenbildung, Atrophie (Verdünnung der Haut), vermehrtes Auftreten kleiner Gefäße (Teleangiektasien) sowie Pigmentverschiebungen mit heterogener Verteilung des Pigments. Während Atrophie und feine Faltenbildung überwiegend der intrinsischen Hautalterung zugerechnet werden, sind die grobe Faltenbildung, das Auftreten vermehrter Gefäße sowie Pigmentverschiebungen überwiegend der extrinsischen zuzurechnen.

Von oben nach unten:
feine Falten
grobe Falten
Atropie
Gefäße
Pigmentverschiebungen


Hinzu kommen eine durch oxidativen Stress verursachte Akkumulation von Sauerstoffradikalen, hormonelle Defizite, verminderte Drüsenaktivi­täten (zum Beispiel Abnahme der Talgproduktion). Hinzu kommen außerdem strukturelle und funktio­nelle Veränderungen der elastischen und kollagenen Fasern in der Dermis mit Folgen wie etwa Fragilitäten von Blutgefäßen, schleichende und bis­her kaum verstandene entzündliche Veränderungen sowie eine Abnahme der immunologischen Kompetenz. Hierbei ist nicht immer klar, was Ursache und was Folge der Alterung ist. So wissen wir beispielsweise nicht, ob sinkende Hormonspiegel Mitverursacher oder Folge der Alterung sind.

 

Extrinsische Alterung

 

Extrinische Hautalterung ist Folge einer Exposition der Haut mit UV-Strahlen. Je nach Strahlenqualität (UV-A oder UV-B), Strahlenintensi­tät, Zeitdauer der Strahleneinwirkung sowie dem individuellen Hauttyp (Hauttyp I extrem hohe, Hauttyp VI fehlende UV-Lichtempfindlichkeit) sind die schädigenden Wirkungen der UV-Strahlen unterschiedlich ausgeprägt.

 

Für die extrinsische Hautalterung ist überwiegend die UV-A-Strahlung verantwortlich, die gegenüber der UV-B-Strahlung längerwellig ist und tiefer in die Haut eindringt. Dies führt zur Aktivierung von Transkriptionsfaktoren wie AP-1 mit der Folge einer Aktivitätssteigerung von Metalloproteinasen. Dies sind Enzyme, die Kollagen in der Dermis zerstören und dadurch zur Bildung von Falten und anderen Strukturveränderungen beitragen. Es entsteht eine Narbe im Bindegewebe (solar scar). Auch durch Zigarettenrauch werden die Metalloproteinasen aktiviert, – ein Grund für die schnellere Hautalterung bei Rauchern. Zusammenfassend kommt es durch intrinische und extrinsische Einflüsse zu einer Anhäufung von Struktur- und Funktionsverlusten, in deren Folge die Haut biologisch und optisch altert. Auch wenn Alterungsvorgänge prinzipiell an allen menschlichen Organen ablaufen, sind sie an der Haut besonders deutlich sichtbar.

 

Behandlung unterschiedlich erfolgreich

 

Die nichtoperativen Behandlungsmöglichkeiten zur optischen Verjüngung der Haut beziehungsweise zur Verlangsamung der Hautalterung sind vielfältig und variieren in ihrer Wirkungsstärke erheblich. Alle Ansätze müssen individuell gestaltet werden. Vier unterschiedliche Vorgehensweisen stehen zur Verfügung, die auch beliebig kombiniert werden können:

 

Volumensubstitution (Filler),
chemische Denervation (Bot),
Oberflächenmodulation (Peeling, Laser),
Schutz, Behandlung, Aktivierung und Pflege der Haut durch Topika: UV-Filter, Retinoide, Vitamine und andere Antioxidanzien sowie antioxidativ wirkende Botanicals, Gewebeaktivatoren der Zellen von Epidermis und Dermis sowie Stoffe, die Abläufe in der extrazellulären Matrix optimieren und die Integrität des Stratum corneum sicher stellen.

 

Ideale Topika zur Verjüngung der Haut sollten eine verträgliche Galenik haben sowie möglichst silikon- und duftstofffrei (dadurch frauen- und männerkompatibel) sein. Sie sollten Vitamin A, C, E, B3 (Nicotinamid), Antioxidanzien inclusive Q10 und weitere antioxidativ wirkende Botanicals enthalten. Empfehlenswert sind außerdem Gewebeaktivatoren für elastische und kollagene Fasern, hautberuhigende und hautglättende Inhaltstoffe sowie Feuchthaltefaktoren wie Panthenol, Sheabutter, lösliches Kollagen, Hyaluronsäurederivate oder Glycerin.

 

Mattierer und Pigmentregulierer können die Ansammlung von Wirkstoffen und Feuchthaltefaktoren abrunden, da sie die Haut homogener erscheinen lassen und dadurch zusätzlich optisch verjüngen.

 

Tretinoin fördert Kollagensynthese

 

Der am besten untersuchte lokale Wirkstoff zur Verjüngung der Haut ist die Vitamin-A-Säure (Tretinoin). In einer Konzentration von 0,05 Prozent, langsam einschleichend appliziert (am besten abends), hemmt diese Substanz die Bildung des Transkriptionsfaktors AP-1 und kann dadurch indirekt die Kollagensynthese fördern, das heißt kleine Falten reduzieren.

 

Besonders wichtig für die Pflege der älter werdenden Haut – und damit möglicherweise auch für die optische Verjüngung der Haut – ist die Stabilisierung der Hornhautfunktion und die Sicherstellung einer epidermalen Balance. Diese Faktoren werden häufig unterbewertet. Am besten gelingt die Sicherstellung der epidermalen Balance durch Cocktails aus freien Aminosäuren, Elektrolyten und Harnstoff. Diese Substanzen sind auch wesentliche Bestandteile des Natural Moisturizing Factors (NMF) der Epidermis. Zusätzlich können die oben aufgeführten Feuchthaltefaktoren verwendet werden. /


Leitlinie: Das hilft wirklich

PZ / Die Gesellschaft für Dermopharmazie erstellte kürzlich eine Leitlinie über Dermokosmetika gegen Hautalterung, in der Erkenntnisse zur Wirksamkeit einzelner Anti-Aging-Substanzen aufgelistet sind (siehe dazu Dermopharmazie: Präparate auf dem Prüfstand, PZ 13/2010). Danach gelten lediglich fünf Wirkstoffe oder Wirkstoffgruppen uneingeschränkt als empfehlenswert, da sie in placebokontrollierten Doppelblindstudien an menschlicher Haut getestet wurden. Die fünf Wirkstoffe dieser Kategorie 1a sind: Vitamin A, Vitamin-A-Derivate wie Retinol und Retinaldehyd, Vitamin C, Alpha-Liponsäure sowie bestimmte Aminosäureketten, insbesondere Pentapeptide. Zwar nicht durch placebokontrollierte Doppelblindstudien, aber immerhin durch objektivierbare Messmethoden am Menschen bestätigt, ist die Wirksamkeit der Substanzen der Kategorie 1b. Dazu gehören Vitamin E und dessen Abkömmlinge, Vitamin B3, Dimethylaminoethanol, Phytohormone wie Isoflavone und Lignane sowie auch Hyaluronsäure.


Für die Verfasser:

Dr. Susanne Topf

Dermatologikum Hamburg

Professor Dr. Steinkraus und Partner

Drehbahn 1-3

20354 Hamburg


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Beitrag erschienen in Ausgabe 19/2010

 

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