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Umckaloabo: Schwabe verzichtet auf Patente

WIRTSCHAFT UND HANDEL

 
Umckaloabo

Schwabe verzichtet auf Patente


Von Daniela Biermann, Berlin / Das Pharmaunternehmen Dr. Willmar Schwabe verzichtet in Zukunft auf fünf von sieben Patenten zur Herstellung des pflanzlichen Erkältungsmittels Umckaloabo. Die Zulassung und Marktverfügbarkeit des Präparats bleiben davon unberührt. Die Firma setzt nun auf die Macht der Marke und ihr nachhaltiges Image.

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Mit dem Verzicht auf verschiedene Herstellungspatente will Schwabe sich vor allem vom Vorwurf der Biopiraterie befreien. So hatte die Firma vor einigen Jahren ein Patent zum Extraktionsverfahren der Kapland-Pelargonie eingereicht. Dagegen hatten eine südafrikanische Gemeinde und mehrere Hilfsorganisationen vor dem Europäischen Patentamt geklagt. Das Patent verstoße gegen die guten Sitten, indem es traditionelles Wissen südafrikanischer Gemeinden monopolisiere. Diesem Vorwurf stimmte das Patentamt nicht zu, sah jedoch keine wesentliche erfinderische Leistung im Extraktionsverfahren, wie es vergangene Woche in einer schriftlichen Stellungnahme noch einmal mitteilte.




Die Nutzung der Kapland-Pelargonie zur Herstellung des Erkältungsmittels Umckaloabo basiert auf dem traditionellen Wissen lokaler Gemeinden in Südafrika.

Foto: Schwabe


Schwabe hatte zu jeder Zeit betont, dass das Patent ethisch und patent­rechtlich korrekt sei. »Wir haben uns an nationales und internationales Recht gehalten«, sagte Dr. Traugott Ullrich, Geschäftsführer des Tochterunter­nehmens Spitzner. Die Firma befinde sich jedoch im Spannungsfeld zwischen internationalem Patentrecht und dem Übereinkommen über die biologische Vielfalt der Vereinten Nationen (CBD), die sich teilweise widersprechen.

 

Schwabe hat sich nun entschlossen, keinen Widerspruch beim europäischen Patentamt einzulegen und auf vier weitere bestehende oder beantragte Patente zu verzichten. »Wir nehmen die Diskussion um unser Produkt sehr ernst«, sagte Ullrich. »In Zukunft werden wir uns noch mehr an der Biodiversitätskonvention orientieren.« Diese sieht unter anderem die Beteiligung der lokalen Gemeinden Südafrikas am Gewinn vor, auf deren traditionellen Wissen die Nutzung der Pelargonie fußt.

 

Schwabe will sich neben sogenannten Benefit-Sharing-Abkommen in Zukunft noch mehr im sozialen Bereich engagieren, und zwar in Form einer neu gegründeten Stiftung. Als erstes Projekt soll mit einer Million Euro ein Pfadfinderzentrum in der östlichen Provinz Mpumalanga gebaut werden. Schwabe will jedoch nicht als einmaliger Geldgeber auftreten, sondern sein soziales Engagement in Südafrika dauerhaft ausweiten.

 

Gleichzeitig betonten die Firmenvertreter, dass der Patentverzicht die Verkehrsfähigkeit von Umckaloabo in keiner Weise berühre. Das Präparat sei in dieser Form seit 30 Jahren auf dem deutschen Markt etabliert und die Wirkung durch zahlreiche Studien belegt. Eine Hürde für Nachahmer sei die Zulassung als Arzneimittel. »Wir erwarten keine Umsatzrückgänge«, sagte Ullrich. »Die Kunden honorieren unser verantwortungsbewusstes Handeln.« Dank der starken Markenposition habe man keine Angst vor Nachahmern. Nach eigenen Angaben erzielt Schwabe jährlich etwa 40 Millionen Euro Bruttoumsatz mit Umckaloabo.

 

Zwei Patente bleiben

 

»Um die Verwertungsrechte für die eigenen Forschungsarbeiten zu sichern, sind und bleiben Patente für uns ein unverzichtbares Mittel«, sagte Dr. Dirk Reischig, Vorsitzender Geschäftsführer bei Schwabe. So schützen die verbleibenden zwei Patente die Stabilisierung der flüssigen Darreichungsform un die Herstellung eines speziellen Trockenextrakts. Aus Firmensicht handelt es sich hierbei um technisches Know-how und damit eine erfinderische Eigenleistung.

 

Sowohl der Erhaltung der Wildbestände der Pflanze als auch der nachhaltigen Förderung des Entwicklungslandes sieht sich das Familienunternehmen jedoch verpflichtet. So arbeitet das Unternehmen mit lokalen Behörden und Organisationen an der Überwachung der Bestände, bildet Sammler aus und engagiert sich beispielsweise in der Gesundheitserziehung. Ullrich kann sich sogar vorstellen, dass demnächst die Werbe- und Dekorationsmaterialien für deutsche Apotheken von südafrikanischen Jugendlichen hergestellt werden, um ihnen eine Ausbildung und ein faires Einkommen zu ermöglichen. / 


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Beitrag erschienen in Ausgabe 17/2010

 

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