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Schwarzer Hautkrebs: Schattenseite der Sonne

PHARMAZIE

 
Schwarzer Hautkrebs

Schattenseite der Sonne


Von Bettina Sauer, Berlin / Warnung vor der Sonne: Vergangene Woche informierten wir über den hellen Hautkrebs, nun folgt der schwarze. Dieser kann sehr gefährlich werden, und die Neuerkrankungsraten steigen. Daher empfehlen Hautärzte guten Sonnenschutz und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen.

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Heimtückisch und hartnäckig. So könnte man den schwarzen Hautkrebs umschreiben, an dem Dr. Dieter Nieveling erkrankte. »Der Tumor wuchs versteckt unter dem Nagel an meinem linken großen Zeh«, berichtete der Arzt im Ruhestand vergangene Woche bei einer Pressekonferenz in seiner Heimatstadt Berlin.




Das NASA-Satellitenfoto dokumentiert die Größe des Ozonlochs über der Antarktis: Je dunkler das Blau, desto dünner die Ozonschicht. Die Ausdünnung ist maßgeblich an der Entstehung von Hautkrebs beteiligt.

Foto: NASA


Eingeladen hatten die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) und der Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD). Anlass war die Euro-Melanoma-Woche vom 3. bis 8. Mai, eine europäische Aufklärungskampagne zum schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom). »Erst weil der Nagel nässte, bemerkte ich 2001, dass etwas nicht stimmt. Ich versuchte, typisch Arzt, eine Selbstbehandlung, ging dann aber doch zu einem Kollegen.« Da war der Tumor schon so groß wie ein Reiskorn, und die Ärzte mussten den Zeh sicherheitshalber amputieren. Zudem entfernten sie die Lymphknoten in der unteren Körperhälfte. Trotz dieser drastischen Therapie entwickelte sich im Folgejahr eine Metastase, die sich als Beule über dem Knie bemerkbar machte und operativ entfernen ließ. »Dieses Spiel wiederholte sich 2003 und 2004 noch zweimal«, sagte Nieveling. »Aber seitdem ist Ruhe. Damit bleibe ich zwar ein Risikopatient, aber mit einer guten Prognose.« Mit seinem Bericht möchte Nieveling anderen Patienten Mut machen, die an schwarzem Hautkrebs leiden – und alle Gesunden warnen, die Krankheit nicht zu unterschätzen.

 

Gefahr: helle Haut und Muttermale

 

Bei dieser Krankheit kommt es zu bösartigen Erbgut-Veränderungen von Pigmentzellen (Melanozyten). Oft entwickeln sich die Tumoren aus Muttermalen (Nävi), die immer mehr in die Breite und in die Tiefe wuchern und sehr früh Metastasen bilden. »Derzeit erhalten hierzulande pro Jahr knapp 22 000 Menschen die Diagnose«, sagte Professor Dr. Rudolf Stadler, Generalsekretär der DDG. »Die Zahl der Neuerkrankungen steigt seit etwa zwei Jahrzehnten kontinuierlich, und zwar deutschland- und weltweit.« Das lasse sich unter anderem auf die Ausdünnung der Ozonschicht und eine Zunahme der Freizeitaktivitäten in der Sonne zurückführen: »Denn UV-Strahlen aus dem Sonnenlicht oder Solarium stellen die Hauptursache für schwarzen Hautkrebs dar, insbesondere schwere Sonnenbrände in der Kindheit und Jugend.« Entsprechend erkrankten hellhäutige, vor allem rothaarige Menschen mit Abstand am häufigsten. Daneben gelten Menschen mit mehr als 50 Muttermalen als gefährdet. Und etwa 10 Prozent der malignen Melanome lassen sich auf eine genetische Veranlagung zurückführen.

 

Verdächtige Stellen werden, eventuell nach einer genaueren Untersuchung per Auflichtmikroskopie, mitsamt dem umliegenden Gewebe chirurgisch entfernt und histologisch überprüft. »Daraus lässt sich das Stadium der Erkrankung bestimmen und die weitere Therapie ableiten«, sagte Privatdozent Dr. Uwe Trefzer, Leiter des »Melanomcentrums« an der Charité Universitätsmedizin Berlin. Bei kleinen, oberflächlichen Tumoren (Eindringtiefe unter 1 mm) reiche meist die operative Entfernung und sorge für Heilungsraten weit über 90 Prozent. »Allerdings wächst mit dem Tumor auch das Risiko für Metastasen. Deshalb entscheiden die Ärzte anhand der Eindringtiefe des Tumors, ob sie zusätzlich die umliegenden Lymphknoten entfernen, eine Therapie mit Interferon alfa einleiten, die das Immunsystem gegen Krebszellen aktiviert, und die inneren Organe untersuchen.« Fänden sich dort Metastasen, benötigten die Patienten weitere Operationen sowie Chemo- oder Strahlentherapien. Doch dann stünden die Heilungschancen leider schon sehr schlecht.

 

Vorsorge und Vorbeugung

 

Trefzer empfahl dringend, die Hautkrebs-Vorsorge wahrzunehmen. Dabei handelt es sich um eine Ganzkörperuntersuchung durch speziell weitergebildete Haus- und Hautärzte. Seit Juli 2008 bekommen alle über 35-jährigen gesetzlich Versicherten diese Leistung alle zwei Jahre erstattet. »Viele Berechtigte nehmen diesen Anspruch wahr, wie erste Bilanzen zeigen«, sagte Dr. Klaus Fritz, Generalsekretär des BVDD. Allerdings lägen noch keine Daten zum Ausmaß der frühzeitig entdeckten Tumoren vor. »Doch eine frühere Pilotstudie belegt den Nutzen des Hautkrebs-Screenings eindeutig.«

 

Daneben solle sich jeder ungefähr alle drei Monate selbst kontrollieren, und zwar am ganzen Körper. »Denn mitunter entwickeln sich Melanome an sonnengeschützten und schlecht einsehbaren Stellen, etwa an Rücken, Bauch, Schleimhäuten, im Auge, in Zehenzwischenräumen oder eben unter einem Nagel.« Bei der Selbstuntersuchung helfe die ABCDE-Regel (siehe dazu Kasten).


ABCDE-Regel

A – Asymmetrie: nicht symmetrisch, etwa nicht rund oder oval

 

B – Begrenzung: unregelmäßig oder unscharf

 

C – Color (Farbe): unterschiedlich stark pigmentiert, mehrfarbig

 

D – Durchmesser: größer als 5 mm

 

E – Erhabenheit/Entwicklung: Höckerige Oberfläche/neu und schnell entstanden


»Wer etwas Verdächtiges entdeckt, wendet sich am besten sofort an einen Hautarzt.« Doch noch »besser wär`s, dass nichts entstünde« – mit diesem Zitat aus Goethes Faust appellierte der Arzt und Hautkrebs-Patient Nieveling, sich bestmöglich vor UV-Strahlung zu schützen. Als Maß für deren Intensität gilt der UV-Index (für Deutschland abrufbar unter www.uv-index.de). Ab einem Wert von 3 empfiehlt das Bundesamt für Strahlenschutz die Meidung der Mittagssonne (zwischen 11 und 15 Uhr), das Tragen eines Hutes mit breiter Krempe, einer Sonnenbrille und von Kleidung, die möglichst viel Haut bedeckt. Ungeschützte Stellen seien etwa 30 Minuten vor Strahlenkontakt reichlich mit Sonnenschutzpräparaten einzucremen. Kinder und Erwachsene mit empfindlicher und nicht-lichtgewöhnter Haut benötigten einen Lichtschutzfaktor über 15. Sonst solle er mindestens doppelt so hoch sein wie der UV-Index. »Diese Maßnahmen mögen vielleicht ein paar Umstände und Unannehmlichkeiten bereiten«, sagte Nieveling. »Aber was ist das schon im Vergleich zu Krebs?« /


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Beitrag erschienen in Ausgabe 17/2010

 

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