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Genitalwarzen: Mit Catechinen therapieren

PHARMAZIE

 
Genitalwarzen

Mit Catechinen therapieren


Von Annette Immel-Sehr, Düsseldorf / Feigwarzen sind lästig, ansteckend und kommen in der Regel immer wieder. Seit März ist mit Veregen® 10 % Salbe eine neue, verschreibungspflichtige Therapieoption auf dem Markt. Der Trockenextrakt aus den Blättern des Grünen Tees scheint einen entscheidenden Vorteil zu haben: eine geringe Rezidivrate.

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Beim Fortbildungskongress der Frauenärzte Anfang März in Düsseldorf stellte Hersteller Solvay Arzneimittel GmbH sein neues Produkt vor: Veregen® 10 % Salbe zur topischen Therapie äußerlicher Feigwarzen im Genital- und Perianalbereich bei erwachsenen immunkompeten Patienten. Die Salbe enthält einen gereinigten Trockenextrakt aus Blättern des Grünen Tees (Camellia sinensis). Hauptbestandteil des Extrakts ist Epigallocatechingallat, des Weiteren ist eine Vielzahl weiterer Catechine enthalten.




Teestrauch (Camellia sinensis): Grüner Tee stammt aus den Blättern derselben Pflanze wie Schwarzer Tee, Letzterer wird nach der Ernte noch fermentiert.

Foto: Karduelis


Die Zulassung von Veregen 10 % Salbe beruht auf zwei randomisierten doppelblinden placebokontrollierten Phase-III-Studien (CT 1017 und CT 1018). Eingeschlossen waren insgesamt 608 immunkompetente Erwachsene mit genitalen und perianalen Warzen. Von ihnen behandelten sich 401 Patienten mit Veregen 10 % Salbe, 207 Patienten mit der wirkstofffreien Salbengrundlage, und zwar bis zur kompletten Abheilung der Feigwarzen, maximal aber über 16 Wochen. Primärer Endpunkt war die vollständige Beseitigung aller Warzen. In der Verumgruppe kam es bei 61 Prozent der Patienten zu einer kompletten Abheilung. Dies war in der Placebogruppe bei 44 Prozent der Fall. Eine Reduktion der Warzen um mindestens die Hälfte wurde bei 76 Prozent der Patienten in der Veregen-Gruppe und bei 52 Prozent in der Placebogruppe erzielt. Die häufigsten Nebenwirkungen waren leichte lokale Hautreaktionen.

 

Rezidivrate nur 6,5 Prozent

 

»Anogenitale Infektionen mit humanen Papilloma-Viren gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen. Trotzdem ist die Erkrankung nach wie vor ein großes Tabu«, berichtete Professor Dr. Eggert Stockfleth, Charité Berlin. »Die Betroffenen gehen oft erst sehr spät zum Arzt.« Feigwarzen können von wenigen Millimetern bis zu mehreren Zentimetern groß sein. Sie neigen zur Streuung, können aber auch wuchernde Ansammlungen bilden, die wie kleine Blumenkohlköpfe aussehen. Eine maligne Entartung ist selten.

 

Unbehandelt verschwinden Feigwarzen bei etwa einem Drittel der Betroffenen nach ein bis zwei Jahren von selbst. Darauf sollte man allerdings nicht hoffen, so Stockfleth. Er empfahl, Feigwarzen konsequent zu behandeln, um Wucherungen zu unterbinden und die Übertragung zu verhindern. Eine ursächliche antivirale Therapie gegen HPV steht allerdings nicht zur Verfügung. Entweder man entfernt die Warzen mechanisch beispielsweise mittels Laser, Kürettage oder Kryotherapie oder man beginnt eine lokale medikamentöse Therapie. Dafür stehen unterschiedliche Wirkprinzipien zur Auswahl. Der genaue Wirkmechanismus des in Veregen enthaltenen Extrakts ist nicht bekannt. In präklinischen Studien zeigte er eine Wachstumshemmung aktivierter Keratinozyten sowie antioxidative Effekte. Die klinische Relevanz dieser Effekte ist jedoch nicht bekannt.



Die Salbe muss dreimal täglich aufgetragen werden. Dabei sollte die Salbe nur auf die betroffenen Hautbereiche auftragen werden. Eine Applikation in Vagina, Urethra oder Anus muss vermieden werden. Die Anwendung erfolgt so lange, bis alle Feigwarzen abgeheilt sind, maximal 16 Wochen. Warzen, die nach dieser Zeit noch vorhanden sind, können bei Bedarf chirurgisch entfernt werden. Um einer Infektion des Sexualpartners vorzubeugen, sollten bis zur vollständigen Abheilung der Genitalwarzen Kondome verwendet werden. Vor Sexualkontakt muss die Salbe abgewaschen werden, da sie die Reißfestigkeit von Kondomen beeinträchtigen kann. Der Partner sollte übrigens nur dann mitbehandelt werden, wenn er ebenfalls klinische Symptome zeigt.


Der Wirkstoff Imiquimod aktiviert die körpereigene Immunabwehr. Als Zeichen der immunstimulierenden Wirkung kommt es unter Imiquimod bei rund 20 Prozent der Patienten zu Fieber. »Das macht den Patienten oft sehr schaffen«, so Stockfleth. Auch die auftretende lokale Hautreizung sei häufig sehr unangenehm. Als Vorteil der Imiquimod-Salbe bewertete Stockfleth, dass das Medikament nur dreimal pro Woche angewendet werden muss. Der früher häufig eingesetzte Mitosehemmstoff Podophyllotoxin habe aus Gründen der Toxizität und der hohen Rezidivraten heute an Bedeutung verloren, so Stockfleth. Hinsichtlich der Rezidivraten schneide Veregen deutlich besser ab als Podophyllotoxin, Imiquimod oder die Kryotherapie, berichtete Stockfleth. In den Veregen-Studien lag die Rezidivrate bei 6,5 Prozent, für die herkömmlichen Therapien werden zwischen 20 und 75 Prozent beschrieben. /


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Beitrag erschienen in Ausgabe 12/2010

 

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