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HIV/Aids: Ernährung bei Immunschwäche

MEDIZIN

 
HIV/Aids

Ernährung bei Immunschwäche


Von Christina Hohmann / Prinzipiell gelten für HIV-Infizierte die gleichen Ernährungsempfehlungen wie für alle Menschen. Je nach Situation des Patienten sind aber einige Besonderheiten wie Vermeiden von Gewichtsverlust und Lebensmittelinfektionen zu beachten.

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Die Ernährung kann den Verlauf der HIV-Infektion mit beeinflussen. So entwickeln Studien zufolge HIV-Positive mit gutem Ernährungszustand deutlich später Aids-Symptome als mangel­ernährte Infizierte, schreibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in ihren Beratungsstandards. Eine qualifizierte Ernährungsberatung sei daher in allen Stadien der Infektion beziehungsweise der Erkrankung sinnvoll.




Bei der Verarbeitung von rohem Fleisch sollten Immungeschwächte besonders vorsichtig sein und hygienisch arbeiten, um Infektionen zu vermeiden.

Foto: DAK


Gerade bei HIV-Infizierten ist eine gesunde, vollwertige Ernährung nach den »10 Regeln der DGE« besonders wichtig, da sie das Wohlbefinden des Patienten steigert und sich positiv auf das Immunsystem auswirkt. Die Kost sollte dabei vielseitig und abwechslungs­reich sein, um den Bedarf an möglichst allen Nährstoffen abzudecken. Der Schwerpunkt der Ernährung liegt nach den DGE-Empfehlungen auf pflanzlichen Lebensmitteln wie Getreide, Kartoffeln, Hülsenfrüchten, Obst und Gemüse. Auch Milch und Milchprodukte sind ein wichtiger Bestandteil, während andere tierische Produkte wie Fleisch und Eier sparsam einzusetzen sind (siehe dazu Vollwertige Ernährung: So einfach ist das, PZ 10/2009).

 

Wegen eines erhöhten Bedarfs an Antioxidanzien sollten HIV-Infizierte auf eine ausreichende Versorgung mit den Vitaminen A, C und E sowie Selen und Zink besonders achten. Eine Deckung des Bedarfs kann auch, in Absprache mit dem Arzt, über eine Supplementierung mit entsprechenden Präparaten erfolgen. Dabei ist ausdrücklich von Mega-Dosen abzuraten, weil manche Vitamine in hoher Dosierung immunsuppressiv wirken, schreibt die DGE.

 

Eine vollwertige Ernährung hilft zudem dabei, einer Mangel­ernährung und einem Gewichtsverlust vorzubeugen, den typischen Begleiterscheinungen einer HIV-Infektion. Die schleichende Gewichtsabnahme hat in der Regel verschiedene Ursachen. Einerseits verleiden dem Patienten Appetitlosigkeit, Depressionen, körperliche Schwäche, Übelkeit und Nebenwirkungen der antiretroviralen Therapie den Spaß am Essen. Auch Schluckstörungen und Infektionen in der Mundhöhle erschweren die Nahrungsaufnahme. Andererseits ist die Verwertung der Nährstoffe bei zunehmender Störung des Immunsystems zum Beispiel durch Darminfekte beeinträchtigt. Hinzu kommt, dass in späteren Stadien der Erkrankung der Grundumsatz der Patienten durch Infektionen, Fieber und Tumoren erhöht ist. Die Folge ist, dass der Patient nach und nach abnimmt.



 

 

Dieser Artikel ist Teil der Serie Ernährung.

Die nächste Folge zum Thema »Orthorexie«

erscheint in PZ 14 und ist bereits am Montag, dem 5. April,

online verfügbar unter »Zum Thema«.

Dort finden Sie auch eine Übersicht der bereits erschienenen Beiträge.


Ein häufiger Grund für einen Gewichtsverlust sind Kau- und Schluckbeschwerden. Für Betroffene mit diesen Problemen ist es hilfreich, weiche und pürierte Speisen zu verzehren. Auf scharfe Gewürze, besonders heiße oder saure Speisen sollte weitestgehend verzichtet werden, oder die Betroffenen sollten individuell testen, was sie vertragen und was nicht. Milch verstärkt die Schleimbildung und erschwert das Schlucken zusätzlich, weshalb Patienten darauf verzichten sollten. Dagegen werden Kamillen- und Pfefferminztee häufig als angenehm empfunden.

 

Viele Betroffene leiden auch unter mangelndem Appetit. Hier ist es hilfreich, viele kleine Mahlzeiten zu sich zu nehmen und vor allem den Patienten essen zu lassen, was er gerne isst. Hier gilt: Die Kalorienzufuhr ist wichtiger als eine ausgewogene »gesunde« Ernährung, um einen weiteren Gewichtsverlust zu verhindern.


Patienten, die bereits an Gewicht verloren haben, sollten ihre Energiezufuhr steigern. Hierfür können sie Maltodextrin, Zucker, Honig, Sahne oder Butter in die Speisen mischen. Auch Schokolade, Kuchen oder Nüsse als Zwischenmahlzeit liefern reichlich Kalorien. Auch hier gilt wieder, dass die Vorlieben des Patienten zu beachten sind und die Energiezufuhr in diesen Fällen wichtiger ist, als sich an die Regeln für eine gesunde, ausgewogene Ernährung zu halten. Als zusätzliche Kalorien- und Proteinquelle kann industrielle Trinknahrung eingesetzt werden, empfiehlt die DGE. Insgesamt sollte der behandelnde Arzt den Ernährungszustand des Patienten im Blick behalten, um gegebenenfalls mit den genannten Empfehlungen einem Gewichtsverlust gegenzusteuern.

 

Nebenwirkungen der Therapie

 

Als Begleiterscheinung der hochaktiven antiretroviralen Therapie kommt es bei 30 bis 50 Prozent der Patienten zu einem Lipodystrophie-Syndrom. Dies ist geprägt von einer Fettumverteilung am Körper sowie metabolischen Veränderungen wie einer Glucosetoleranzstörung und erhöhten Triglycerid- und Cholesterolwerten. Patienten mit einer Lipodystrophie sollten ihre Ernährung umstellen, aber nicht die Kalorienzufuhr senken. Dabei sollte der Fettanteil an der Gesamtkalorienaufnahme auf 25 bis 30 Prozent (etwa 70 bis 90 g täglich) reduziert werden. Alkohol und Fruchtsaftgetränke sind zu meiden. Empfohlen wird zudem, die Aufnahme von tierischen Fetten zu senken und vermehrt ungesättigte Fettsäuren, wie sie in Pflanzenölen zu finden sind, zu verzehren. Dies ist zu erreichen, indem fettreiche Wurst, Fleisch- und Milchprodukte durch fettarme Varianten und tierische Fette durch pflanzliche Öle ersetzt werden (siehe dazu Hypercholesterinämie: Das richtige Fett essen, PZ 34/2009).

 

Vorsicht vor Infektionen

 

Ein wichtiger Aspekt bei der Ernährung von HIV-Infizierten sind Krankheitserreger wie Salmonellen oder Toxoplasmen in der Nahrung (siehe Tabelle). Während diese bei Gesunden meist leichte Darminfektionen oder gar keine Symptome verursachen, stellen sie für HIV-Positive wegen der Immunschwäche eine große Gefahr dar. Deswegen ist auf die Lebensmittelhygiene und -auswahl besonderer Wert zu legen. Um Sekundärinfektionen zu vermeiden, sollten unbedingt alle rohen und halbrohen tierischen Lebensmittel vermieden werden. Dazu zählen nicht ausreichend durchgegartes Fleisch, Tartar, Carpaccio, Rohwurst wie Salami, Cervelatwurst oder Teewurst und roher Schinken ebenso wie Räucherfisch, Sushi oder Austern. Auch auf alle Lebensmittel, die rohes Ei enthalten, wie selbstgemachte Mayonnaise, Tiramisu oder Mousse au Chocolat ist zu verzichten.


Tabelle: Häufige Erreger von Lebensmittelinfektionen und deren Vorkommen in Lebensmitteln

Erreger Lebensmittel 
Salmonellen nicht ausreichend erhitztes Fleisch, Geflügel, Eier und daraus hergestellte Lebensmittel, wie Cremes, Konditoreiwaren, Mayonnaise und Speiseeis 
Campylobacter rohes oder nicht ausreichend erhitztes Geflügel oder sonstiges Fleisch (Mett, Hackepeter), in Rohmilch, Rohmilcherzeugnisse 
Yersinia enterocolitica rohes Schweinefleisch 
enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) rohe tierische Produkte, wie Fleisch und Rohmilch, Kontakt zu Wiederkäuern 
Listeria Rohmilch und -produkte, Rohmilchkäse, rohes Fleisch und rohe Fleischerzeugnisse(Salami, Mettwurst), rohes Gemüse und frische Salate, vakuumverpackte Fleisch- und Fischerzeugnisse, Räucherlachs, rohe Meeresfrüchte (Austern, Sushi) 
Toxoplasmen unzureichend erhitztes oder behandeltes Fleisch und daraus hergestellte Produkte vom Schwein, von kleinen Wiederkäuern (Schaf, Ziege), Wildtieren und Geflügel, Kontakt mit Katzen und Katzenkot 
Noroviren kontaminierten Salate (grüner Salat, Kartoffel-, Obstsalat), Melonen, Krabben, Muscheln, gekochter Schinken und verunreinigtes Wasser 

Eine mögliche Infektionsquelle stellen auch Produkte aus Rohmilch wie Rohmilchkäse oder auch Weichkäse dar. Diese Lebensmittel können unter anderem Listerien enthalten. Diese Bakterien kommen fast überall vor, besonders in Abwässern und Böden, und lösen bei Immunkompetenten keine Symptome aus. Bei immunschwachen Patienten dagegen führen Listerien zu schweren lebensbedrohlichen Erkrankungen, häufig tritt eine Meningoenzephalitis auf. Die Bakterien kommen außer in Rohmilch und Weichkäse auch in Salami, Geflügelfleisch und Räucherlachs vor. Zudem können sie in allen mit Staub und Erde kontaminierten Lebensmitteln wie Salat, Obst und Gemüse vorhanden sein. Rohe pflanzliche Produkte sollten daher vor dem Verzehr gründlich gewaschen oder geschält werden.

 

Insgesamt ist auf die Lebensmittelhygiene beim Kochen großen Wert zu legen. So sollten Patienten vor und nach dem Zubereiten von Speisen sich gründlich die Hände waschen und auch den Arbeitsbereich säubern. Um eine Übertragung von Erregern von kontaminierten auf nicht kontaminierte Lebensmittel zu vermeiden, ist es sinnvoll, zwischen den einzelnen Verarbeitungsschritten Hände, Arbeitsunterlage und Messer gründlich mit lauwarmem Wasser und Spülmittel beziehungsweise Seife zu reinigen, empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in der Broschüre »Verbrauchertipps: Schutz vor Lebensmittelinfektionen im Privathaushalt«. Im Internet ist diese ausführliche Broschüre und weitere Informationen zu Lebensmittelinfektionen unter www.bfr.bund.de/cd/674 zu finden. /

 

Literatur

  1. DGE-Beratungsstandards (2000)
  2. BfR-Broschüre »Verbrauchertipps: Schutz vor Lebensmittelinfektionen im Privathaushalt« (2007)

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Beitrag erschienen in Ausgabe 12/2010

 

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