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ABDA: Mehr Pep fürs Apotheken-Image

POLITIK

 
ABDA

Mehr Pep fürs Apotheken-Image

Von Uta Grossmann

 

Die Bedrohung der inhabergeführten öffentlichen Apotheke durch Franchisesysteme wie DocMorris und Drogeriemärkte wie dm und Schlecker dominierte die Mitgliederversammlung der ABDA. Doch die Vertreter der deutschen Apotheker stellen sich selbstbewusst den Herausforderungen - und wollen ihr Image aufpolieren.

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Statt wie das Kaninchen auf die Schlange zu starren, geht die ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände in die Offensive. Eine Imagekampagne soll mit dem roten Apotheken-A Sympathie und Verständnis für den pharmazeutischen Heilberuf wecken.

 

»Herr Oesterle vertritt nicht die Interessen des Mittelstandes, wie er immer behauptet, sondern ist Vorstandsvorsitzender eines Großunternehmens mit 21,6 Milliarden Euro Umsatz«, stellte Heinz-Günter Wolf, Präsident der ABDA, in seinem Bericht zur politischen Lage klar. Dr. Fritz Oesterle als Chef von Celesio, die Ende April den niederländischen Versender DocMorris übernommen hat,  steht für einen »durchindustrialisierten Arzneimittelversorger«, sagte Wolf. Mit Blick auf  Drogeriemarktketten, die wie dm bereits in den Versandhandel mit Arzneimitteln eingestiegen sind oder das, wie Schlecker oder Rossmann, planen, müssen die deutschen Apotheken darstellen, dass sie besser sind, so Wolf. Die Drogeriekette dm hat in Nordrhein-Westfalen in acht Märkten Rezeptsammelstellen eingerichtet, in denen Kunden Medikamente in Holland bestellen können. Der Apotheker müsse als Verbraucherschützer agieren und die Verbraucher vor dem Missbrauch von Arzneimitteln schützen, den der Versandhandel ermöglicht.

 

Der ABDA-Präsident erinnerte daran, dass der Europäische Gerichtshof (EuGH) noch kein Urteil über das Fremdbesitzverbot gefällt hat. Von politisch interessierter Seite werde die unlautere Behauptung gestreut, dass der EuGH den Fremdbesitz erlauben werde. Tatsächlich werde damit versucht, Druck auf den nationalen Gesetzgeber auszuüben, den Apothekenmarkt zu liberalisieren.

 

»Ich sehe keine Alternative zur heilberuflich geführten Apotheke«, stellte Wolf klar. Um sie zu erhalten, müsse die Apothekerschaft eine Qualitätsdiskussion führen. Darin unterstützte ihn der ABDA-Geschäftsführer für Berufsrecht, Apotheken- und Arzneimittelrecht, Lutz Tisch. »Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos«, sagte er. Die Apotheker müssten sich in der zu erwartenden Generaldebatte grundsätzlich entscheiden, ob sie den Heilberuf erhalten oder eine Entwicklung zum Drugstore wollen. Tisch hält mit Blick auf den EuGH-Urteilsspruch unterschiedliche Einschränkungsvarianten des Fremdbesitzes für möglich, wie sie bereits in anderen europäischen Ländern existieren. Er selbst positionierte sich eindeutig: Es gelte, den Fremdbesitz zu verhindern und die Versandhandelsinitiative von Karl-Josef Laumann (CDU)  zu unterstützen. Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister will die Erlaubnis für den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln zurücknehmen und sucht dafür Verbündete in den Ländern für eine Bundesratsinitiative.

 

Die »größte Baustelle« der nächsten Zeit ist nach Auffassung von ABDA-Hauptgeschäftsführer Dr. Hans-Jürgen Seitz die Öffentlichkeitsarbeit. Die Frage sei: »Wie können wir die Leistungen der inhabergeführten Apotheke öffentlichkeitswirksam darstellen?« Das Team der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit hat da 2006 schon einiges bewegt. Zwei Beispiele: Im Vorjahr beantworteten die Öffentlichkeitsarbeiter nach Angaben von Dr. Ursula Sellerberg, Referat Wissenschaftspresse, über 900 Presseanfragen, das waren 43 Prozent mehr als 2005. Diana Vasapollo, für Neue Medien zuständig, registrierte auf der Website www.aponet.de im vorigen Jahr 3,2 Millionen Besuche gegenüber zwei Millionen 2005.

 

Das Team der ABDA-Öffentlichkeitsarbeit ruht sich aber nicht auf den Lorbeeren aus. Frischen Wind will Thomas Bellartz in die Abteilung bringen. Er war seit 1998 Redakteur der Pharmazeutischen Zeitung und leitete seit 2002 deren Hauptstadtbüro in Berlin. Nun vollzog er zum 1. Juli einen Rollentausch und ist jetzt Pressesprecher und Leiter der Abteilung Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit der ABDA.

 

Bellartz stellte sich mit der plakativ-hintersinnigen Ansage »Jetzt: Rollentausch« vor und konnte mit wenigen, aber deutlichen Worten zu seiner geplanten Marschrichtung punkten. »Die inhabergeführte Individualapotheke ist das bessere Konzept.« Die Apotheker müssten selbst die Themen setzen und von den Getriebenen in die Rolle der treibenden Kraft wechseln. Die Stichworte: Aktion statt Reaktion, selbstbewusstes Auftreten, Stärken herausstellen und schnell auf politische Entwicklungen reagieren statt langwierige Abstimmungsverfahren auf Verbandsebene abzuwarten.

 

Um das Bild des Apothekers zu entstauben und Werbung für die inhabergeführte Apotheke zu machen, tüftelt die Werbeagentur »Zum goldenen Hirschen« eine Imagekampagne aus. Der Geschäftsführer der Berliner Filiale, Julian Scholl, präsentierte die Ideen den versammelten Vertretern der Apothekerschaft. Zielgruppe der Imagekampagne sind Apotheker, Kunden und die Politik. Der Apotheker soll modern, überraschend und positiv auftreten und die Vielfalt des Heilberufs gegen das Image des »Schubladenziehers« herausgestellt werden.

 

Damit 2008 genügend Geld für Öffentlichkeitsarbeit (ÖA) zur Verfügung steht, entschloss sich die Mitgliederversammlung nach intensiver Diskussion, das 2006 nicht ausgegebene Geld, immerhin 530.000 Euro, in die Betriebsmittelrücklage zu stecken und im Haushalt 2008 für die Zwecke der ÖA bereitzustellen.

 

»Gesundheit in besten Händen«

 

Der deutsche Apothekertag vom 27. bis 29. September in Düsseldorf wird unter dem Motto »Gesundheit in besten Händen« stehen. Geplant sind zwei Arbeitskreise. Die ABDA-Geschäftsführerin für Pharmazie, Dr. Christiane Eckert-Lill, wird den Arbeitskreis zu Leistungen für Patienten und Gesellschaft, ihr Geschäftsführer-Kollege Lutz Tisch jenen zum Thema »Verbraucherschutz braucht Sicherheit« moderieren.

 

Der ABDA-Gesamtvorstand ist nach dem Ausscheiden von Monika Oppenkowski, die sich mit einer eigenen Apotheke selbständig gemacht hat, nun wieder komplett. Christine Schoppe wird künftig die nicht selbständigen Apotheker vertreten. Sie setzte sich im im ersten Wahlgang mit 51 Prozent der Stimmen gegen zwei weitere Kandidaten durch. Schoppe ist angestellte Apothekerin in einer öffentlichen Apothekerin im Saarland und hat 23 Jahre Berufserfahrung. Die Mutter von zwei Kindern vertritt im ABDA-Vorstand die Nichtselbstständigen, das sind ungefähr 27.000 angestellte Apotheker in öffentlichen Apotheken und 1700 Krankenhausapotheker.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 27/2007

 

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