Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

BMI: Beschränkte Aussagekraft für Mortalität

NACHRICHTEN

 
BMI: Beschränkte Aussagekraft für Mortalität
 


Der Taillenumfang spielt eine wesentlich größere Rolle für die Gesundheit als der bislang genutzte Body-Mass-Index (BMI). Das haben Mediziner der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in einer Studie gezeigt und belegen damit frühere Arbeiten (siehe dazu Body-Mass-Index: Nicht das Maß aller Dinge, PZ 07/2008). Demnach ist nicht die Menge, sondern die Verteilung des Körperfetts für Herzkrankheiten und andere Leiden entscheidend. Bislang bestimmt die weit verbreitete BMI-Formel «Gewicht durch Körpergröße in Metern zum Quadrat», wer als fettleibig oder untergewichtig gilt. Doch für die Abschätzung von Krankheitsgefahren tauge das Maß nicht, behaupten die Mediziner. «Der BMI spielt keine Rolle für das Schlaganfall-, Herzinfarkt- oder Todesrisiko eines Menschen», sagte Studienleiter Harald Schneider einer LMU-Mitteilung zufolge. Die Studie wird im «Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism» (doi: 10.1210/jc.2009-1584) veröffentlicht.

Anders als man es beim BMI unterstelle, sei Fett nicht gleich Fett, erläutert Schneider. Es gebe «gutes Fett» an Hüften, Oberschenkeln und Gesäß, das nicht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhe. Es könne sogar schützen, wie erst kürzlich eine britische Studie belegte (siehe dazu Ein dicker Po ist gesund, PZ 03/2010). Das «böse Fett» um den Bauch könne dagegen schädliche Fettsäuren und andere Stoffe in den Körper abgeben, die unter Umständen Entzündungen hervorriefen.

Für ihre Studie beobachteten die LMU-Forscher knapp 11 000 Probanden bis zu acht Jahre lang. Neben dem BMI wurden noch weitere Werte gemessen: Das Verhältnis von Hüft- zu Taillenumfang und die Zahl, die sich ergibt, wenn man den Taillenumfang durch die Körpergröße teilt, auch WHtR (Waist to Height Ratio) genannt. «Je höher der WHtR, desto größer das Risiko», beobachteten Schneider und seine Kollegen mit Blick auf Herzinfarkt und Schlaganfall. Das Verhältnis von Hüft- zu Taillenumfang habe diesbezüglich kaum eine und der BMI gar keine Aussagekraft gehabt. (ch)

03.03.2010 l PZ
Foto: Fotolia/Fotosav
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Hepatitis C: Zwei neue Mittel zur Zulassung empfohlen

Epclusa® und Zepatier® heißen zwei neue Arzneimittel, die aller Voraussicht nach bald die therapeutischen Optionen...



Arzneiformen für Kinder: Todesurteil für die Parabene

Kommt jetzt das Aus für die Parabene? Professor Dr. Jörg Breitkreutz (Foto) vom Institut für Pharmazeutische Technologie der...



ASS bei Kindern: Das muss kein Fehler sein

Viele wissen, dass der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) wegen der Gefahr des Reye-Syndroms bei Kindern nicht eingesetzt werden sollte....



Generika: EU-Parlament will Produktion stärken

Das EU-Parlament will den Generikamarkt stärken und hat die EU-Kommission zu einer entsprechenden Gesetzesänderung aufgefordert. Das teilte...

 
 

Phase-I-Studien: EMA überarbeitet Vorschriften
Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) stellt die Vorschriften auf den Prüfstand, die gelten, wenn Arzneistoffe zum ersten Mal an...

Chronische Sinusitis: Nasen-Mikrobiom ist nicht schuld
Die Zusammensetzung der Bakterien in der Nasenhöhle unterscheidet sich bei Menschen, die an einer chronischen Entzündung der...

Tierhaltung: EMA will Colistin-Einsatz beschränken
Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) will dafür sorgen, dass der veterinärmedizinische Einsatz des Antibiotikums Colistin in Europa...

Heimversorgung: Lagerraum als Arbeitsstätte zulässig
Apotheken dürfen die Heimversorgung auch von einem externen angemieteten Lagerraum aus regeln. Das hat das Bundesverwaltungsgericht...

Polymedikation bei Senioren: Merkkarte unterstützt Apotheker
Senioren haben grundsätzlich ein höheres Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen als jüngere Menschen, weil sie häufig mehrere...

Ärzte gegen Übergewicht: Softdrink-Steuer soll Trend stoppen
Im Kampf gegen Übergewicht haben Ärzte eine Softdrink-Steuer, mehr Schulsport und Ernährungskunde als Unterrichtsfach vorgeschlagen. Mehr...

Noch mehr Meldungen...













DIREKT ZU