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Psychische Erkrankungen: Die Rolle von Vasopressin

MEDIZIN

 
Psychische Erkrankungen

Die Rolle von Vasopressin


Von Christina Hohmann / Wissenschaftlern aus Schottland, Japan und Deutschland ist es gelungen, eine bisher unbekannte Funktion von Vasopressin nachzuweisen: Das Peptidhormon kontrolliert im Gehirn die Verarbeitung von Duftsignalen und beeinflusst darüber unter anderem das soziale Zusammenleben bei Nagern.

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Vasopressin war lange Zeit nur als nierenwirksames antidiuretisches Hormon bekannt, doch dann wurde deutlich, dass es noch weitere Funktionen hat. Es wirkt als Signalmolekül auch innerhalb des Gehirns und sorgt dort für die Regulation der Körpertemperatur, aber auch für die Steuerung von Emotionen und die Antwort auf Stress.


Im Riechkolben sind zum Beispiel Rezeptoren für Vasopressin enthalten. Da Mutationen in diesen Rezeptoren mit Autismus in Verbindung gebracht wurden, hat das Forscherteam um Mike Ludwig von der Universität Edinburgh an Ratten deren Funktion untersucht. Das Blockieren der Vasopressin-Rezeptoren führte dazu, dass die Tiere ihre Artgenossen nicht mehr erkennen konnten. Über ihre Untersuchungen berichten die Forscher im Fachjournal »Nature« (doi: 10.1038/nature08826). Sie entdeckten zudem eine Gruppe von Nervenzellen in unmittelbarer Nähe der rezeptortragenden Zellen, die Vasopressin freisetzen.

 

Die Forscher gehen davon aus, dass der von Vasopressin kontrollierte Mechanismus nicht auf den Riechkolben beschränkt ist, sondern auch in anderen Gehirnbereichen eine Rolle spielt, zum Beispiel in solchen, die in die Entstehung von Emotionen eingebunden sind. »Wir haben überzeugende Hinweise darauf, dass Störungen dieses Systems für eine Reihe von psychischen Erkrankungen verantwortlich sind«, erklärt der an der Untersuchung beteiligte Biochemiker Mario Engelmann von der Universität Magdeburg. Vasopressin ist daher mit Oxytocin ein weiteres Hormon, das nicht nur in der Peripherie wirkt, sondern auch direkt im ZNS freigesetzt wird und dort das Sozialverhalten beeinflusst. Einer aktuellen Untersuchung zufolge kann Oxytocin Autisten helfen, die Kommunikation mit ihren Mitmenschen zu verbessern (siehe dazu Autismus: Oxytocin verbessert Sozialverhalten, PZ 08/2010). /


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Beitrag erschienen in Ausgabe 09/2010

 

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