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COPD: Keine reine Raucher-Angelegenheit

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COPD

Keine reine Raucher-Angelegenheit


Von Daniela Biermann, Hamburg / Rauchen ist der größte Risikofaktor, eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung zu entwickeln. Doch auch jeder 20. Nichtraucher ist betroffen. Neue Genanalysen sollen Aufschluss über das Krankheitsgeschehen geben. Denn je früher eingegriffen wird, desto größer die Chance, den Verlauf der Krankheit zu stoppen.

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Die Abkürzung COPD fasst chronisch obstruktive Lungenerkrankungen zusammen. Die Erkrankung ist progressiv. Zwei krankhafte Vorgänge schränken die Lungenfunktion dabei immer weiter ein: eine chronische Entzündung in der Schleimhaut der Bronchien und die Zerstörung des Lungengewebes. Durch Letztere geht Elastizität verloren, und es kommt zu einer Überblähung der Lunge (Emphysem). Ein internationales Forschungsteam meldete vergangene Woche, dass es fünf Lungenfunktionsgene identifiziert hat. Sie codieren für Proteine, die an Entgiftungs-, Entzündungs- und Gewebeheilungsprozessen beteiligt sind. Damit beeinflussen sie vermutlich auch den Krankheitsverlauf der COPD. Der Fund könnte helfen, das Geschehen besser zu verstehen. Zudem könnten genetische Ursachen erklären, wieso auch Nichtraucher an COPD erkranken.




Der bedeutsamste Faktor für die Entstehung der COPD ist das inhalative Rauchen.

Foto: dpa


Etwa 15 Prozent der Deutschen leiden unter COPD. Zu 85 Prozent geht die Erkrankung auf das Rauchen zurück. Doch auch 5 Prozent aller Nichtraucher entwickeln COPD, sagte Professor Dr. Wolfgang Petro vom Medizinischen Versorgungszentrum Bad Reichenhall auf einer Veranstaltung von Pohl-Boskamp. »Es beginnt mit ganz normalem Husten und Auswurf«, erklärte der Lungenfacharzt. »Später kommt Luftnot unter Belastung als weiteres klassisches Symptom hinzu.« Dann hat die Gewebezerstörung in der Lunge bereits begonnen. Die Atemnot führt zu Bewegungsmangel, was zu einer weiteren Abnahme der Fitness führt. Immer mehr Lungengewebe geht verloren, was der Körper durch ein erhöhtes Atemvolumen auszugleichen versucht. Das Atmen wird ineffizienter. »Der Prozess verläuft über Jahrzehnte«, sagte Petro. »Der Arztbesuch findet viel zu spät statt, da es zunächst ja >nur Husten< ist.« Jede Bronchitis sollte jedoch sofort und ausreichend behandelt werden, da sich der Zustand der Lunge sonst weiter verschlechtern kann.

 

COPD-Patienten sollten mit dem Rauchen aufhören und zudem gegen Pneumokokken und Influenza geimpft werden. Bei Übergewicht ist eine Ernährungsumstellung angesagt. Mehr Bewegung ist bei jedem angezeigt. Als Medikamente zeigen Anticholinergika den besten Evidenzgrad. Aber nach der Leitlinie können auch lang wirksame β2-Sympathomimetika, inhalative Glucocorticoide, Theophyllin und Mukopharmaka zum Einsatz kommen. Bei Letzteren empfiehlt die Leitlinie Acetylcystein, Ambroxol, Myrtol und Cineol. Auch Antibiotika können vorübergehend indiziert sein. »Es ist wichtig, Exazerbationen zu verhindern«, sagte Petro. Dazu könnten pflanzliche Arzneimittel beitragen. /


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Beitrag erschienen in Ausgabe 09/2010

 

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