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Autismus: Oxytocin verbessert Sozialverhalten

MEDIZIN

 
Autismus

Oxytocin verbessert Sozialverhalten


Von Christina Hohmann / Das Neuropeptid Oxytocin könnte möglicherweise Autisten helfen, die Kommunikation mit anderen Menschen zu verbessern. Dies berichten Forscher um Angela Sirigu von Centre de Neuroscience Cognitive in Bron, Frankreich, im Fachjournal »PNAS« (doi: 10.1073/pnas.0910249107).

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Autisten haben typischerweise Schwierigkeiten, mit anderen Menschen zu kommunizieren, sie scheuen den Blickkontakt und können die Mimik und Gestik ihres Gegenübers nicht richtig deuten. Die Ursache für diese Erkrankung ist bislang unklar. Oxytocin könnte hier eine Rolle spielen. So hatten frühere Untersuchungen gezeigt, dass autistische Kinder deutlich erniedrigte Plasmaspiegel des Hormons im Vergleich zu gesunden Kindern aufweisen. Dieses auch als »Kuschelhormon« bezeichnete Molekül beeinflusst die soziale Interaktion, unter anderem das Vertrauen und die Bindung zwischen Mutter und Neugeborenem, die sexuelle Aktivität bei Erwachsenen und es soll ausgleichend bei Stress wirken.

 

Um zu untersuchen, wie die Gabe von Oxytocin bei Autisten wirkt, verabreichten die französischen Neurowissenschaftler 13 erwachsenen Betroffenen die Substanz per Nasenspray. Dann untersuchten sie deren Sozialverhalten anhand eines Computerspiels und überprüften die Wirkung von Gesichtern auf die Patienten. Ergebnis: Oxytocin steigerte das Vertrauen und verbesserte die soziale Interaktion der Patienten. Ein Test war so aufgebaut, dass der Proband am Computer mit drei virtuellen Partnern Ball spielen sollte. Die drei Computerfiguren gaben den Ball unterschiedlich häufig an die Probanden zurück. Die Forscher wollten herausfinden, ob die Patienten sich für den kooperativen Ballpartner entscheiden würden, also für den, der ihnen den Ball am häufigsten zuwarf. Die Studienteilnehmer, die Oxytocin erhalten hatten, wandten sich tatsächlich dem »guten« Ballspieler zu und warfen diesem den Ball häufiger zu als den anderen. Nach eigenen Angaben hatten sie mehr Vertrauen zu ihm. Patienten ohne Oxytocin, die Placebo erhielten, machten diese Unterscheidung nicht.

 

In einem zweiten Test sahen sich die Patienten Abbildungen von Gesichtern an. Sie sollten sagen, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt und in welche Richtung das Gesicht schaut. Mit Oxytocin schauten die Autisten den Gesichtern länger in die Augen und fühlten sich den Angaben zufolge weniger unwohl dabei. Im Vergleich zu Menschen ohne die Verhaltensstörung verweilte ihr Blick jedoch deutlich kürzer auf den Augen des Gegenübers. Die Veränderungen im Sozialverhalten seien insgesamt sehr individuell gewesen, berichten die Forscher. Diese Untersuchung war nicht die erste dieser Art: Schon in früheren Arbeiten war die Wirkung von Oxytocin auf das Verhalten bei gesunden Menschen und bei Autisten getestet worden, mit vergleichbaren Ergebnissen. Bevor das Hormon-Nasenspray aber tatsächlich in der Therapie angewandt werden kann, sind noch weitere Studien zur dessen Sicherheit und Verträglichkeit, auch bei regelmäßiger Gabe, notwendig. /


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Beitrag erschienen in Ausgabe 08/2010

 

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