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Ausstellung: Arbeit ist nicht alles

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Ausstellung

Arbeit ist nicht alles


Von Hannelore Gießen, Dresden / Eine Ausstellung im Deutschen Hygiene-Museum greift ein Thema auf, das jeden betrifft: Arbeit. Es geht um die Sorge um den Lebensunterhalt, die soziale Anerkennung, aber auch um Arbeit als sinnstiftende Tätigkeit.

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Gleich hinter der Eingangstüre fällt ein ausgestopftes Faultier ins Auge. Tritt man näher, schwirrt und surrt es: Fleißige Bienen stehen Modell für die perfekt organisierte arbeitsteilige Gesellschaft. Miniaturszenen in kleinen Bildschirmen bringen den Ausstellungsbesucher ins Nachdenken darüber, ob sich Arbeit und Freizeit überhaupt voneinander abgrenzen lassen: Ist nur eine bezahlte Tätigkeit Arbeit? Wie steht es mit ehrenamtlicher, mit Haus- und Familienarbeit?




Einige sind hoffnungslos überarbeitet, andere verzweifelt auf Arbeitssuche. Wie wird sich die Arbeitswelt in Zukunft entwickeln?

Foto: DHMD


Die Ausstellung »Arbeit, Sinn und Sorge« im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden zeigt nur wenige Exponate. Meistens sind es Symbole und Medien, die an das Thema heranführen. Statistiken zum Bruttosozialprodukt, zur Arbeitslosenzahl und zur Produktivitätsrate ziehen sich als fortlaufendes Band entlang der Wände. Den nüchternen Zahlen stehen persönliche Interviews gegenüber. Video- und Filmsequenzen zeigen das Verhältnis von mehr als einhundert Gesprächspartnern zu ihrer Arbeit. Menschen aus unterschiedlichen Regionen, aus verschiedenen Berufs- und Bevölkerungsgruppen erzählen von ihren Wünschen, Träumen, Vorstellungen, Enttäuschungen und Erfolgen.

 

Der »Maschinen-Raum« ist einer von insgesamt fünf Rauminstallationen. Hier zieht zunächst ein Arrangement von mehr als hundert Turnschuhen den Blick auf sich. Es steht für Vielfalt bis zum Überfluss. Dokumentarische Filmszenen zeigen Meilensteine der deutschen Wirtschaftsgeschichte und machen die Arbeitswelt des letzten Jahrhunderts deutlich. Die Entwicklung der Nachkriegszeit wird getrennt nach Ost und West gezeigt, um nach dem Fall der Berliner Mauer zu einem gemeinsamen Film zusammenzufließen.

 

Spielen und Lernen

 

Im »Übungs-Raum« wird ergründet, wie ein Mensch im Laufe seiner Kindheit und Jugend auf die Arbeitswelt vorbereitet wird, wie sich seine Einstellung formt und wie Berufswünsche entstehen. Der »Werk-Raum« wirft die »Sinnfrage« auf und erkundet, wann Arbeit als erfüllend erlebt wird. Was jeder weiß, oder zumindest ahnt, wird anhand verschiedener Interviews nochmals deutlich: Eine Tätigkeit begeistert, wenn Herausforderungen gemeistert und Ziele erreicht werden. Fehlende Anerkennung, einengende Vorschriften und geringer Gestaltungsraum machen es dagegen schwer, Arbeit als befriedigend zu erleben. Die vielen Interviews zu den einzelnen Facetten des Themas machen deutlich, wie sehr das, was wir tun, das eigene Selbstverständnis, den Platz in der Gesellschaft und die Lebensplanung prägt. Deutlich wird aber auch: Eine Erwerbsarbeit als Zentrum des Lebens hat wenig Zukunft. Arbeit wird es in Zukunft nicht mehr für alle geben. Schon jetzt haben immer weniger Menschen einen festen Job, immer mehr beziehen staatliche Unterstützung. Gleichzeitig wachsen die sozialen Unterschiede. Während die einen jede Woche sechzig Stunden arbeiten, leiden andere darunter, nichts tun zu können.

 

Und wie geht es weiter? Die Ausstellung wagt einen Blick in die Zukunft: Acht Informationsstelen entwerfen verschiedene Szenarien: von der Konsumsteuer über das Bürgergeld bis hin zur »Verzehnfachung der Gehälter im sozialen Bereich«. Doch wie kaum anders zu erwarten, bleibt die Zukunftsfrage auch hier in Dresden unbeantwortet. Zu unwägbar sind politische und gesellschaftliche Entwicklungen.

 

Dem eiligen Besucher dürfte sich die Ausstellung kaum erschließen. Der Gang durch die verschiedenen Räume erfordert Zeit und die Bereitschaft, sich intensiv mit den Fragen auseinanderzusetzen. »Arbeit – Sinn und Sorge« – ist eine ästhetisch und künstlerisch beeindruckende Ausstellung, die mit Verfremdungseffekten und subtilen symbolhaften Darstellungen hohe Anforderungen an das Abstraktionsvermögen des Besuchers stellt. /


Die Ausstellung ist noch bis zum 11. April 2010 täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Deutsches Hygiene-Museum, Lingnerplatz 1, 01069 Dresden, Infotelefon 0351 4846-400, service@dhmd.de, www.dhmd.de.


Außerdem in dieser Ausgabe...

Beitrag erschienen in Ausgabe 02/2010

 

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