56 Laxantia

 Prucaloprid, Resolor® (Movetis NV)

Im Januar 2010 erhielt Prucaloprid (Resolor® 1 mg und 2 mg Filmtabletten, Movetis) von der europäischen Kommission die Zulassung zur Behandlung der chronischen Obstipation bei Frauen, die mit Laxanzien keinen ausreichenden Therapieerfolg erzielen. Die chronische Obstipation ist eine allgemeine Funktionsstörung des Gastrointestinaltraktes, unter der in Europa etwa 38 Millionen Menschen leiden. 88 Prozent der Patienten, die aus diesem Grund einen Arzt aufsuchen, sind Frauen. Die sogenannten ROM-III-Kriterien definieren die chronische Obstipation als Beschwerden, die für mindestens sechs Monate in mindestens einem Viertel der Zeit mit zwei oder mehr der folgenden Symptome auftreten: schmerzhafter, klumpiger oder harter Stuhlgang, das Gefühl der unvollständigen Entleerung, das Gefühl der analen Verstopfung oder Blockade und/oder weniger als drei Stuhlgänge pro Woche.
Laut des belgischen Herstellers Movetis ist Prucaloprid der erste Wirkstoff einer neuen Klasse hoch selektiver Serotonin(5-HT4)-Rezeptoragonisten mit starker enterokinetischer Aktivität. 5-HT4-Rezeptoren sind im gesamten Magen-Darm-Trakt vorhanden und spielen eine Schlüsselrolle bei der Modulation der Motilität des Gastrointestinaltrakts. Der neue Arzneistoff löst im Dickdarm durch die Stimulierung der 5-HT4-Rezeptoren in den Darmwandnerven einen physiologischen peristaltischen Reflex aus. Dies beschleunigt die Darmpassage, fördert die Bewegung des Darminhalts im Dickdarm und verbessert signifikant dessen Entleerung.
Die empfohlene Dosis beträgt einmal täglich 2 mg. Frauen über 65 Jahre sollten mit einer Dosis von einmal täglich 1 mg beginnen, die bei Bedarf auf einmal täglich 2 mg erhöht werden kann. Die Filmtabletten können zu einer Mahlzeit oder unabhängig davon zu jeder Tageszeit eingenommen werden. Nicht angewendet werden darf Prucaloprid bei einer Allergie gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile. Gleiches gilt für Patientinnen, die sich einer Dialyse unterziehen müssen. Darüber hinaus darf der neue 5-HT4-Rezeptoragonist nicht bei Patientinnen mit Darmperforation oder -obstruktion, schweren entzündlichen Erkrankungen des Darmtraktes wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und toxischem Megakolon und Megarektum (besonders schwere Komplikationen einer Kolitis) angewendet werden. Im Gegensatz zum 5-HT4-Rezeptoragonisten Cisaprid, der aufgrund seiner kardiovaskulären Effekte vom Markt genommen wurde, scheint Prucaloprid selektiv zu wirken und keine kardiovaskulären Effekte aufzuweisen. Dennoch sollte der neue Arzneistoff bei Patientinnen, die eine Begleitbehandlung mit QTc-Intervall-verlängernden Arzneimitteln erhalten, mit Vorsicht angewendet werden.
Die Zulassung beruht auf drei randomisierten placebokontrollierten Doppelblindstudien mit rund 1300 Patienten mit chronischer Verstopfung, 88 Prozent davon Frauen. In allen Studien betrug die Prucaloprid-Dosis einmal täglich 2 und 4 mg. Primärer Endpunkt für die Wirksamkeit war die Zahl der Patienten, bei denen über einen Zeitraum von 12 Wochen hinweg mindestens dreimal pro Woche eine vollständige Darmentleerung ohne Gabe von Laxanzien erfolgte. Beide Dosierungen waren in allen drei Studien Placebo signifikant überlegen (26,6 Prozent 2 mg Prucaloprid versus 11,3 Prozent Placebo), wobei die 4-mg-Dosis keinen Vorteil gegenüber der 2-mg-Dosis zeigte. Die häufigsten unerwünschten Wirkungen waren Kopfschmerzen und gastrointestinale Beschwerden wie Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfall.
In einem weiteren Schritt soll Prucaloprid auch für die Behandlung der chronischen Obstipation bei Männern untersucht werden sowie bei Opioid-induzierter Verstopfung.
Vorläufige Bewertung: Schrittinnovation 

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