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Vernachlässigte Krankheiten: Opfer sind die Ärmsten der Armen

TITEL

 
Vernachlässigte Krankheiten


Opfer sind die Ärmsten der Armen


Von Ulrike Wagner / Starke Schmerzen, lebenslange Behinderung, entstellte Körper und Tod: Dies sind Folgen von Krankheiten, denen kaum Beachtung geschenkt wird. Die meist uralten Seuchen plagen jedoch jeden sechsten Menschen weltweit. Mithilfe eines globalen Aktionsplans will die Weltgesundheitsorganisation die sogenannten vernachlässigten Krankheiten bekämpfen.


Laura aus Cochabamba in Bolivien erzählt ihre Geschichte in einem Videoclip der Hilfsorganisation »Ärzte ohne Grenzen«. Ihren wahren Namen will sie nicht preisgeben, und auch ihr Gesicht bleibt verborgen. Doch die 39-Jährige möchte anderen von ihrem Schicksal erzählen, um weiteres Leid zu verhindern. Vor sieben Jahren habe man ihr die Diagnose Chagas-Krankheit mitgeteilt. »Ich konnte kaum einen Häuserblock weit gehen, ohne zu ermüden.« Als sie einen Arzt aufsuchte, erfuhr sie, dass es für eine medikamentöse Behandlung zu spät war. Die einzige Methode, ihr zu helfen, sei ein Herzschrittmacher. Sie ignorierte die Diagnose und suchte Hilfe bei »Ärzte ohne Grenzen«, die jedoch nur wiederholen konnten, was der Arzt ihr gesagt hatte. Wahrscheinlich habe sie sich vor 19 Jahren infiziert, vermutet Laura.




Viele Menschen in Lateinamerika infizieren sich als Kinder mit dem Erreger der Chagas-Krankheit. Mütter können ihn während der Schwangerschaft auf ihre Kinder übertragen.

Foto: Anna Surinyach/MSF


Ihr Ehemann wollte einen Kredit aufnehmen, um den Eingriff zu bezahlen. Laura lehnte dies ab. Sie wollte keine Schulden machen und hatte Angst vor der Operation. Ihr Cousin und ihr Onkel waren beide gestorben, kurz nachdem ihnen ein Schrittmacher eingesetzt worden war – wahrscheinlich an Chagas.

 

Chagas, der unbekannte Killer

 

Wie Laura sind 10 bis 15 Millionen Menschen in Lateinamerika mit dem Parasiten Trypanosoma cruzi infiziert. Bei jedem dritten Betroffenen greifen die Parasiten Jahrzehnte nach der Infektion den Herzmuskel an. Die Patienten sterben meist innerhalb weniger Jahre an Herzversagen. Viele wissen noch nicht einmal, woran sie erkrankt sind, haben den Namen Chagas-Krankheit noch nie gehört.

 

Doch der Erreger ist schon lange bekannt: Vor genau 100 Jahren verkündete der brasilianische Arzt Dr. Carlos Chagas die Entdeckung einer neuen Tropenkrankheit. Er identifizierte den einzelligen Parasiten Trypanosoma cruzi als Erreger und Raubwanzen als Überträger. Chagas wurde für seine Entdeckungen gefeiert und ausgezeichnet. An der Situation der Betroffenen hat sich seitdem wenig geändert. 14.000 Menschen sterben in Lateinamerika jedes Jahr an der Chagas-Krankheit, mehr als an jeder anderen von Parasiten verursachten Erkrankung, Malaria eingeschlossen.

 

Für die Bevölkerung in 21 lateinamerikanischen Ländern gehen jährlich 667.000 Jahre in Gesundheit durch die Erkrankung verloren (disability adjusted life years, DALY). Nach Schätzungen wird nur ein Prozent der Infizierten behandelt. Bolivien hat die höchste Prävalenz der Chagas-Krankheit weltweit, jeder Fünfte ist mit Trypanosoma cruzi infiziert.




Gute Bedingungen für Krankheitserreger: In den Rissen der Wände und im Dach der Lehmhütten fühlen sich viele Überträger-Insekten wohl.

Foto: Anna Surinyach/MSF


Raubwanzen verschiedener Arten übertragen die Trypanosomen. Sie leben in Ritzen der Lehmwände und in den Strohdächern einfacher Häuser. Nachts saugen sie Blut und setzen dabei einen Kottropfen ab. Beim Kratzen gelangen die Parasiten aus dem Wanzenkot in die Wunde oder über die Schleimhäute von Auge und Mund in den Körper. Eine Übertragung von der Mutter auf das Kind ist während Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit möglich. Auch durch Bluttransfusionen oder kontaminierte Nahrungsmittel werden Trypanosomen verbreitet.

 

Die Infektion beginnt mit einer akuten Phase, die etwa zwei Monate andauert. In dieser Zeit lassen sich die Parasiten in großer Zahl im Blut nachweisen. Die meisten Infizierten haben keine oder sehr milde unspezifische Symptome von allgemeinem Unwohlsein bis zu Fieber. Ohne Screeningprogramme wird die Erkrankung in der Regel nicht diagnostiziert. Bleibt die Infektion unbehandelt, kommt es danach zur klinisch unauffälligen Latenzphase. Die Parasiten sind dann nicht mehr im Blut nachweisbar, sondern besiedeln innere Organe.

 

Erst zehn bis dreißig Jahre nach der Infektion geht die Erkrankung bei etwa jedem vierten Infizierten in die chronisch-symptomatische Phase über. Dabei kommt es zu schweren Organschäden vor allem am Herzen und im Gastrointestinaltrakt, seltener am Zentralnervensystem. Dass sich die Parasiten in dieser Phase in den Organen aufhalten und nicht mehr im Blut, erschwert die Diagnose. Nur mit serologischen oder neuerdings auch mit molekularbiologischen Methoden lässt sich die Infektion nachweisen. In den abgelegenen ländlichen Gebieten, in denen die Betroffenen leben, stehen diese Techniken aber meist nicht zur Verfügung.

 

Erkrankungen der Armen

 

Mit Recht hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Chagas-Krankheit in ihre Liste der vernachlässigten Tropenkrankheiten aufgenommen (Neglected Tropical Diseases, NTDs). Jeder Sechste weltweit, also mehr als eine Milliarde Menschen, leidet an einer oder mehrerer dieser Erkrankungen. Zwei Milliarden Menschen leben in tropischen oder subtropischen Risikogebieten, sehr viele gehören zu den Ärmsten der Armen. Die Krankheiten persistieren nur in den am stärksten benachteiligten Bevölkerungsgruppen. Aus reichen Ländern wurden sie längst eliminiert.

 

Bilharziose, Buruli-Ulkus, Darmwürmer, Leishmaniose, Lepra, Schlafkrankheit: Insgesamt 14 Krankheiten stehen derzeit auf der Liste der WHO, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt (siehe Tabelle). Die meisten Erkrankungen könnten ausgerottet oder Infektionen verhindert werden. Sie halten sich hartnäckig dort, wo Menschen unter einfachsten Bedingungen leben, nur verschmutztes Wasser zur Verfügung steht, keine Kanalisation existiert und Patienten keinen Zugang zu einer medizinischen Grundversorgung haben. Oft handelt es sich um sehr abgelegene ländliche Regionen, städtische Slums oder Konfliktgebiete. Die Betroffenen sind extrem arm und haben keine politische Interessenvertretung.


Tabelle: Überblick über vernachlässigte Tropenkrankheiten (WHO)

Name (Synonym) Erreger Infektion und Erkrankung Vorkommen 
Bilharziose (Schistosomiasis) Schistosomen verschiedener Arten (Pärchenegel) Infektion mit Schistosomen-Larven in kontaminiertem Wasser beim Baden oder Waschen. Erwachsene Parasiten legen Eier in den Blutgefäßen von Blase und Darm der Infizierten ab. In der akuten Phase führt dies zur Anämie. Später kann es zur Vergrößerung von Leber und/oder Milz kommen. Kinder leiden oft unter geistigen Entwicklungsstörungen und verzögertem oder gehemmtem Wachstum. Behandelbar mit Praziquantel. tropische Regionen Afrikas, Karibik, im Osten Südamerikas, Südostasien und Mittlerer Osten 
Buruli-Ulkus Mycobacterium ulcerans siehe Kasten "Geheimnisvolles Buruli-Ulkus" Afrika, Amerika, Asien und Westpazifik 
Chagas-Krankheit Trypanosoma cruzi (einzelliger Parasit) siehe Kasten "Alte toxische Medikamente" Lateinamerika 
Darmwürmer Spulwurm (Ascaris lumbricoides), Peitschenwurm (Trichuris trichuris) und Hakenwürmer (Ancylostoma duodenale, Necator americanus) Übertragung durch verunreinigten Boden. Darmwürmer verstärken Mangelernährung und führen zu Anämie, Wachstumsverzögerung und Lernschwierigkeiten. Mehr als eine Milliarde Menschen leben in Risikogebieten. Entwurmung mit Albendazol, Mebendazol, Levamisol oder Pyrantel. Am häufigsten in Afrika südlich der Sahara, Lateinamerika, China und Ostasien 
Dengue-Fieber Dengue-Virus, vier Subtypen: DEN-1, -2, -3, -4 Wird von Stechmücken übertragen. Etwa 50 Millionen Menschen erkranken jährlich. Komplikation der Virusinfektion: hämorrhagisches Fieber. Eine der Hauptursachen für Krankenhausaufenthalte und Tod von Kindern in Asien. Afrika, Amerika, östliches Mittelmeergebiet, Südostasien und Westpazifik 
Drakunkulose Dracunculus medinensis (Medinawurm) Der Erreger verursacht eine extrem schmerzhafte Beule und anschließend ein Geschwür, begleitet von Fieber, Übelkeit und Erbrechen. Die Betroffenen müssen oft mehrere Wochen das Bett hüten, meist zur Haupterntezeit. Gefährdet sind Menschen in ländlichen Gebieten ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser. Es gibt keine Medikamente zur Behandlung. Einfach zu bekämpfen durch das Filtern von Wasser. Afrika 
Fasziolose Fasciola hepatica und Fasciola gigantica (Leberegel) Infektion durch Verzehr von Wasser- oder Uferpflanzen, zum Beispiel Brunnenkresse, die mit infektiösen Stadien der Leberegel kontaminiert sind. In der akuten Phase wandern unreife Würmer durch die Leber. Schwere Krankheitssymptome mit Fieber, Schmerzen im Unterbauch und Hautausschlägen. Die chronische Phase beginnt, sobald die Würmer die Gallengänge erreichen, mit milden, unspezifischen Symptomen. Fortschreitende Entzündung und schließlich Fibrose der Gallenblase. Die Leber kann von Zirrhose betroffen sein. Es kommt zu Wachstumsstörungen. Infektion behandelbar mit Triclabendazol weltweit 
Frambösie (engl. Yaws) Treponema pertenue (Bakterium) Übertragung meist durch direkten Hautkontakt. Betroffen sind vorwiegend Kinder unter 15 Jahren. Nach der Infektion entwickelt sich eine einzige himbeerartige Papel. Unbehandelt verbreiten sich Läsionen über den gesamten Körper. Im chronischen Stadium kommt es zu Schädigungen von Knochen und Gelenken, unter anderem von Beinen, Nase und Gaumen. Eine einzige Dosis Penicillin heilt die Krankheit, die die Menschen ansonsten entstellt und behindert. Afrika, Asien und Lateinamerika 
Leishmaniose Leishmanien verschiedener Arten (einzellige Parasiten, verwandt mit Trypanosomen) Von Sandmücken (Phlebotomen) übertragen. Die Erreger befallen entweder die Haut (kutane Leishmaniose), die Schleimhäute (mukokutane Leishmaniose) oder innere Organe (viszerale Leishmaniose, Kala azar). Die mukokutane Form führt zu schweren Entstellungen im Gesicht. Bei der viszeralen Form gelangen die Erreger in Knochenmark, Milz und Lymphknoten. Im Lauf der Erkrankung schwellen Milz und Leber oft dramatisch an, bei allgemeinem Krankheitsgefühl und Gewichtsverlust. Unbehandelt führt die Krankheit zum Tod. Für die Therapie stehen neben den alten Antimonverbindungen auch neue Präparate und bessere Formulierungen alter Substanzen zur Verfügung. weltweit 
Lepra Mycobacterium leprae Die Bakterien werden durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen. Unbehandelt kommt es zu Nervenschäden, Muskelschwäche und schweren Behinderungen. Lepra lässt sich heute einfach diagnostizieren und behandeln. Die meisten betroffenen Länder haben dies in die medizinische Grund­­- versorgung integriert. Behandelt wird die Erkrankung mit einer Kombination aus Rifampicin, Clofazimin und Dapson. Die WHO stellt die Medikamente seit 1995 kostenlos zur Verfügung. Südamerika, Afrika, Asien (vor allem Nepal, Indien, Bangladesch und Myanmar) 
Lymphatische Filariose meist Wuchereria bancrofti und Brugia malayi (Filarien) Filarien werden von Stechmücken übertragen. Die Würmer leben im Lymphgefäßsystem der Infizierten und verursachen Jahrzehnte nach der Infektion schwere Entstellungen der Gliedmaßen und Genitalien, die als Elefantiasis bekannt sind. Nach Schätzungen sind 120 Millionen Menschen weltweit mit den Parasiten infiziert. 1999 startete die WHO eine erfolgreiche Kampagne zur Elimination der lymphatischen Filariose. Dabei wird die gesamte Bevölkerung in den betroffenen Gebieten gegen die Filarien behandelt, meist mit Diethylcarbamazin-Citrat (DEC) plus Albendazol, um den Parasitenzyklus zu unterbrechen. Lateinamerika, Afrika, Indien, Südasien, pazifische Inseln 
Onchozerkose (Flussblindheit) Onchocerca volvolus Wird von Kriebelmücken übertragen. Neben starken Hauterschei­nungen mit schier unerträglichem Juckreiz kann die Krankheit zur Erblindung führen. Mit Ivermectin behandelbar. fast ausschließlich Afrika 
Schlafkrankheit (afrikanische Trypanosomiasis) Trypanosoma brucei gambiense und rhodesiense Wird von Tsetse-Fliegen verbreitet. Wie bei der Chagas-Krankheit verläuft die Schlafkrankheit zuerst in einem akuten Stadium, das meist nicht diagnostiziert wird, und in einem chronischen Stadium. Unbehandelt kommt es zum Dahinsiechen mit extremer Schläfrigkeit bis zu Koma und Tod. Etwa 50 000 Menschen sterben jedes Jahr daran. Für die Behandlung stehen wenige, toxische Medikamente zur Verfügung, die oft kompliziert anzuwenden sind. Afrika südlich der Sahara 
Trachom Chlamydia trachomatis Infektion des Auges, die von Mensch zu Mensch oder von Fliegen übertragen wird. Meist beginnt die Erkrankung in der Kindheit und kann chronifizieren. Unbehandelt verursacht sie Narben auf der Hornhaut und führt schließlich zur Erblindung. 84 Millionen Menschen sind vom Trachom betroffen, 8 Millionen leiden unter Sehstörungen oder sind erblindet. Behandelbar mit Azithromycin. arme Gebiete in Afrika, Asien, Lateinamerika, Australien und im Mittleren Osten 

Die Verbreitungsgebiete der Krankheiten überlappen häufig, dadurch werden einzelne Menschen oft von mehr als einer Krankheit geplagt. Ohne Ausnahme sind alle Niedriglohnländer von mehr als fünf vernachlässigten Krankheiten betroffen. NTDs gelten heute als Symptom für Armut und Benachteiligung.




Verbreitung vernachlässigter Tropenkrankheiten

Quelle: WHO



Die Krankheiten entstellen die Menschen häufig schwer, verursachen starke Schmerzen und lebenslange Behinderung. Erkrankungen wie Lepra, lymphatische Filariose und Leishmaniose sind gefürchtet, denn sie bringen soziale Stigmatisierung und Vorurteile mit sich. Erste Anzeichen einer Infektion werden daher versteckt – oft bis jede Hilfe zu spät kommt. Die Menschen müssen dann ihr Leben mit stark vergrößerten Gliedmaßen durch Elefantiasis oder mit zerstörten Gesichtern durch die mukokutane Leishmaniose fristen. Kindern werden Gliedmaßen wegen eines Buruli-Ulkus amputiert. Überhaupt sind Frauen und Kinder am stärksten von vernachlässigten Krankheiten betroffen. Frauen werden zudem stärker stigmatisiert und diskriminiert, sobald sich Zeichen einer entstellenden Tropenkrankheit zeigen.

 

Keine Bedrohung für Reiche

 

Reiche Länder müssen sich wenig Sorgen machen. Da NTDs nicht rasch weiterverbreitet werden, kommt es nicht zu spektakulären Ausbrüchen in Industrienationen. Das Interesse an diesen Erkrankungen ist entsprechend gering, sie bedrohen die Wirtschaftskraft reicher Länder nicht. In einer Studie zur Repräsentation vernachlässigter Krankheiten in den Medien fanden die Autoren mehr Beiträge zur Leishmaniose bei Haustieren als bei Menschen. Die geringste Beachtung fand laut dieser Studie die Chagas-Krankheit.

 

Die Tropenkrankheiten entstellen nicht nur, sondern sorgen auch dafür, dass die Menschen in den betroffenen Gebieten arm bleiben. Kinder, die an Bilharziose oder Drakunkulose leiden, besuchen zum Beispiel seltener die Schule als ihre Altersgenossen. Die Schlafkrankheit kann zur geistigen Behinderung führen, selbst wenn die Kinder davon geheilt werden.

 

Dabei lassen sich einige NTDs einfach und billig nachweisen. Andere wie die Chagas-Krankheit müssen von gut ausgebildetem Personal diagnostiziert werden, oft in einem Krankenhaus.

 

Bei den Medikamenten zeigt sich ein ähnliches Bild. Für einige der vernachlässigten Krankheiten stehen sichere und billige Medikamente längst zur Verfügung oder werden sogar kostenlos verteilt. Manchmal können sie von geschultem, nicht medizinisch ausgebildetem Personal, zum Beispiel von Lehrern, verabreicht werden. Jährliche Entwurmungsprogramme beugen mehreren Tropenkrankheiten zugleich vor und unterbrechen die Übertragungskette der Erreger. Dazu zählen zum Beispiel die lymphatische Filariose, Onchozerkose, Bilharziose und Darmwürmer. Dies kostet jährlich gerade einmal 50 US-Cent pro Person, entweder aufgrund von Medikamentenspenden der Pharmaindustrie oder durch besonders günstige Preise der Präparate für die WHO. Mit diesen kostengünstigen Entwurmungsprogrammen erreicht die WHO derzeit aber nur acht Prozent der Menschen, die von Bilharziose-Erregern und anderen Darmwürmern bedroht sind.

 

Gegen andere Krankheiten wie die Chagas-Krankheit gibt es nur alte, toxische oder teure Arzneistoffe (siehe Kasten). Neue Medikamente werden nicht entwickelt, da es dafür keinen Markt gibt. Selbst Präparate, die nur wenige Cent pro Dosis kosten, sind unerschwinglich für Menschen, die von weniger als einem US-Dollar pro Tag leben müssen.


Alte toxische Medikamente

Für die Behandlung der Chagas-Krankheit stehen nur zwei Medikamente zur Verfügung, die vor 35 Jahren auf den Markt kamen: Nifurtimox (Lampit, Bayer) und Benznidazol (Lafepe-Benznidazol, Laboratorio Farmacêutico do Estado Pernambuco). Beide müssen 30 bis 60 Tage lang eingenommen werden.

 

Bei Nifurtimox handelt es sich um ein 5-Nitrofuran. Der Wirkmechanismus der Substanz basiert auf Bildung eines Stickstoffanionen-Radikals, das in Anwesenheit von Sauerstoff zur Bildung reaktiver Zwischenprodukte führt. Trypanosoma cruzi ist den freien Radikalen relativ hilflos ausgeliefert, da der Parasit nur über wenige Entgiftungsmechanismen verfügt.

 

Der Wirkmechanismus von Benznidazol, einem 2-Nitroimidazol, ist nicht vollständig geklärt. Auch hier spielt die Bildung freier Radikale eine Rolle; der Wirkstoff tötet Parasiten jedoch bei geringeren Dosen als nötig sind, um Nitroanionen-Radikale freizusetzen. Daher vermuten Wissenschaftler, dass die Bildung einer kovalenten Bindung eine Rolle spielen könnte. Als Zielmoleküle kommen die DNA, Lipide oder Proteine des Parasiten in Frage.

 

In der akuten Phase der Infektion liegt die Heilungsrate bei fast 100 Prozent. Aber nur ein verschwindend kleiner Teil der Patienten wird so früh behandelt. Insgesamt gilt: je jünger der Patient, desto besser die Heilungschancen. Sie liegen bei Neugeborenen und Kleinkindern bei fast 100 Prozent. Bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen erreichen die Ärzte Heilungsraten von 60 bis 70 Prozent, mit regionalen Schwankungen abhängig vom kursierenden Parasiten-Subtyp. Diese recht bescheidenen Ergebnisse haben ihren Preis. Die Patienten leiden oft unter mehreren Nebenwirkungen der Medikamente. Dazu zählen vor allem psychiatrische und neuronale Störungen wie Krampfanfälle bei Einsatz von Nifurtimox. Daher müssen sich die Patienten während der Behandlung wöchentlich untersuchen lassen. Und dies alles, obwohl sie zu dieser Zeit keinerlei Symptome der Infektion verspüren.

 

Nachweisen lässt sich die Heilung durch das Verschwinden von Antikörpern gegen die Parasiten aus dem Blut – ein Prozess, der Jahre dauern kann. Eine pädiatrische Formulierung steht nicht zur Verfügung; die Tabletten müssen für Kinder in bis zu zwölf Teile zerkleinert und aufgelöst werden.

 

Kein einziges neues Medikament ist in klinischer Prüfung. In den nächsten drei bis vier Jahren kommt mit Sicherheit keines auf den Markt.


Nach Angaben von »Ärzte ohne Grenzen« kamen innerhalb von 30 Jahren (1974 bis 2004) 1556 neue Medikamente auf den Markt – nur zehn davon für NTDs. Nach Angaben der WHO gingen weniger als 0,001 Prozent der von 1975 bis 1999 investierten 60 bis 70 Milliarden US-Dollar in die Entwicklung neuer Medikamente für Tropenkrankheiten.

 

Globale Initiative

 

Die WHO hat sich seit 2008 die Bekämpfung der vernachlässigten Tropenkrankheiten auf die Fahnen geschrieben und einen weltweiten Plan bis zum Jahr 2015 erarbeitet. Danach will die WHO die Last der Erkrankungen erleichtern, für die es bereits billige oder gar kostenlose Maßnahmen zu Prävention und Kontrolle gibt. Dazu zählen zum Beispiel die Bilharziose, Onchozerkose, Frambösie und Darmwürmer. Drakunkulose soll bis 2015 ausgerottet, Lepra und lymphatische Filariose sollen bis dahin eliminiert werden (das bedeutet weniger als eine Erkrankung pro 10.000 Menschen). Für Erkrankungen, für die es noch keine kostengünstige Diagnostik und Medikamente gibt, sollen diese entwickelt werden. Dazu gehören unter anderem Chagas-Krankheit, Dengue-Fieber, Schlafkrankheit, Leishmaniose und Buruli-Ulkus.




Wasserlauf mit Risiko: Hier droht eine Infektion mit Pärchenegeln, die eine Bilharziose auslösen können.

Foto: CDC


Diese Ziele scheinen hoch gesteckt. Aber die WHO verweist auf Erfolge, die bereits im Kampf gegen einige Erkrankungen erzielt wurden. So hat Brasilien bei der Bekämpfung der Chagas-Krankheit beeindruckende Fortschritte erzielt. Bereits 1983 hatte man dort begonnen, regelmäßig Insektizide gegen die Überträger der Krankheit zu sprühen. 2006 ist es gelungen, die Übertragung der Krankheit durch Triatoma infestans zu unterbrechen. Die Raubwanzen-Art gilt als der wichtigste Überträger der Trypanosomen in der Region.

 

Sri Lanka hat Lepra durch soziales Marketing unter Kontrolle gebracht. Um nicht ausgegrenzt zu werden, versteckten die Patienten oft ihre Symptome, trotz kostenloser und wirksamer Therapie. Die Erkrankung wurde erst entdeckt, wenn irreversible Behinderungen auftraten. 1990 startete das Gesundheitsministerium eine Werbekampagne, um das Image von Lepra zu verändern. Diese wurde als eine behandelbare Krankheit unter vielen dargestellt, mit außerordentlichem Erfolg. Das Stigma der Erkrankung verschwand fast vollständig. 20.000 Patienten wurden seitdem entdeckt und behandelt, 150 Prozent mehr als in den Jahren zuvor. Im Jahr vor der Kampagne suchten 9 Prozent der Erkrankten aktiv Hilfe aufgrund ihrer Symptome. Ein Jahr später waren es 50 Prozent, und die Rate blieb in den Folgejahren hoch. Seit 1996 gilt Lepra in Sri Lanka als eliminiert.

 

Aber nicht nur der Inselstaat kann im Kampf gegen Lepra auf Erfolge zurückblicken. Nach Angaben der WHO sank in weiteren 115 von 122 Ländern die Prävalenz innerhalb der letzten 20 Jahre auf unter eine Infektion pro 10.000 Einwohner.

 

Bürgerkrieg zerstört Erfolge

 

Zehn westafrikanischen Ländern ist es gelungen, die Flussblindheit (Onchozerkose) zu eliminieren. Bis 2010 sollen insgesamt 50 Millionen Menschen mit Ivermectin (Mectizan®) behandelt werden. Das Medikament wirkt gegen die Erreger, Fadenwürmer der Art Onchocerca volvolus. Es wurde der WHO von Merck & Co. kostenlos zur Verfügung gestellt. Dadurch ist es auch möglich, 25 Millionen Hektar fruchtbares Land entlang der Flüsse wieder zu besiedeln. Das Gebiet war mit Kriebelmücken verseucht, den Überträgern der Würmer. Aus Angst vor dem Erblinden flohen die Menschen aus den Flusstälern und ließen sich in weniger fruchtbaren Gebieten nieder.

 

Die Bekämpfung der Überträger gilt in vielen betroffenen Gebieten als zu teuer oder zu schwierig. Die Ausrottung der Kriebelmücken erschien nur für vier Regionen in Uganda, Tansania und Äquatorial-Guinea realistisch. Dort wurden die Larven der Mücken mehrere Jahre lang wöchentlich mit Pestiziden bekämpft, die entlang der Flussläufe versprüht wurden. Diese Gebiete werden derzeit überwacht, um die Ausrottung der Kriebelmücken zu bestätigen.

 

Dass man sich auf diesen Erfolgen nicht ausruhen kann, zeigt das Wiederaufflammen der Schlafkrankheit. 1960 bis 1965 galt die afrikanische Form der Trypanosomen-Erkrankung als unter Kontrolle. Mobile Teams screenten in Afrika systematisch Millionen von Menschen in Risikogebieten. Außerdem wurden Tsetse-Fliegen, die Überträger der Krankheit, wirksam bekämpft. Aber in den 1980er-Jahren trat die Erkrankung vermehrt wieder auf; 1995 waren 300.000 Menschen infiziert. Konflikte trugen dazu bei. So kollabierten in Angola die Kontrollprogramme wegen des seit 40 Jahren anhaltenden Bürgerkriegs. Die Erkrankungsrate stieg exponenziell an. In einigen Provinzen sind bis zu 50 Prozent der Bevölkerung betroffen; die Sterberaten sind höher als bei HIV/Aids.

 

Insgesamt ist die Schlafkrankheit heute wieder auf einem langsamen Rückzug, aber nach Angaben der WHO habe man eine wichtige Lektion gelernt: Ohne Überwachung und Monitoring gehen mühsam erkämpfte Siege schnell verloren.

 

Diese Befürchtung besteht auch bei der Bekämpfung der Chagas-Krankheit. Zwar haben neben Brasilien noch vier weitere südamerikanische Länder die Übertragung der Trypanosomen unter Kontrolle gebracht. Aber Chagas gilt als eine der Tropenkrankheiten, bei der die größten Wissenslücken bestehen. So ist das tierische Reservoir der Trypanosomen kaum bekannt. Wahrscheinlich spielen Hunde eine Rolle. Verschiedene Arten der Überträgerwanzen verschwinden und tauchen wieder auf, ohne dass dies je umfassend erforscht worden wäre.

 

Es gibt Befürchtungen, dass andere Wanzenarten die ökologische Nische von Triatoma infestans übernehmen könnten. Welche Rolle Moskitonetze bei der Prävention spielen, ist ebenfalls unklar. Den bereits infizierten Menschen hilft die Vektorkontrolle nicht. So kritisiert »Ärzte ohne Grenzen«, dass sich die Regierungen bislang mehr auf Prävention und Vektorkontrolle konzentriert haben, während ein Großteil der Patienten unbehandelt dem Risiko ausgesetzt bleibt, die chronische Form der Erkrankung zu entwickeln.

 

Die Therapie der Trypanosoma-cruzi-Infektion wird in den meisten Ländern nicht in den dort üblichen Gesundheitszentren angeboten. Die meisten Ärzte verordnen Nifurtimox und Benznidazol wegen der mit zunehmendem Alter oft schweren Nebenwirkungen bereits bei älteren Kindern ungern, bei Jugendlichen und Erwachsenen häufig gar nicht. Außerdem glaubten die Ärzte bis vor wenigen Jahren, dass die Behandlung nur bei sehr jungen Kindern wirksam sei. Neue Studien zeigen jedoch, dass es möglich ist, Erwachsene erfolgreich zu behandeln. Und dies sogar, wenn im frühen Stadium der chronischen Phase die Parasiten bereits die inneren Organe angegriffen haben.


Geheimnisvolles Buruli-Ulkus

Beim Buruli-Ulkus handelt es sich wohl um die mysteriöseste der vernachlässigten Tropenkrankheiten. In den 1960er-Jahren wurde die Erkrankung in Uganda im Distrikt Buruli (heute Nakasongola) beobachtet und erhielt so ihren Namen. Aus unerklärlichen Gründen verschwand sie dort wieder. Ursache ist Mycobacterium ulcerans, das zur gleichen Gruppe gehört wie die Erreger der Lepra und der Tuberkulose. Die Übertragungswege sind völlig unklar, die Epidemiologie kaum erforscht.

 

Seit 1980 ist die Erkrankung in dramatischen Zahlen in verschiedenen Teilen der Welt aufgetreten, vor allem in Westafrika. Gemeldet wurden Ausbrüche aus 30 Ländern in Afrika, Amerika, Asien und im Westpazifik. Auch in Australien, wo die Krankheit in den 1940er-Jahren als »Bairnsdale Ulcer« beschrieben wurde, kommt sie wieder vermehrt vor.

 

Ein Buruli-Ulkus kann sich klinisch ganz unterschiedlich präsentieren. Selbst Ärzten ist die Erkrankung oft nicht bekannt. Außerdem sind die Endemie­gebiete häufig extrem abgelegen. Die Erkrankung beginnt oft mit einem schmerzlosen beweglichen Knoten. In diesem Stadium wirken oft Medikamente, die ansonsten gegen Tuberkulose eingesetzt werden. Die meisten Patienten suchen jedoch erst Hilfe, wenn die Krankheit weiter fortgeschritten ist. Sie leiden dann unter irreversiblen Verunstaltungen und oft lebensbedrohlichen Sekundärinfektionen. Manchmal müssen Gliedmaßen amputiert oder ein Auge entfernt werden. Daher ist die frühe Diagnose lebenswichtig. 1998 hat die WHO eine weltweite Buruli-Ulkus-Initiative ins Leben gerufen, um bessere Diagnose- und Behandlungsmethoden zu entwickeln.


Die Hilfsorganisation »Ärzte ohne Grenzen« hat seit 1999 sechs Chagas-Diagnostik- und Behandlungsprogramme in Honduras, Nicaragua, Bolivien und Guatemala ins Leben gerufen. Bis 2008 wurden 60.000 Menschen auf eine Infektion mit Trypanosoma cruzi gestestet. 3100 infizierte Patienten wurden behandelt, 2800 beendeten die Therapie erfolgreich. Während sich die Programme zunächst auf Kinder konzentrierten, wurde die Altersgrenze mit der Zeit immer weiter nach oben verschoben.

 

Derzeit laufen zwei Programme in der Nähe von Cochabamba, in denen Kinder und Erwachsene bis 50 Jahre behandelt werden. Auch wenn es bei der Behandlung der Erwachsenen oft zu Nebenwirkungen kommt, so waren diese unter medizinischer Betreuung kontrollierbar. Trotzdem wird deutlich, dass bessere nebenwirkungsärmere Medikamente dringend nötig sind. Zudem lässt sich das Verschwinden der Parasiten aus den inneren Organen derzeit nicht zeitnah nachweisen. Dies macht klinische Studien extrem aufwendig und für die Pharmaindustrie uninteressant.

 

Forschen in Partnerschaft

 

Um trotzdem Medikamente gegen vernachlässigte Krankheiten zu entwickeln, haben sieben Organisationen 2003 die »Drugs for Neglected Diseases Initiative« (DNDi) gegründet. Dabei handelt es sich um eine gemeinnützige Produktentwicklungspartnerschaft (Product Development Partnership, PDP). Zu den Gründern gehören das französische Pasteur-Institut, lokale Forschungsinstitute in betroffenen Ländern, die WHO und »Ärzte ohne Grenzen«.

 

Im Juli 2009 startete DNDi eine Initiative, um Regierungen, Wissenschaftler, Privatleute und die Gesellschaft aufzurufen, Forschung und Entwicklung für Diagnostik und Behandlung der Chagas-Krankheit zu unterstützen. Denn von den 2,5 Milliarden US-Dollar, die 2007 in NTDs investiert wurden, gingen verschwindende 0,25 Prozent (10 Millionen US-Dollar) an die Chagas-Forschung.

 

Die DNDi ist nicht die einzige Produktentwicklungspartnerschaft. Die internationalen Organisationen vermitteln öffentliche und private Gelder an Projekte, die vernachlässigte Krankheiten, Malaria und Tuberkulose erforschen. So entwickelt die »TB Alliance« neue Medikamente zur Behandlung von Tuberkulose, die »Foundation For Innovative New Diagnostics« (FIND) widmet sich Diagnostika für Tuberkulose, Malaria und Schlafkrankheit.

 

Armutszeugnis für Deutschland

 

Die deutsche Regierung hält sich bei der Unterstützung solcher Projekte sehr zurück, und wird im internationalen Wissenschaftsjournal Science sogar als knausrig gerügt. Der Grund: Deutschland bringt bei weitem nicht die Mittel im Kampf gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten auf, die seiner Wirtschaftskraft angemessen wären. Zu internationalen PDPs trägt Deutschland peinliche null Euro bei, meldet »Ärzte ohne Grenzen«. Die restlichen EU-Mitgliedsländer brachten 2007 immerhin 27,3 Millionen Euro auf.

 

Um erstmals herauszufinden, wer wie viel Geld in die Bekämpfung von Krankheiten in Entwicklungsländern investiert, beauftragte die Bill and Melinda Gates Foundation das australische George Institute for International Health mit einer Studie. In fünf aufeinanderfolgenden Jahren sollen die Wissenschaftler Daten zu weltweiten Investitionen in Forschung und Entwicklung pharmazeutischer Produkte sammeln, die Krankheiten in Entwicklungsländern verhindern, behandeln oder heilen. 2009 veröffentlichte das Institut die Ergebnisse aus dem Jahr 2007 im ersten G-Finder-Report (Global Funding of Innovation for Neglected Diseases). Danach wurden insgesamt 2,5 Milliarden US-Dollar investiert. Pro Kopf gerechnet, gibt Irland unter den Regierungen am meisten, direkt gefolgt von den USA, Schweden, den Niederlanden und Großbritannien (siehe Grafik). Deutschland taucht in der Liste der Top-12-Geber-Länder nicht auf, sogar Russland und Brasilien spenden mehr. Lediglich über die Ausgaben der EU-Kommission beteiligt sich Deutschland an der Bekämpfung vernachlässigter Krankheiten. Hier fließen jedoch auch Gelder der wesentlich spendableren Länder wie Irland, Schweden, Niederlande, Belgien und Frankreich ein.




Pro-Kopf-Ausgaben von Regierungen bei der Erforschung vernachlässigter Krankheiten.

Quelle: Science



Der größte Teil, fast 80 Prozent der Gesamtsumme, ging in die Erforschung von HIV/Aids (nur entwicklungsländerspezifische Projekte wurden hier aufgenommen), Malaria und Tuberkulose. Die am stärksten vernachlässigten Krankheiten kamen auch hier wieder zu kurz. So wurden für die Erforschung der Chagas-Krankheit insgesamt zehn Millionen US-Dollar aufgebracht; sechs Millionen davon gingen in die Grundlagenforschung. Nur 972.000 Dollar wurden für die Entwicklung neuer Medikamente eingesetzt, und etwa der gleiche Betrag für neue Diagnostik-Methoden.

 

Das reicht nicht aus, um Schicksale wie das von Laura in Zukunft zu verhindern. Davon sind auch die »Ärzte ohne Grenzen« überzeugt. Mit der Aktion »Chagas: Time to break the silence« will die Organisation weltweit die Aufmerksamkeit auf die Chagas-Krankheit und die Betroffenen richten, die bislang in Stille starben. /

 

Literatur

...bei der Verfasserin


Die Autorin

Ulrike Wagner studierte Biologie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Nach ihrer Diplomarbeit über das Maul- und Klauenseuchevirus widmete sie sich in ihrer Doktorarbeit der lymphatischen Filariose. Nach einem Volontariat bei der Pharmazeutischen Zeitung arbeitete sie als Redakteurin bei der PZ. Seit 2005 lebt sie in Sydney, Australien, und arbeitet als freie Wissenschaftsjournalistin.

 

Dr. Ulrike Wagner

10 Bertram Street

Mortlake NSW 2137

ulrike.wagner@gmx.de


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