Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

Interview: »Wir haben Probleme mit den Margen«

WIRTSCHAFT UND HANDEL

 
Interview

»Wir haben Probleme mit den Margen«

Von Sebastian Becker, Warschau

 

Der polnische Pharma-Markt gehört zu den sechs größten in Europa. Welche Probleme die Apotheken dort haben, erläutert der Präsident des Warschauer Marktforschungsinstituts PharmaExpert, Piotr Kula, im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung.

ANZEIGE

 

PZ: Herr Präsident, wie sieht denn eigentlich die Struktur des Pharma-Marktes in Polen aus?

Kula: Polen gehört hinsichtlich der Anzahl der Konsumenten zu den größten sechs Pharma-Märkten in Europa. Die fünf größten Pharma-Ketten kontrollieren rund 75 Prozent aller Umsätze der Branche. Im laufenden Jahr erwarten wir, dass der Wert des Marktes sich zwischen sechs und sieben Prozent auf 25,6 Milliarden Zloty (5,9 Milliarden Euro) erhöht. Zu den führenden Großketten gehört die börsennotierte Gesellschaft PGF, die jährliche Erlöse von vier Milliarden Zloty (930 Millionen Euro) generiert. In Polen gibt es 13?600 Apotheken. Das Jahr 2009 ist das erste Jahr, in dem wir einen Rückgang der Zahl der Apotheken verzeichnen.

 

PZ: Der Wert des Gesamtmarktes steigt, die Zahl der Apotheken verringert sich. Wie geht das?

Kula: Gesundheit ist halt einer der grundlegenden Werte des Menschen. Daran spart man zu allerletzt. Und die Krankheit kann man sich nicht aussuchen. Deshalb kaufen die Patienten weiter Medikamente, unabhängig von Wirtschaftskrisen. Andererseits verschlechtert sich die finanzielle Situation einzelner Apotheken. Wir schätzen, dass rund 30 Prozent der Apotheken verschuldet sind. Viele kleinere Apotheken haben ihr Geschäft auf Kredit begründet. Das ist zu Krisenzeiten eine große Belastung und Bedrohung. Doch es gibt noch ein anderes Problem. 

 

PZ: Welches?

Kula: Wir haben Probleme mit den Margen für die Arzneien, die von den Kassen mitfinanziert werden. Dieses Segment ist für die Umsätze der Apotheken sehr wichtig. Wir gehen davon aus, dass es im Jahr 2009 im Vergleich zum Vorjahr um rund sechs Prozent auf 11,9 Milliarden Zloty (2,76 Milliarden Euro) wächst. Das ist fast die Hälfte des Gesamtverkaufs. 

 

PZ: Wo liegt genau das Problem?

Kula: Leider geht aus unseren Analysen hervor, dass fast 60 Prozent des Mengenverkaufs dieser kostengünstigsten Medikamente nur 20 Prozent des Verkaufswertes generieren. Und das ist die Grundlage, um die Marge zu errechnen. Das Prinzip ist folgendes: Je kostengünstiger die Arznei, desto höher ist die Marge. Und daran sollten die Apotheken eigentlich verdienen. Doch im Zusammenhang mit dem niedrigen Wert, der mit dem Verkauf generiert wird, ist die Marge in der einheimischen Währung Zloty nicht ausreichend, um alle Kosten abzudecken. Die Apotheken versuchen sich dadurch zu retten, dass sie einen Teil der Rabattsumme konsumieren, die sie mit den Großhändlern und Produzenten ausgehandelt haben. Eine Einführung von festen Preisen ohne die Möglichkeit, Rabatte zu erteilen, könnte die Situation ändern. 

 

PZ: Wann wird es eine grundlegende Änderung geben?

Kula: Derzeit gibt es noch keinen konkreten Vorschlag. Und es werden nur die Richtungen diskutiert. Wahrscheinlich wird die Entscheidung darüber noch im vierten Quartal fallen. Doch das Ergebnis dieses Prozesses ist offen. Wenn man das System für die bezuschussten Arzneien ändern will, dann weckt das immer die Interessen unterschiedlicher Gruppen aus dieser Branche – das heißt, der Produzenten, der Großhändler, der Apotheker und Beitragszahler – genauso wie in Deutschland und anderen Ländern auch. Gerade wir in Polen müssen an die Patienten denken, weil der Beitragsanteil der Patienten an den Medikamenten auf dem höchsten Niveau innerhalb der EU ist.


Weitere Themen im Ressort Wirtschaft und Handel...

Beitrag erschienen in Ausgabe 43/2009

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 


PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 











DIREKT ZU