Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

Gute Absichten

EDITORIAL

 
Gute Absichten

Arzneimittel im Drogeriemarkt, in der Tankstelle oder im Blumengeschäft: Diese absurden Auswüchse des Versandhandels wird es nach Vorstellung der Koalitionäre aus Union und FDP schon bald nicht mehr geben. Denn Pick-up-Stellen sollen verboten werden, darauf haben sich die Verhandlungspartner geeinigt (siehe dazu Koalitionsverhandlungen: Pick-up-Verbot soll kommen). Für die deutschen Apotheker ist das ein erfreulicher Beschluss. Jahrelang haben sie auf die unverantwortliche Trennung von Arzneimittelabgabe und Beratung hinweisen müssen. Ganz besonders wäre das Verbot daher ein Sieg für die Patientensicherheit. Denn allzu leicht geht über die Abholstellen das Bewusstsein für die besondere und zugleich gefährliche Ware Arzneimittel verloren. Fehlende pharmazeutische Beratung ist dabei nur ein Problem unter vielen. Die Abgabe von Medikamenten zwischen Schokoladenriegel und WC-Stein treibt eine gesellschaftlich riskante Trivialisierung von Arzneimitteln offen voran.

 

Neben aller Freude über den Beschluss kommt es nun wesentlich auf die Ausgestaltung und Umsetzung des Pick-up-Verbots an. Einem generellen Verbot könnten rechtliche Bedenken entgegenstehen. So hatte das Bundesverwaltungsgericht im März 2008 geurteilt, die Auslieferung bestellter Ware durch Übergabe an den Kunden an einer Abholstation sei inzwischen eine verbreitete Praxis und gehöre daher untrennbar dem Begriff des Versandhandels an. Ein juristisch praktikabler Gesetzentwurf, der in Bezug auf seine Folgen zu Ende gedacht ist, muss also her – keine leichte Aufgabe für die neue Koalition. Hüten sollten sich die Partner jedoch davor, anstelle eines Verbots nur bestimmte Anforderungen und Kriterien für die Arzneimittelabgabe in Gewerbebetrieben auszusprechen. Denn damit würden etwa Drogerien zu einem Teil der Regelversorgung stilisiert, eine »Apotheke Light« wäre schon bald in greifbarer Nähe.

 

Es bleibt daher abzuwarten, in welcher Form die Einigung auf ein Pick-up-Verbot letztendlich in die Praxis umgesetzt wird. Auch weitere Beschlüsse im Abschlusspapier der Arbeitsgruppe Gesundheit werden die Apotheker erfreuen. So bekennen sich Union und FDP zum Fremd- und Mehrbesitzverbot, ebenso wurde man sich über einen Abbau der Überregulierung im Arzneimittelmarkt einig. Natürlich hat die Arbeitsgruppe bislang nur recht vage Zielvorgaben formuliert, die nun in der großen Runde der Parteispitzenvertreter beraten werden sollen. Die Beschlüsse geben jedoch bereits zu erkennen, dass die Politiker ihren Versprechungen im Wahlkampf nun wirklich Taten folgen lassen wollen. Nach Jahren der Verunsicherung durch die Politik von Ulla Schmidt scheint die deutsche Gesundheitspolitik nun wieder kalkulierbarer zu werden.

 

Stephanie Schersch

Redaktion PZ


Außerdem in dieser Ausgabe...

Beitrag erschienen in Ausgabe 43/2009

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 











DIREKT ZU