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Polen: Apotheker kämpfen gegen die Ketten

WIRTSCHAFT UND HANDEL

 
Polen

Apotheker kämpfen gegen die Ketten

Von Sebastian Becker, Warschau

 

Vertreter der inhabergeführten Apotheken in Polen fordern mehr staatliche Eingriffe in den Markt, um  gegen die Übermacht der Großketten bestehen zu können. In diesem Jahr schließen erstmals mehr Apotheken als neue entstehen.

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Der Pharma-Markt in Polen konsolidiert sich. Und die finanzielle Situation einzelner Apotheken verschlechtert sich – der zunehmenden Größe des Gesamtmarktes zum Trotz. »Es werden im laufenden Jahr mehr Apotheken geschlossen, als dass neue eröffnet werden«, sagt Michal Pietrzyrowski.

 

Ruf nach mehr Regulierung

 

Der Vorsitzende des Kreisrates für Apotheken aus Gdansk (Danzig) vertritt die kleineren, inhabergeführten Apotheken. Er fordert eine stärkere Regulierung des Marktes, um die Qualität der Gesundheitsversorgung zu gewährleisten und um die Selbstständigen zu schützen.

 

Wer die Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten verfolgt hat, weiß, wie bedeutsam dieser jüngste Trend ist. Denn bisher schossen Apotheken wie die Pilze aus dem Boden. Ihre Zahl hatte sich in ganz Polen verfünffacht. Gesundheit ist eben ein Gut, das besonders wichtig ist.

 

Beim wirtschaftlich aufstrebenden östlichen Nachbarn Deutschlands verfügen die Patienten über immer höhere Einkommen, um Arzneimittel und Gesundheitsdienstleistungen zu finanzieren. Ähnlich wie in Deutschland auch, dominieren wirtschaftliche und politische Interessen den Markt. Doch eins ist anders: Hier gibt es Großketten, gegen die sich die inhabergeführten Apotheken wehren müssen (siehe dazu PZ 42/2009, Seite 13). Und die Großen sind auf dem Vormarsch. Sie fusionieren, während der Gesamtmarkt wächst (siehe dazu Interview: »Wir haben Probleme mit den Margen«).

 

Der Danziger Apotheker Pietrzyrowski verlangt deswegen verstärkte Regularien – insbesondere, wenn es um die Ansiedlung der Apotheken geht. »In Frankreich, Spanien, Österreich oder Italien finden solche Vorschriften bereits Anwendung, die die Niederlassung der Apotheken regeln«, sagt der Fachmann mit Blick auf die westlichen Nachbarn.

 

Das Problem: Derzeit gibt es in manchen Regionen und Städten einfach zu viele Apotheken. Die Ketten haben die Möglichkeit, Arzneimittel billiger anzubieten als die Konkurrenz. Das führt nicht selten zu Schlangen vor einer Filiale, während die Apotheke auf der Straßenseite gegenüber völlig leer ist. Kleinere und finanzschwache Apotheken können deswegen oft kaum rentabel wirtschaften. Viele haben sich verschuldet. Inoffizielle Schätzungen gehen von vier Milliarden Zloty (950 Millionen Euro) an Verbindlichkeiten aus, die die Unternehmen belasten. Pietrzyrowski geht deswegen in die Offensive und fordert die Politik heraus. »Feste Preise sind notwendig.« Ansonsten sei es nur schwer, mit den Ketten zu konkurrieren.

 

Wie groß das Ungleichgewicht ist, lässt sich schon sehen, wenn man die Einzelapotheken mit PGF vergleicht – einer der größten Pharmaketten in Polen. Dieser Konzern ist an der Warschauer Börse aktiennotiert und erwirtschaftet pro Jahr mehrere Milliarden Zloty (mindestens eine Milliarde Euro) an Erlösen. Zum Vergleich: Eine polnische Apotheke setzt im Durchschnitt in Polen jährlich 1,8 Millionen Zloty (420.000 Euro) um.

 

Pietrzyrowski nennt noch einen weiteren Grund, warum der Markt verstärkt reguliert werden sollte. Der liege im Charakter dieses Geschäfts. »Es stellt sich die Frage, was eine Apotheke in erster Linie ist – ein Geschäft wie jedes andere oder eine Einrichtung, in der gesundheitliche Vorsorge betrieben wird«, sagt der Apotheker. Da sei eine Apotheke natürlich kein normales Geschäft.

 

Weniger qualifiziertes Personal

 

Das Problem: Aufgrund der angespannten finanziellen Situation sparen die Apotheken auch am ausgebildeten Personal. »Anfang der Neunziger Jahre hatten wir noch im Durchschnitt zwei ausgebildete Apotheker in einer Offizin«, so Pietrzyrowski. Nun seien es nur noch 1,3 – so die schräge Statistik. Letztlich muss dann der Patient die Zeche dafür zahlen, dass dem Markt die Regulierung fehlt. Und die kleinen Apotheken den Bach runtergehen. Denn der Kranke erhält immer weniger fachkundige Beratung.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 43/2009

 

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