Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

Pflanzliche Dreierkombination: Wirksame Alternative zu Benzos

PHARMAZIE

 
Pflanzliche Dreierkombination

Wirksame Alternative zu Benzos

Von Gudrun Heyn, Berlin

 

Eine Anwendungsbeobachtung prüfte den Einsatz einer pflanzlichen Dreierkombination aus Baldrianwurzel, Hopfenzapfen und Passionsblumenkraut während und nach einer Benzodiazepin-Entzugsphase. Vor allem die Symptome Schlafqualität und Tagesbefindlichkeit besserten sich deutlich.

ANZEIGE

 

Benzodiazepine werden seit Jahrzehnten erfolgreich bei Patienten mit Schlafstörungen sowie Spannungs-, Erregungs- und Angstzuständen eingesetzt. Sie können jedoch starke Nebenwirkungen hervorrufen und zu Gewöhnung und Abhängigkeit führen. Zudem kann es bei einem abrupten Absetzen zu einem Rebound-Phänomen kommen, bei dem die Betroffenen erneut unter Schlaflosigkeit leiden. »Für Patienten mit Schlafstörungen wird daher schon lange nach einer wirksamen Alternative gesucht«, sagte Dr. Tankred Wegener von der Consulting Herbal Medicinal Products, Weinheim, auf dem 7. Berliner Kongress Phytotherapie 2009 in Berlin.

 

An der Anwendungsbeobachtung nahmen 107 Patienten mit einem durchschnittlichen Lebensalter von 54 Jahren teil. Vor Beginn der Untersuchung erhielten alle gelegentlich oder regelmäßig Benzodiazepine als Therapie. Vor allem die schlechte Verträglichkeit führte bei den meisten Patienten zu dem Wunsch, an der Benzodiazepin-Ersatz-Studie teilzunehmen.

 

Die Studie startete mit einer zweiwöchigen Entzugsphase, wobei die Benzodiazepine in der Dosis immer weiter reduziert und schließlich abgesetzt wurden. Noch in der Ausschleichphase wurde die Medikation mit der pflanzlichen Dreierkombination (Kytta Sedativum® Dragees) aufgenommen. Im Mittel nahmen die Patienten in der ersten Woche täglich ein Dragee, von der zweiten Woche bis zur sechsten Woche täglich zwei Dragees ein. Pro Dragee sind 150 mg Trockenextrakt aus Baldrianwurzeln (Valeriana officinalis), 30 mg Trockenextrakt aus Hopfenzapfen (Humulus lupulus) und 80 mg Trockenextrakt aus Passionsblumenkraut (Passiflora incarnata) enthalten. In den letzten vier Wochen der Studie wurde das pflanzliche Arzneimittel ausschließlich in Monotherapie gegeben.

 

Mithilfe von mehrstufigen Skalen wurden Kriterien wie Tagesmüdigkeit und Schlafqualität seitens der Ärzte und Patienten erfasst. Laut Ärzturteil profitierten rund zwei Drittel der Studienteilnehmer deutlich von der Phytotherapie. So verbesserte sich bei 75 Prozent der Patienten die allgemeine Unruhe um 53 Prozent und bei 71 Prozent der Patienten das klinische Symptom Müdigkeit um 66 Prozent. 68 Prozent der Studienteilnehmer gaben zudem an, dass ihre Schlafqualität deutlich zugenommen habe. Der größte Effekt trat nach der zweiwöchigen Umstellungsphase auf. »Dies spricht dafür, dass bei der alleinigen Therapie mit der Dreierkombination die Wirksamkeit am größten ist«, schlussfolgerte Wegener. In den letzten vier Wochen der Therapie fühlten sich die Patienten zudem ausgeglichener, tatkräftiger und frischer. Auch die morgendliche Zeit, um in Schwung zu kommen, verkürzte sich unter dem pflanzlichen Arzneimittel in Monotherapie erheblich. Damit bestätige sich ein Befund aus vorherigen Studien: Ein hang over, wie etwa bei Diazepam mit seiner langen Halbwertszeit, ist unter Baldrian, Hopfen und Passiflora nicht zu beobachten. Zugleich konnte eine deutliche Verbesserung der Symptome Niedergeschlagenheit, Unausgeglichenheit, Unruhe und Nervosität festgestellt werden.

 

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen traten während der gesamten Therapiedauer nicht auf. Über 95 Prozent der Patienten und der Ärzte beurteilten daher die Verträglichkeit als sehr gut. »Für Patienten mit leichten und moderaten Ausgangsbeschwerden ist das pflanzliche Sedativum eine gute Alternative zu Benzodiazepinen«, so das Fazit von Wegener. Ob dies auch für massive Beschwerden gelte, müsste jedoch noch einmal gesondert untersucht werden.

 

Literatur

 

Wähling, C. et al.: Pflanzliche 3er-Kombination: Wirksame Alternative zu Benzodiazepinen, Zeitschrift für Phytotherapie 30 (2009) 69-72.

Weitere Themen im Ressort Pharmazie...

Beitrag erschienen in Ausgabe 42/2009

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 











DIREKT ZU