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Blutdruck: Richtig messen in der Apotheke

MEDIZIN

 
Blutdruck

Richtig messen in der Apotheke

Von Stephanie Schersch

 

Die Blutdruckmessung ist ein wichtiger Service in der Apotheke. Menschen mit Verdacht auf Hypertonie können über das wohnortnahe Angebot besonders gut ermittelt werden. Dabei sollte der Apotheker eine Reihe von Faktoren beachten.

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Bereits äußere Umstände nehmen Einfluss auf die Blutdruckmessung. Sie sollte grundsätzlich im Sitzen vorgenommen werden, ein abgeschirmter Beratungsplatz erlaubt die nötige Diskretion. Wichtig ist, nicht unmittelbar nach Ankunft des Patienten in der Apotheke mit der Messung zu beginnen. Drei bis fünf Minuten Pause reichen meist aus, ihn etwas zur Ruhe kommen zu lassen. Auch auf angeregte Kundengespräche sollte in dieser Zeit verzichtet werden.

 

Der Blutdruck wird anschließend am Handgelenk, meist jedoch am Oberarm gemessen. Das Messgerät muss mit einem Qualitätszertifikat der Deutschen Hochdruckliga oder einem international anerkannten Validierungsprotokoll versehen sein. Besonders wichtig ist die Befragung des Patienten nach potenziell einschränkenden Faktoren der Blutdruckmessung. So sind Geräte mit rein oszillometrischem Messprinzip in Fällen von Herzrhythmusstörungen etwa oder bei Vorhofflimmern nicht geeignet. Gleiches gilt für Frauen in fortgeschrittenen Schwangerschaftsmonaten und Herzschrittmacherträger. »In diesen Fällen sollte alternativ die Blutdruckmessung nach Riva-Rocci, also die Stethoskop-Methode, angewendet werden«, sagte Nina Griese vom Zentrum für Arzneimittelinformation und Pharmazeutische Praxis (ZAPP) gegenüber der PZ. Andernfalls kann es zu verfälschten Messergebnissen kommen, durch Zwischenschläge etwa bei Herzrhythmusstörungen oder den Herzschlag und Bewegungen des Kindes bei Schwangeren. Eventuell ist eine Rückfrage beim Arzt sinnvoll.

 

Auch bei älteren Menschen und Patienten mit Diabetes im fortgeschrittenen Erkrankungsstadium muss der Apotheker besondere Umstände beachten. Diese Menschen leiden häufig unter arteriosklerotischen Gefäßveränderungen. Eine Messung am Handgelenk kommt bei ihnen nicht infrage, da die Gefäße hier ohnehin vergleichsweise schmal sind. »Eine Oberarmmessung liefert eindeutigere Ergebnisse«, so Griese. Im Zweifelsfall kann eine Oberarm-Handgelenk-Vergleichsmessung Aufschluss darüber geben, ob Gefäßanomalien vorliegen. Werden bei wiederholten Messungen Unterschiede von über 10 mmHg festgestellt, ist dies ein deutlicher Hinweis auf arteriosklerotische Veränderungen.

 

Bei vielen Patienten sind nicht beide Arme gleichermaßen für die Blutdruckmessung geeignet. Eine Vergleichsmessung gibt zunächst Aufschluss über Blutdruckdifferenzen zwischen dem rechten und dem linken Oberarm. Hierzu sollte der Apotheker wiederholt Messungen unter gleichen Bedingungen durchführen. Stellt er dabei Unterschiede von über 10 mmHg fest, sollte für alle künftigen Blutdruckmessungen der Arm gewählt werden, an dem die höheren Werte gemessen wurden. Treten keine Messunterschiede auf, so ist grundsätzlich der Arm mit der weniger ausgeprägten Muskelmasse geeigneter. Bei einen Rechtshänder ist dies also der linke Oberarm. Erfolgt die Messung am Handgelenk, wird die Manschette in der Regel am linken Gelenk, auf der Herzseite befestigt.

 

Auch auf Größe der Manschette und Oberarm- beziehungsweise Handgelenkumfang des Patienten muss der Apotheker achten. Sind keine Umfangmarkierungen an der Manschette angebracht, sollte ein Maßband zur Verfügung stehen. Während der Messung dürfen schließlich weder zurückgeschobene Kleidung noch Schmuckgegenstände den Vorgang behindern. Der Arm muss ruhig auf einer Unterlage aufliegen und darf nicht bewegt werden. Ein Handgelenkmessgerät sollte auf Herzhöhe gehalten werden. Diese Position ist äußerst empfindlich, wird das Handgelenk zu hoch oder zu tief gehalten, führt dies zu falschen Ergebnissen. Schon ein Höhenunterschied von 15 cm kann Messfehler von 10 mmHg verursachen.

 

Da es sich bei jeder Messung immer um eine Momentaufnahme handelt, die durch viele Faktoren beeinflusst wird, empfiehlt es sich, wiederholt Messungen vorzunehmen. Am Oberarm ist dies nach etwa einer Minute möglich, wenn die Blutzirkulation in den Gefäßen wiederhergestellt wurde. Am Handgelenk kann ohne Wartezeit eine zweite Messung vorgenommen werden. Grundsätzlich sollte der Apotheker Patienten mit Werten über 140 mmHg systolischem und 90 mmHg diastolischem Druck an einen Arzt verweisen. Für ein differenziertes Vorgehen, ab welchen Werten welcher Patient den Arzt aufsuchen sollte, hat das ZAPP den Informationsbogen »Blutdruck-Check« entwickelt, der mit der Deutschen Hochdruckliga abgestimmt ist. Er ist auf der Website www.abda.de unter »Themen« – »Qualitätssicherung« zu finden. Dort ist auch eine Standardarbeitsanweisung zum Blutdruckmessen des ZAPP verfügbar, die alle wichtigen Hinweise zur Vorbereitung, Durchführung und Dokumentation der Messung beschreibt.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 39/2009

 

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