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HIV-Medikamente: Gefälschte Ware sichergestellt

WIRTSCHAFT UND HANDEL

 
HIV-Medikamente

Gefälschte Ware sichergestellt

Von Stephanie Schersch

 

Im Raum Bremen sind gefälschte HIV-Präparate im legalen Vertriebsweg aufgetaucht. Vermutlich handelt es sich um illegal reimportierte Ware aus Afrika. Die Bremer Staatsanwaltschaft ermittelt gegen drei Zwischenhandelsfirmen mit Sitz auf der Insel Sylt.

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Bereits im Juni war eine auffällige Packung Combivir in einer Apotheke in Delmenhorst aufgetaucht. Ein Kunde hatte reklamiert, dass seine Packung einen versiegelten Blister ohne Tabletten enthielt. Die betroffene Apotheke wandte sich daraufhin an den Hersteller Glaxo Smith Kline (GSK) und die zuständige Aufsichtsbehörde.

 

Untersuchungen bei GSK kamen zu dem Ergebnis, dass Packung, Beipackzettel und Blister gefälscht waren. Die aufgedruckte Chargennummer R343741 stimmte jedoch mit einer tatsächlich von GSK vergebenden Nummer überein. Der Hersteller rief daraufhin die komplette Charge vom Markt zurück.

 

Tabletten mit Originalwirkstoff

 

Die Staatsanwaltschaft Bremen nahm die Ermittlungen auf und stellte in weiteren Apotheken gefälschte Packungen Combivir sicher. Labortests des Herstellers ergaben schließlich, dass es sich bei den Tabletten um Ware handelt, die den Originalwirkstoff enthält und die somit identisch ist zu den Produkten von GSK. »Wir vermuten daher, dass es sich bei den gefälschten Präparaten um illegale Reimporte aus subventionierten Beständen für Afrika handelt«, sagte Oberstaatsanwalt Dr. Jörn Hauschild von der Staatsanwaltschaft in Bremen der Pharmazeutischen Zeitung (PZ).

 

Die betroffene Apotheke hatte Combivir im Vorfeld vom Großhändler Anzag bezogen. Das gefälschte Präparat könnte daher aus den Beständen des Frankfurter Unternehmens stammen. Wie andere Großhandelsfirmen auch, bezieht Anzag die Ware nicht nur direkt beim Hersteller. Über ihre Logistiktochter CPL kauft das Unternehmen ebenso bei zugelassenen Zwischenhändlern ein.

 

Die Ermittler folgten einer Spur nach Sylt, wo sie die Geschäftsräume dreier auf der Insel ansässiger Pharmavertriebsfirmen durchsuchten. Dabei wurden nicht nur mehrere gefälschte Packungen Combivir, sondern auch zwei weitere gefälschte HIV-Präparate sichergestellt: Epivir und Trizivir, ebenfalls von GSK. Die Bremer Staatsanwaltschaft hat nun Ermittlungen gegen den Verantwortlichen der drei Vertriebsfirmen aufgenommen.

 

Der Bezug von Arzneimitteln über den Zwischenhandel ist nicht unumstritten. Einer aktuellen Studie der Firma OpSec Security zufolge stieg der Handel mit illegalen Medikamenten und Wirkstoffen auf diesen sogenannten Business-to-Business-Plattformen in den vergangenen zwei Jahren um 30 Prozent. Dennoch gehört dieser Bezugsweg zum alltäglichen Geschäft vollversorgender Großhändler.

 

Glaxo schweigt und wartet ab

 

Der Hersteller GSK wollte zu den Vorkommnissen keine Stellung nehmen. Man warte vorerst die weiteren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ab, sagte eine Sprecherin auf Nachfrage. Auch besorgten Apothekern gegenüber legt das Unternehmen nach PZ-Informationen eine etwas undurchsichtige Informationspolitik an den Tag. Die Bremer Staatsanwaltschaft wird den Fall nun voraussichtlich an die jetzt zuständige Behörde in Flensburg abgeben. Gegen die Apotheker im Raum Bremen werde nicht ermittelt. Ihnen könne nicht nachgewiesen werden, dass sie von den Fälschungen gewusst hätten, hieß es bei der Staatsanwaltschaft.


Lesen Sie dazu auch Interview: »Die Gesetze reichen aus«

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Beitrag erschienen in Ausgabe 37/2009

 

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