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Bundesapothekerkammer: Die Qualität zeigt sich an Leistungen, die über den Standard hinausgehen

POLITIK

 
Bundesapothekerkammer

Die Qualität zeigt sich an Leistungen, die über den Standard hinausgehen

Von Hartmut Morck und Daniel Rücker, Frankfurt am Main

 

Seit einem Monat steht Erika Fink an der Spitze der Bundesapothekerkammer. Ihr zentrales Anliegen ist es, das öffentliche Bild der Apotheker zu verbessern.

 

PZ: Was haben Sie sich als Präsidentin der Bundesapothekerkammer für die nächsten Jahre vorgenommen?

Fink: Es gibt eine Sache, die uns Apothekern gar nicht gefällt. Bei Verbraucherumfragen liegen wir immer auf den vordersten Plätzen. Gleichzeitig berichten aber die Medien regelmäßig darüber, dass wir unsere Arbeit schlecht machen. Diese Diskrepanz müssen wir ernst nehmen und einen Weg finden, sie aufzulösen..

 

PZ: Wie wollen Sie dieses Ziel  erreichen?

Fink: Ich beginne mal bei mir. Als Präsidentin der BAK muss ich in jedem Fall glaubwürdig wirken. Das ist mir in den vergangenen Jahren, wie ich finde, ganz gut gelungen und ich hoffe, dass es dabei auch bleibt. Ich will persönlich auch offensiver auf die Medien zugehen.

 

Das Image der Apotheker wird aber nicht nur von den Berufsvertretungen geprägt. Wir müssen mit gutem Beispiel vorangehen. Klar ist aber auch, dass jeder Apotheker am Image des Berufsstandes mitarbeiten muss.

 

PZ: Was müssen Ihrer Meinung nach die Apotheker in der Offizin anders machen als bisher?

Fink: Die Medien kritisieren meistens die Qualität der Beratung. Dabei sind wir Apotheker fachlich sehr gut ausgebildet. Für Fehler in der Beratung muss es also andere Gründe geben als die fachliche Kompetenz.

 

PZ: Welche?

Fink: Ich denke, dass die Beratungstechniken der Schwachpunkt sind. Apotheker lernen in ihrer Ausbildung nichts über Kommunikation. Das müssten sie aber, denn es ist enorm schwierig, einen Fremden über ein womöglich heikles gesundheitliches Thema gut zu beraten. Das haben wir Apotheker nicht gelernt.

 

PZ: Das kann aber keine Aufgabe des Studiums sein.

Fink: Nein, das gehört natürlich nicht an die Hochschule. Die richtige Ansprache der Kunden müssen Apotheker in Fortbildungsseminaren nach dem Studium lernen.

 

PZ: Was halten Sie von einer Umgestaltung des dritten Prüfungsabschnittes? Hier geht es um Praxisorientierung. Da wären Kommunikationstechniken gut aufgehoben.

Fink: Mit der Forderung nach einem noch stärker an der Praxis orientierten dritten Prüfungsabschnitt rennen sie bei mir offene Türen ein. Ich glaube aber nicht, dass er der richtige Rahmen für eine Kommunikationsschulung ist. Das geht nicht im Frontalunterricht. Das funktioniert eher in einem mehrtägigen Seminar in einer kleinen Gruppe.

 

PZ: Sie sagen, dass schlechte Beratung eher Resultat mangelhafter Kommunikation als fehlenden Fachwissens ist. Müssten dann nicht auch die Kammern und möglicherweise auch die Verbände ihre Fortbildungsangebote überdenken?

Fink: Das ist sicher richtig. Wir bieten auch schon Veranstaltungen über Kommunikation an. Sie werden aber noch nicht so gut angenommen.

 

Vielleicht wären Inhouse-Schulungen in der Apotheke der bessere Weg. Der Vorteil dieser Schulungen wäre auch, dass hier die PTA mit dabei sind. Sie tragen nicht unerheblich zum Bild bei, das die Apotheke nach außen abgibt. Schließlich unterscheidet der Patient nicht unbedingt, ob er von einer PTA oder einem Apotheker beraten wurde, sondern nur, ob die Beratung gut oder schlecht war. Natürlich wird es aber immer fachliche Unterschiede zwischen Apothekern und PTA geben.

 

PZ: Sie fokussieren sich sehr stark auf die Kommunikation. Zeigen aber nicht gerade die Testkäufe auch, dass es eben doch fachliche Defizite gibt?

Fink: Natürlich wird es die in einzelnen Fällen auch geben. Ich sehe aber tatsächlich das größere Problem darin, dass Apotheker in einer Beratung ihr Fachwissen nur unvollständig abrufen. Nehmen Sie die letzten Testkäufe von Professor Dr. Jürgen Frölich. Dort wurde in Apotheken nicht ausreichend auf die Gefahren von Paracetamol hingewiesen. Dabei bin ich sicher, dass jeder Apotheker genau die tödliche Dosis gekannt hätte, wäre er explizit danach gefragt worden. Im Beratungsgespräch wurde der Aspekt dann vergessen.

 

PZ: Würde es der Beratungsqualität dienen, wenn Fortbildung für Apotheker verpflichtend wäre? Bei Ärzten gibt es eine Fortbildungspflicht?

Fink: Da frage ich Sie: Hat es was genutzt?

 

PZ: Wohl nicht.

Fink: So sehe ich das auch. Eine Fortbildungspflicht würde dafür sorgen, dass die Vortragssäle voller werden. Ob diejenigen, die dort gegen ihren Willen sitzen, tatsächlich etwas lernen, glaube ich aber nicht.

 

Dennoch werden wir uns in der Bundesapothekerkammer mit dem Thema auseinandersetzen müssen. Es gibt auch einen äußeren Druck, über einen solchen Schritt nachzudenken. Eine abschließende und einheitliche Meinung gibt es in der BAK dazu aber noch nicht.

 

PZ: Ein weiteres Instrument, mit dem die Qualität einer Apotheke nach außen dokumentiert werden könnte, ist ein QMS. Was halten Sie davon? Wie stehen Sie zu einer verpflichtenden Zertifizierung?

Fink: QM-Systeme können dazu beitragen, dass eine Apotheke ihre Leistungen immer in gleicher Art und Weise erbringt. Das ist sicher wichtig. Es ist aber nicht das, was der Patient unter Qualität versteht. Die Qualität einer Apotheke zeigt sich bei ihm an Leistungen, die über den Standard hi-nausgehen. Ihn beeindruckt das Quäntchen mehr, mit dem er nicht gerechnet hat. Qualität muss erlebbar sein. Dabei hilft QMS kein Stück weiter. QMS trägt vielleicht zur Sicherheit bei, aber nicht dazu, dass die Patienten eine Apotheke mögen.

 

PZ: Dann sind Sie gegen QMS?

Fink: Nein, natürlich nicht. Ich warne nur davor, in QMS eine Lösung für Probleme in der Beratungsqualität zu sehen. Dennoch werden wir über kurz oder lang ohne QMS Probleme bekommen, vor allem weil die Krankenkassen nur noch zertifizierte Apotheken an bestimmten Verträgen teilhaben lassen werden.

 

PZ: Wie wird sich die Apothekenlandschaft weiterentwickeln? Glauben Sie, dass eine zunehmenden Spezialisierung und damit Differenzierung der richtige Weg ist?

Fink: Eindeutig ja. Ich sehe für die Apotheker darin Vorteile. Ein Apotheker, der seiner Apotheke ein stärkeres individuelles Profil gibt, der wird dann auch mit seiner Arbeit zufriedener sein. Sein Team wahrscheinlich auch, da es an der Differenzierung ja mitgearbeitet hat. Und schließlich profitiert auch der Patient. Er kann eine Apotheke aufsuchen, in der er sich für sein Problem optimal betreut fühlt. Es ist aber keine Frage, dass jede Apotheke die Kernleistungen weiter anbieten muss ,.denn bei geringer Apothekendichte kann der Patient keine andere Apotheke aufsuchen..

 

Wir sollten darüber nachdenken, ob wir die Anforderungen an kleine Land-apotheken mit einem Umsatz unter zum Beispiel 500 000 Euro reduzieren. Eine solche Apotheke kann man heute nicht mehr profitabel betreiben. Gleichzeitig darf es nicht sein, dass in ländlichen Gebieten Versorgungslücken entstehen. Wenn wir die Arzneimittelversorgung in diesen Regionen über inhabergeführte Apotheken sicherstellen wollen, dann brauchen wir bald  eine praxisnahe Lösung für dieses Problem.

 

PZ: Bald ist Bundestagswahl. Was wünschen Sie sich von der neuen Regierung?

Fink: Ich erwarte, dass das Fremd- und Mehrbesitzverbot erhalten bleibt. Außerdem erwarte ich, dass das Pick-up-Unwesen endlich beseitigt wird. Ich wünsche mir natürlich auch, dass der Versandhandel verboten wird, hier ist meine Hoffnung auf Umsetzung jedoch geringer. Außerdem brauchen die Apotheker stabile Rahmenbedingung und weniger Bürokratie. Ich könnte mir auch vorstellen, dass man die Rabattverträge durch eine besser zu handhabende Kostendämpfung ersetzt.

 

PZ: Woran denken Sie dabei?

Fink: Entweder an Zielpreisvereinbarungen oder ein Festzuschusssystem, bei dem der Patient aufzahlen kann, wenn er ein bestimmtes Medikament möchte.

 

PZ: Zum Abschluss müssen wir noch einmal auf den Wechsel an der BAK-Spitze zurückkommen. Die Neuwahl wurde nötig, weil der bisherige BAK-Präsident Dr. Ulrich Krötsch zurückgetreten ist. Haben die Gründe, die zu diesem Rücktritt geführt haben, die BAK geschwächt?

Fink: Nein, sicherlich nicht. Die BAK ist nicht geschwächt. Ulrich Krötsch hat die Gründe für seinen Rücktritt in der BAK offen dargelegt. Sie sind allseits akzeptiert worden.

 

Ich kann nicht erkennen, dass sich deshalb mehrere Lager gebildet hätten,  schließlich haben mich die Kollegen ja auch mit großer Mehrheit gewählt, da ist keine Spaltung erkennbar. Natürlich diskutieren wir manche Sachfragen sehr kontrovers, aber das muss ja auch so sein, brauchen wir Lösungen, die alle mittragen können.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 34/2009

 

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