Omeprazol zur Selbstmedikation

Von Christiane Berg, Hamburg
Seit Beginn dieses Monats steht nach Pantoprazol auch Omeprazol als OTC-Präparat zur Verfügung. Umso wichtiger wird die ausführliche Beratung durch das Apothekenteam.
Am 1. August hat Bayer seinen Protonenpumpeninhibitor (PPI) Omeprazol (Antra®) für die Selbstmedikation auf den Markt gebracht. Apotheker dürfen ihn zur Therapie von Sodbrennen und saurem Aufstoßen in einer Einzel- und Tageshöchstdosis von 20 Milligramm bei maximaler Anwendungsdauer von 14 Tagen (Packungsgröße: 280 mg, 14 Tabletten) abgeben. Damit erweitert sich das bisherige, aus Antacida und H2-Blockern bestehende Empfehlungsspektrum und somit die Beratungskompetenz des Apothekers.
Als erster Vertreter seiner Substanzklasse ist Omeprazol 1989 in Deutschland als verschreibungspflichtiges Arzneimittel zugelassen worden. Weltweit wurde der Protonenpumpenhemmer bislang in mehr als 1350 klinischen Studien geprüft und ist an mehr als einer Milliarde Patienten zum Einsatz gekommen. In zwei placebokontrollierten Studien zur vierzehntägigen Einnahme von 20 mg Omeprazol mit insgesamt 3124 Patienten berichteten 80 Prozent der Probanden bereits nach der ersten Einnahme von einer deutlichen Symptomlinderung, bei 50 Prozent wurde eine vollständige Beschwerdefreiheit erzielt. Der Wirkstoff hat sich in zahlreichen Ländern wie den USA, Großbritannien, Schweden oder Dänemark in der Selbstmedikation bereits etabliert.
»Unter Sodbrennen und saurem Aufstoßen als Symptomen der gastroösophagealen Refluxerkrankung (GERD) leiden circa 30 Prozent der Bundesbürger«, sagte Professor Dr. Gerald Holtmann, Essen, auf einer Veranstaltung der Bayer Vital GmbH. Die Symptome entstehen, so der Gastroenterologe, wenn saurer Magensaft in die Speiseröhre zurückfließt und dort die ungeschützte Schleimhaut reizt. Ursachen seien ein geschwächter Schließmuskel am Mageneingang sowie eine übermäßige Magensäure-Produktion. Beides sei durch Stress, zucker- und fettreiche Ernährung sowie ein Alter über 40 Jahre begünstigt.
Bei einem eindeutigen Beschwerdebild empfehle weltweit die Mehrzahl der Fachgesellschaften die medikamentöse Behandlung der GERD-Symptome ohne vorherige aufwendige endoskopische Untersuchung als erste ärztliche Maßnahme. Holtmann hob die »pragmatische Strategie der befristeten medikamentösen Initialtherapie« als »zeitgemäß« hervor. Nur bei Alarmsymptomen wie Schluckstörungen, ungewolltem Gewichtsverlust, dauerhaftem blutigem Erbrechen oder schwarz gefärbtem Stuhl sei die vorherige Abklärung mittels Endoskopie unumgänglich.
»Reflux-Patienten mit Warnsymptomen werden in der Apotheke stets angehalten, den Arzt aufzusuchen«, unterstrich Apothekerin Dr. Katja Scarlett Daub, Dresden. Vor Abgabe eines Protonenpumpenhemmers werde zudem stets nach der Einnahme anderer Medikamente gefragt, um Interaktionen auszuschließen. So kann es zum Beispiel zu Wechselwirkungen mit Diazepam, Atazanavir, Citalopram, Phenytoin, Warfarin, Ketoconazol, Digoxin, Clarithromycin und auch Johanniskraut kommen. Vergangenen Monat wiesen zudem die Hersteller Clopidogrel-haltiger Arzneimittel in einem Rote-Hand-Brief darauf hin, dass der Blutverdünner mit PPI wechselwirkt. Die Arzneimittelkommission der deutschen Apotheker (AMK) empfahl daraufhin vergangene Woche, die gemeinsame Gabe zu vermeiden. Die Wechselwirkung ist zwar in der ABDA-Datenbank, jedoch noch nicht in den Fach- und Gebrauchsinformationen gelistet.
Bessern sich die Symptome nach vierzehntägiger Selbstmedikation nicht, so werde ebenfalls zum Arztbesuch geraten, sagte Daub. Sie begrüßte die Einführung des »OTC-PPI« Omeprazol als »Chance für den Patienten« und »Herausforderung für das Apothekenteam«. Dieses könne seine Beratungskompetenz unter Beweis stellen und somit das Apothekenprofil schärfen.
Änderung der Lebensführung
Daub betonte, dass die Selbstmedikation fester Bestandteil des Arbeitsalltags in Apotheken ist und dem Apothekenteam die Auswahl von Wirkstoffen und Darreichungsformen obliegt. Aufgrund ihres Wirkprofils seien Protonenpumpeninhibitoren den gleichermaßen in der Selbstmedikation eingesetzten Antacida und H2-Blockern überlegen. Insbesondere für Patienten mit häufigeren und stärkeren Refluxsymptomen sei der OTC-Switch von Omeprazol von Vorteil.
Die einmal tägliche Omeprazol-Einnahme sollte 30 bis 60 Minuten vor einer Mahlzeit erfolgen, da der Wirkstoff nur aktive Protonenpumpen hemmt. Beschwerdefreiheit könne gegebenenfalls schon nach einer Tablette erzielt werden. Die Mups® (»Multiple Unit Pellet System«)-Formulierung ermögliche, dass Omeprazol schnell resorbiert und nicht nur als ganze Tablette, sondern auch dispergiert und somit leichter in Wasser, Fruchtsaft oder Apfelmus eingenommen werden kann. Milch darf nicht verwendet werden.
Bei Sodbrennen und saurem Aufstoßen ist eine Änderung der Lebensführung meist unumgänglich, sagte die Referentin. Immer rate sie zur Reduktion des Zucker- und Fettkonsums sowie zur Meidung von Nicotin, Kaffee, Alkohol und Stress. Etwa die Hälfte aller Reflux-Patienten sucht keinen Arzt auf, sondern wendet sich zuerst an die Apotheke. Der abgabebegleitenden Beratung und dem Patientencoaching durch das Apothekenteam kommt somit große Bedeutung zu.