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Diabetes mellitus: Neue Einheit für den HbA1c-Wert











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Diabetes mellitus

Neue Einheit für den HbA1c-Wert

Von Holger Latsch, Lisa Schlegel und Manfred Schubert-Zsilavecz

 

Die HbA1c-Bestimmung ist elementarer Bestandteil einer Behandlung von Diabetikern. Im Zuge der Umstellung des in Deutschland bisher gebräuchlichen Referenzstandards (NGSP) auf einen neuen international geltenden Referenzstandard (IFCC) wird der HbA1c-Wert zukünftig nicht mehr in der Einheit Prozent, sondern in mmol/mol angegeben.

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Der Diabetiker bestimmt üblicherweise im Nüchternzustand oder zwei Stunden nach dem Essen im Rahmen der Selbstkontrolle die Glucosekonzentration im Blut. Sie stellt damit eine Momentaufnahme dar, die der Einstellung eines optimalen Blutglucosespiegels dient. Auch die Apotheke bestimmt im Rahmen des Patientenscreenings oder des Gesundheitsmonitorings die momentane Konzentration an Glucose im Blut und kann dadurch zur Früherkennung eines Diabetes mellitus beitragen oder unterstützt den Diabetiker bei der Einstellung seiner Blutglucosewerte.

 

Im Rahmen des Monitorings bestimmen einige Apotheken bei Diabetikern inzwischen auch den Anteil an glykiertem Hämoglobin im Blut ausgedrückt durch den HbA1c-Wert. Dieser ermöglicht eine retrospektive Aussage über die mittlere Blutglucosekonzentration der vergangenen acht bis zwölf Wochen. Dieser Zeitraum entspricht der Lebensdauer der Erythrozyten. Die Glykierung der HbA1-Fraktionen (HbA1a1, HbA1a2, HbA1b, HbA1c) verläuft irreversibel. Da das HbA1c den größten Anteil der glykierten Hämoglobine ausmacht, wird es zur Bestimmung der mittleren Blutglucosekonzentration herangezogen.

 

Sowohl die DCCT-Studie (Diabetes Control and Complication Trial) mit Typ-1-Diabetikern als auch die UKPDS-Studie (United Kingdom Prospective Diabetes Study) mit Typ-2-Diabetikern in den 1990er-Jahren waren zu folgendem Ergebnis gekommen: Je niedriger der HbA1c-Wert, desto geringer das Risiko, diabetesbedingte Langzeitkomplikationen wie diabetische Retinopathie oder Nephropathie zu entwickeln. Als Zielwert für einen gut eingestellten Typ-2-Diabetiker ist ein HbA1c-Wert von unter 7 Prozent (53 mmol/mol) anzustreben (1,2).

 

Auf Basis der DCCT-Studie wurde 1996 das National Glycohemoglobin Standardization Program (NGSP) ins Leben gerufen. Ziel war die Standardisierung der HbA1c-Werte. Man erreichte, dass die in klinischen Laboratorien ermittelten HbA1c-Werte denen der DCCT-Studie vergleichbar waren, da man der Standardisierung die Sollwerte der DCCT-Studie zugrunde legte. Die NGSP-HbA1c-Werte werden als prozentualer Anteil des glykierten Hämoglobins am Gesamthämoglobin angegeben (3). Nach diesem in den USA und den meisten europäischen Ländern gültigen NGSP-Standard wurden in der Folge nahezu alle auf dem Markt befindlichen HbA1c-Analysesysteme kalibriert. Nachteilig ist, dass es sich beim NGSP-Standard um einen sogenannten Consensus-Standard handelt, der im Hinblick auf Richtigkeit und Rückverfolgbarkeit keinen Bezug auf einen internationalen Standard höherer Zuverlässigkeit hat. Im Rahmen der Erarbeitung eines international gültigen Standards für HbA1c stellte die International Federation of Clinical Chemistry (IFCC) nachträglich fest, dass bei der HbA1c-Bestimmung nach NGSP andere Hämoglobinkomponenten miterfasst werden und somit die Methode ungenau ist (4).

 

In einem Consensus-Statement im Jahr 2007 bekräftigten schließlich die weltweiten Diabetesorganisationen die Notwendigkeit der Umstellung auf die neue Standardisierung gemäß IFCC, mit der die spezifische Messung eines glykierten Hämoglobins möglich ist, des HbA1c (5). Das neue Referenzmessverfahren bietet zudem den Vorteil einer besseren Rückverfolgbarkeit und größeren Genauigkeit (4).

 

Apotheken, die den HbA1c-Wert ermitteln, sollten gemäß der Leitlinie der Bundesapothekerkammer »Physiologisch-chemische Untersuchungen – Durchführung der Blutuntersuchungen« sowohl interne als auch externe Qualitätskontrollmaßnahmen vorsehen. Gemäß der Leitlinie sind dabei die Vorgaben der Richtlinie der Bundesärztekammer (Rili-BÄK) anzuwenden (6).

 

Die am 1. April 2008 in Kraft getretene Richtlinie sieht vor, dass in einer Übergangsfrist von 24 Monaten der HbA1c auf die neue Standardisierung und damit die neue Einheit mmol/mol umzustellen ist (7). Gemäß den Vorgaben der Leitlinie der Bundesapothekerkammer, die auf die Richtlinie der Bundesärztekammer verweist, muss auch in den Apotheken die interne und externe Qualitätskontrolle entsprechend umgestellt werden. Bei der Umstellung der internen Qualitätskontrolle ist die Mithilfe der Gerätehersteller vorgesehen.


Tabelle 1: Alte und neue HbA1c-Werte im Überblick

NGSP [%]   IFCC [mmol/mol]   
6   42   oberer Referenzwert 
7   53   Therapieziel 
8   64   Handlungsbedarf 

Der Referenzbereich für Gesunde liegt bei einem HbA1c-Wert von 20 bis 42 [mmol/mol]


Die in den Apotheken derzeit verwendeten HbA1c-Messgeräte können im Allgemeinen den HbA1c-Wert noch nicht in der neuen IFCC-Einheit angeben. Die Hersteller sind aber dazu angehalten, ihre Geräte entsprechend den Vorgaben der Rili-BÄK umzurüsten und zu gewährleisten, dass der HbA1c-Wert zukünftig in der neuen Einheit mmol/mol angezeigt wird. Bis zur Umstellung ist es den Apotheken möglich, den HbA1c-Wert von NGSP [%] in IFCC [mmol/mol] mit nachfolgender Formel umzurechnen:

 

HbA1c (mmol/mol) = (% HbA1c-2,15) x 10,929

 

Die Hersteller beabsichtigen, allen Apotheken, die den HbA1c-Wert bestimmen, für den Übergangszeitraum Umrechnungstabellen von NGSP [%] in IFCC [mmol/mol] zur Verfügung zu stellen (siehe dazu Tabelle). Bis zur Umstellung können sich die Apotheken bei Rückfragen jederzeit an den Hersteller ihres HbA1c-Messgerätes wenden.

 

Gemäß der Vorgabe, die externe Qualitätskontrolle auf die neue IFCC-Standardisierung umzustellen, wird ab dem 3. Ringversuch 2009 die Bewertung der im Rahmen des Ringversuches ermittelten HbA1c-Werte auf Basis der neuen IFCC-Standardisierung erfolgen. Für den Übergangszeitraum bis zum 31. März 2010 bietet das ZL den Apotheken jedoch an, ihren HbA1c-Wert entweder in der alten Einheit Prozent oder in der neuen Einheit mmol/mol anzugeben. Mithilfe oben genannter Formel ist die Umrechnung von NGSP [%] in IFCC [mmol/mol] leicht möglich. Gibt die Apotheke die HbA1c-Werte der Kontrollproben in der alten Einheit Prozent an, werden diese durch das Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker (ZL) in die neue Einheit mmol/mol umgerechnet. Während des Übergangszeitraumes wird der HbA1c-Wert auf dem Ergebnisblatt sowohl in der alten Einheit Prozent als auch in der neuen Einheit mmol/mol angegeben. Den Apotheken empfiehlt das ZL die gleiche Vorgehensweise gegenüber ihren Patienten.


Literatur

  1. The Diabetes Control and Complications Trial Research Group: The effect of intensive treatment of diabetes on the development and progression of long-term complications in insulin-dependent diabetes mellitus. N.Engl.J.Med (1993), 329: 977-986.
  2. UK Prospective Diabetes Study Group: Intensive blood-glucose control with sulphonylureas or insulin compared with conventional treatment a risk of complications in patients with type 2 Diabetes (UKPDS 33). Lancet (1998), 352: 837-853.
  3. Nathan, David M. et al.: Translating the A1C Assay Into Estimated Average Glucose Values. Diabetes Care (2008), 31: 1473-1478.
  4. Reinauer, Hans; Werner A. Scherbaum: Diabetes mellitus. Neuer Referenzstandard für HbA1c. Dtsch. Ärztebl. (2009), 106: A 805f.
  5. Consensus Commitee: Consensus statement on the worldwide standardization of the hemoglobin A1C measurement: the American Diabetes Association, European Association for the Study of Diabetes, International Federation of Clinical Chemistry and Laboratory medicine, and the International Diabetes Federation. Diabetes Care (2007), 30: 2399f.
  6. Bundesapothekerkammer (BAK): Leitlinie zur Qualitätssicherung physiologisch-chemischer Untersuchungen – Durchführung der Blutuntersuchungen (2007). http://www.abda.de/fileadmin/pdf/Leitlinien_neu/LL_Physiolg_chem_Unters_Blutunters.pdf
  7. Bundesärztekammer (BÄK), Richtlinie der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung quantitativer laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen, veröffentlicht im Dtsch. Ärztebl. (2008): 105: A 341-355.

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Beitrag erschienen in Ausgabe 33/2009

 

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