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Clozapin: Sicherer als gedacht

PHARMAZIE

 
Clozapin

Sicherer als gedacht

Von Daniela Biermann

 

Clozapin ist das Antipsychotikum mit der niedrigsten Mortalitätsrate. Zu diesem Ergebnis kommt eine finnische Kohortenstudie. Die Autoren fordern einen breiteren Einsatz des Neuroleptikums.

 

Verkürzt oder verlängert die Einnahme von Neuroleptika das Leben von Schizophrenen? Dieser Frage gingen Jari Tiihonen und seine Kollegen von der Universität Kuopio und dem Niuvanniemi-Hospital nach. Sie untersuchten über zehn Jahre die Sterblichkeit von etwa 67.000 als schizophren registrierten Finnen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachjournal »Lancet« (Doi: 10.1016/S0140-6736(09)60742-X). Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung (5,2 Millionen) hatten 20-jährige Schizophreniepatienten 1996 eine um 25 Jahre verkürzte Lebenserwartung. 2006 waren es immer noch 22,5 Jahre. Eine langjährige Behandlung mit Neuroleptika reduzierte das Mortalitätsrisiko im Vergleich zu Unbehandelten um 20 Prozent. Vergleiche innerhalb der Neuroleptika führten Tiihonen und Kollegen anhand von Perphenazin, einem Neuroleptikum der ersten Generation, durch. Clozapin, das zur zweiten Generation gehört, reduziert die Sterblichkeit um 26 Prozent gegenüber Perphenazin. Quetiapin steigert dagegen die Gesamtsterblichkeit um 41 Prozent.

 

Das Ergebnis überraschte die Wissenschaftler, da Clozapin aus Sicherheitsbedenken nur restriktiv eingesetzt wird. Bei jedem 100. Behandelten tritt die lebensgefährliche Agranulozytose auf. Daher gilt Clozapin als Reservemedikament. »Unsere Ergebnisse lassen die Frage aufkommen, ob Clozapin als Erstlinienbehandlung eingesetzt werden sollte, da es das sicherste Neuroleptikum hinsichtlich der Sterblichkeit ist und auch das wirksamste«, schreiben die Autoren. Sie machen den restriktiven Einsatz sogar für vermehrte Todesfälle verantwortlich. Das »Deutsche Ärzteblatt« warnte dagegen vor einem sorglosen Einsatz und wies auf einen möglichen Bias hin. Eine Clozapin-Therapie erfordert eine engmaschige Blutbildkontrolle, sodass nur einigermaßen zuverlässige, stabile Patienten für die Behandlung infrage kommen. Stark suizidgefährdete Patienten, deren Mortalitätsrisiko höher liegt, werden daher eher selten mit Clozapin behandelt. Dies könnte die Statistik verzerren.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 31/2009

 

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