Govi-Verlag
Mylan dura

NEUE ARZNEISTOFFE

61 Migränemittel


Almotriptan (Almogran® Tabl; Bayer Vital)

 

 

Seit Mitte März 2001 steht mit dem selektiven Serotonin-Rezeptor-Agonisten Almotriptan ein neues Migränemittel zur Verfügung. Es stammt ursprünglich aus der Forschungspipeline des spanischen Partnerunternehmens Almirall Prodesfarma. Almotriptan ist zur Therapie akuter Migränekopfschmerzen mit und ohne Aura zugelassen. Die Strukturformel zeigt den für die Triptane charakteristischen Grundkörper, der an Serotonin erinnert. Die Substanz wirkt wie der erste Vertreter aus der Gruppe Sumatriptan und die nachfolgenden Zolmitriptan, Naratriptan und Rizatriptan als Agonist selektiv an den Serotonin-Rezeptoren vom Typ 5-HT1B und 5-HT1D.

 

Der genauen Wirkungsmechanismus der Triptane ist bisher noch nicht restlos aufgeklärt. In-vitro-Versuche deuten darauf hin, dass die Stimulation der 5-HT1B- und 5-HT1D-Rezeptoren zur Vasokonstriktion bestimmter Hirngefäße führt. Almotriptan hemmt in vitro außerdem den Austritt von Plasmaproteinen aus den Duralgefäßen, ein typisches Merkmal bei entzündlichen Vorgängen in der Hirnhaut. Die Selektivität zu den Serotonin-Rezeptoren ist bei den bisher verfügbaren Triptanen relativ ähnlich. Unterschiedliche Wirkeigenschaften resultieren vermutlich nur den unterschiedlichen Pharmakokinetiken. Almotriptan hat von allen peroral applizierbaren Triptanen mit 69 Prozent (25 mg) beziehungsweise 80 Prozent (12,5 mg) die höchste Bioverfügbarkeit, wahrscheinlich als Folge seiner starken Lipophilie. Maximale Plasmaspiegel wurden im Vergleich zu den anderen Triptanen später gemessen (t max = 2,5 bis 2,7 h). Die Halbwertszeit beträgt zwischen drei und vier Stunden. Die Wirksamkeit von Almotriptan konnte in mehreren klinischen Studien belegt werden. Dabei bewährten sich Dosierungen von 12,5 und 25 mg. Höhere Dosen brachten keine bessere Wirksamkeit Die Schmerzlinderung setzte im Schnitt 30 Minuten nach der peroraler Gabe ein. Während durchschnittlich 60 bis 70 Prozent der Probanden auf das Verum ansprachen, berichteten 30 bis 40 Prozent der Patienten der Placebogruppe von schmerzlindernden Effekten. 

 

Almotriptan verringerte außerdem die typischen Migränesymptome Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit. Nur in einer Studie wurde Almotriptan direkt mit einem anderen Triptan verglichen. Hierbei erwiesen sich 12,5 und 25 mg des Arzneistoffs 100 mg Sumatriptan in der Schmerzlinderung als ebenbürtig. Um den endgültigen Stellenwert von Almotriptan in die Gruppe der Triptane zu bestimmen, müssen weitere Studien, in denen die einzelnen Substanzen direkt miteinander verglichen werden, durchgeführt werden. Das Nebenwirkungsprofil von Almotriptan ähnelt dem der anderen Triptanen.

 

Im Vergleich zu Sumatriptan führt die neue Substanz seltener zu kardiovaskulären Nebenwirkungen (Vasokonstriktion der Koronarien). Dennoch ist auch Almotriptan bei ischämischen Herzkrankheiten sowie schwerer Hypertonie kontraindiziert. Almotriptan wird zu 40 Prozent unverändert über die Niere ausgeschieden. Den Rest baut der Organismus überwiegend mit Hilfe des Enzyms Monoaminoxidase A ab.


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