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Uridinmonophosphat: Mit Zellbaustein gegen Rückenschmerz

PHARMAZIE

 
Uridinmonophosphat

Mit Zellbaustein gegen Rückenschmerz

Von Christiane Berg, Damp

 

Schmerzen im Rücken können die Lebensqualität erheblich einschränken. Eine ergänzende bilanzierte Diät mit dem Zellbaustein Uridinmonophosphat (UMP), Vitamin B12 und Folsäure kann die Schmerzen lindern und den Analgetikabedarf senken.

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»Rückenleiden sind in Deutschland Volkskrankheit Nummer eins. Aufgrund von Rückenproblemen befinden sich derzeit circa 25 Millionen Bundesbürger in ärztlicher Behandlung«, sagte Dr. Michael Lorrain, Düsseldorf, auf einem Pressegespräch von Trommsdorff. Der niedergelassene Neurologe verwies auf die Zunahme chronischer Rückenschmerzen durch Haltungsschäden, Bewegungsmangel, einseitige berufliche Belastung und psychischen Stress. Die Läsionen peripherer sensibler Nervenfasern insbesondere durch HWS/LWS-Syndrome gehen nicht nur mit Schmerzen, sondern auch mit Dys- und Paraesthesie einher. Kennzeichnend für Läsionen motorischer Nervenfasern zum Beispiel bei Bandscheiben-Vorfall seien Lähmungen, Reflexverlust, Muskelschwund und Kraftlosigkeit.

 

Immer, so Lorrain, müssen Wirbelsäulensyndrome multimodal behandelt werden. Bei akutem Schmerz kommen erfolgreich Analgetika, physikalische Therapie und Krankengymnastik zum Einsatz. In der Therapie des chronischen Schmerzes hätten sich neben der bilanzierten Diät mit UMP auch  komplementärmedizinische Maßnahmen wie Akupunktur und Yoga sowie manuelle Techniken wie Osteopathie, Shiatsu oder Feldenkrais bewährt. Körperliche Aktivität und gegebenenfalls Gewichtsreduktion seien unumgänglich.

 

Trotz guter Erfolge werden psycho- und hypnotherapeutische Verfahren zu wenig genutzt. »Viel zu oft und zu lang werden Muskelrelaxanzien und Benzodiazepine mit nicht unerheblichem Suchtpotenzial verschrieben. Zu häufig und ungerechtfertigt werden zudem chirurgische Maßnahmen eingeleitet«, kritisierte Lorrain. Operationen seien lediglich bei motorischen Ausfällen angezeigt. »Keine Lähmungen, keine OP«, sagte Lorrain.

 

Signifikante Schmerzreduktion

 

Die Bedeutung einer ergänzenden bilanzierten Diät mit Uridinmonophosphat (UMP), Vitamin B12 und Folsäure bei Wirbelsäulensyndromen hob Uwe Rückert hervor. »Schmerzen werden gelindert, der Analgetika-Bedarf wird gesenkt«, so der Oberarzt der Orthopädie II der Reha-Klinik Damp. Dies belege eine im vergangenen Jahr in Damp durchgeführte Studie mit 123 Patienten, die sich einer minimalinvasiven endoskopischen Bandscheiben-Operation (Nukleotomie) unterzogen hatten.

 

83 Probanden der Verumgruppe erhielten über drei Wochen täglich 50 mg UMP in Kombination mit 0,003 mg Vitamin B12 und 0,4 mg Folsäure (1 Kapsel Keltican® forte). Als Hauptzielkriterien wurden nach 14 und 21 Tagen die Schmerzintensität anhand der visuellen Analogskala (VAS) sowie die Lebensqualität mithilfe des standardisierten QLQ-C-30-Fragebogens in Relation zum initialen Schmerzlevel ermittelt. Rückert: »Im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigte die Verumgruppe eine signifikante Schmerzreduktion. Auch der Bedarf an NSAIDs wurde gesenkt.«

 

Diese Ergebnisse, so der Orthopäde, stünden in Analogie zu der von Liebenau et al. 2003 durchgeführten randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudie in acht orthopädischen Praxen an 80 Patienten im Alter zwischen 20 und 55 Jahren mit einem zuvor unbehandelten, maximal drei Tage anhaltendem Lumbago. Über einen Zeitraum von vier Tagen wurden den Probanden täglich 19,34 mg UMP beziehungsweise eine physiologische Kochsalzlösung gespritzt. Bereits 24 Stunden nach erstmaliger UMP-Infusion habe die Verum-Gruppe über eine signifikante Schmerzreduktion in Bewegung und in Ruhe berichtet.  

 

Reparaturvorgänge aktivieren

 

»Uridinmonophosphat zeigt bei Wirbelsäulensyndromen analgetische Effekte. Die neuroregenerative Wirkung ist belegt«, unterstrich Uwe Gröber, Essen. Der Apotheker erläuterte, dass Uridin und Cytidin in der Frühphase von Nervenläsionen verstärkt eingebaut werden. Nach Nervenläsionen sei der Bedarf an neurotropen Pyrimindinnukleotiden erhöht. Jedoch seien Nervenzellen aufgrund ihrer Enzymausstattung nicht in der Lage, diese selbst herzustellen, und somit auf Zufuhr von außen angewiesen. Am geschädigten Neuron, so Gröber, greifen Nukleotide sowohl in die Syntheseprozesse der Nukleinsäuren und Myelinscheiden als auch in energieliefernde Stoffwechselprozesse ein.

 

In Tierversuchen, so der Pharmazeut, ist nach Gabe von Pyrimindinnukleotiden eine signifikante Beschleunigung der Regeneration traumatisch geschädigter Nervenzellen mit erhöhter sensibler und motorischer Faserleitgeschwindigkeit festgestellt worden. Die Applikation von Uridin- und Cytidinmonophosphat hat in placebokontrollierten Studien an Ratten mit künstlich herbeigeführten traumatischen Nervenläsionen zudem zu einer signifikanten Vergrößerung der mittleren Faserfläche auf Basis einer beschleunigten Mylinscheiden- und Axonreifung geführt, sagte der Referent.

 

Uridinmonophosphat ist Dreh- und Angelpunkt der endogenen Synthese von Pyrimindinnukleotiden als Bausteine der Nukleinsäuren und somit der DNA und RNA. UMP besitzt vielfältige Funktionen im Zellstoffwechsel und der Zellregeneration. Bei Nervenschädigungen fördern die aus UMP entstehenden, physiologisch aktiven Uridin- und Cytidinphosphate intraneuronal die Proteinbiosynthese und stellen eine ausreichende Enzymversorgung sicher.

 

Als Bestandteile gruppenübertragender Coenzyme, so Gröber, stimulieren sie die Synthese von Phospho- und Glykolipiden beziehungsweise -proteinen und beschleunigen so den Wiederaufbau neuronaler Membranbestandteile. Gröber hob die kombinierte Gabe von UMP mit Folsäure und Vitamin B12 als sinnvoll hervor. Die neurotropen Vitamine seien gleichermaßen essenziell für den Nervenstoffwechsel und somit für die Integrität der Nervenzellmembran.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 29/2009

 

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