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Säuglingsbotulismus: Honig bringt Babys in Gefahr

MEDIZIN

 
Säuglingsbotulismus

Honig bringt Babys in Gefahr

Von Stephanie Schersch

 

Bienenhonig schmeckt zuckersüß und ist vergleichsweise gesund. Gern wird er daher auch bei Säuglingen eingesetzt, etwa zum Süßen von Tee oder aber, um wunde Brustwarzen zu bestreichen und Saughemmungen des gestillten Babys zu überwinden. Doch kann Honig bei Säuglingen in Einzelfällen schwere Vergiftungen auslösen.

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Gelegentlich tritt das Bakterium Clostridium botulinum als Verunreinigung in Honig auf. »Gelangen diese Erreger in den Säuglingskörper, kann das schwerwiegende Folgen haben«, sagt Dr. Mathilde Kersting vom Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund der PZ.  Die Darmflora von Babys befindet sich in den ersten zwölf Lebensmonaten noch in der Entwicklung. Keime haben es somit leicht, sich anzusiedeln und eine schädliche Wirkung auszuüben. Im Falle von Clostridium botulinum kommt es dabei zum Aufkeimen der Sporen, beziehungsweise zur Vermehrung der Bakterien und zur Produktion von Toxinen. Dieses Botulinumgift tritt über die Darmschleimhaut in den Blutkreislauf des Säuglings über, gelangt so an die Nerven-endigungen und hemmt dort die Ausschüttung des neuronalen Botenstoffes Acetylcholin. Eine zunehmende Lähmung aller Muskeln ist die Folge. Neben dem Darmstillstand kann es zu Lähmungen der Schluck-, Augen-, Arm- und Beinmuskeln, zur Schwächung der Atemhilfsmuskulatur und sogar zum Tode des Säuglings kommen. In Akutfällen ist sofort eine intensivmedizinische Behandlung nötig.

 

Doch die eindeutige Diagnose ist häufig nur schwer möglich. Von der Infektion bis zur Intoxikation und ersten Vergiftungserscheinungen vergehen mitunter einige Tage bis Wochen, sodass ein Zusammenhang häufig nicht direkt gestellt wird. Zu den Symptomen, die auf eine Vergiftung hinweisen, zählen Saug- und Schluckstörungen, Heiserkeit, fehlende Mimik, allgemeine Muskelschwäche und eine damit verbundene Bewegungsarmut.

 

Clostridium botulinum ist als Auslöser von Lebensmittelintoxikationen bekannt. Das Bakterium findet sich als Bodenbewohner häufig an landwirtschaftlichen Produkten, wie etwa frischen Früchten oder Gemüse. Unter Sauerstoffabschluss kann sich es sich vermehren und Toxine freisetzen. Es tritt in Honig in für den Erwachsenendarm ungefährlichen Dosen auf. Dem Säuglingsdarm fehlen dagegen Abwehrmechanismen gegen den Erreger. 

 

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts treten in Deutschland immer wieder einzelne Fälle von Säuglingsbotulismus auf, die sich unter Umständen auf Bakterien oder Sporen aus Honig zurückführen lassen. Das Risiko einer Infektion ist in den ersten sechs Monaten besonders hoch. »Auf Honig sollte das gesamte erste Lebensjahr in der Säuglingsernährung verzichtet werden«, rät Kersting. »Das Süßen von Brei oder Tee ist ohnehin nicht erforderlich und birgt nur unnötige Gefahren.«

 

Neben den Infektionen durch Honig sind in den USA einige Fälle bekannt, in denen der Säuglingsbotulismus durch Ahornsirup verursacht wurde. Auch hier gilt es somit, entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Keine Gefahr geht dagegen von Honig aus, der in Fertigprodukten wie Brei oder Saft enthalten ist. »Diese Nahrungsmittel wurden in der Regel auf hohe Temperaturen und unter Druck erhitzt, wobei mögliche Bakterien abgetötet werden«, so Kersting.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 29/2009

 

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