Pantoprazol in der Selbstmedikation

Von Claudia Borchard-Tuch, Baden-Baden
Als erster Protonenpumpenhemmer hat Pantoprazol die Zulassung als OTC-Präparat erhalten. Empfohlen wird, die Behandlung ohne ärztlichen Rat nicht länger als vier Wochen durchzuführen. Neben der medikamentösen Therapie ist oftmals eine Änderung des Lebenswandels empfehlenswert.
Unter Sodbrennen versteht man die gastroösophageale Refluxkrankheit, bei der der untere Ösophagusschließmuskel erschlafft ist und es zu einem Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre kommt. Etwa jeder dritte Deutsche leidet ab und zu daran. »Sodbrennen ist eine Erkrankung, die viele Menschen quält«, konstatierte Dr. Matthias Schneider, Apotheker aus Dillingen, auf einer Veranstaltung von Nycomed. »Die meisten bitten als Erstes ihren Apotheker um Hilfe.« Laut einer Umfrage geht sogar knapp die Hälfte der Betroffenen zunächst in die Apotheke. Nur etwa jeder Zehnte sucht Hilfe beim Arzt (1).
Mit dem rezeptfreien Protonenpumpenhemmer Pantoprazol (Pantozol Control®) steht dem Apotheker neben H2-Blockern und Antacida nun ein weiteres Arzneimittel zur wirksamen Bekämpfung von Refluxsymptomen zur Verfügung. »Pantoprazol in der Selbstmedikation schließt eine Lücke im Apothekensortiment«, sagte Schneider. Zugelassen ist das Präparat zur kurzzeitigen Behandlung von Refluxsymptomen wie Sodbrennen und saurem Aufstoßen bei Erwachsenen. Die magensaftresistenten Tabletten enthalten 7 beziehungsweise 14 Tabletten mit jeweils 20 mg des Wirkstoffs. Die empfohlene Tagesdosis ist eine Tablette, bis die Symptome abgeklungen sind.
Der Apotheker sollte den Patienten darauf hinweisen, dass die magensaftresistenten Tabletten nicht gekaut oder zerkleinert werden dürfen, sondern im Ganzen mit ausreichend Flüssigkeit vor einer Mahlzeit eingenommen werden sollten. Zudem sollte er den Patienten darüber informieren, dass mit den Tabletten keine sofortige Linderung der Beschwerden eintritt. Zur Besserung der Symptome kann es notwendig sein, das Arzneimittel an zwei bis drei aufeinanderfolgenden Tagen einzunehmen (2).
Der Wirkstoff Pantoprazol ist als verschreibungspflichtiges Medikament in Deutschland schon seit 15 Jahren auf dem Markt. Weltweit wurden bisher 650 Millionen Menschen therapiert (3). Die Datenlage zur Wirksamkeit und Sicherheit ist daher sehr umfangreich (4).
Zusätzlich Ernährung umstellen
»Das gelegentliche Sodbrennen ohne Alarmsymptome (Anämie, Gewichtsverlust, schmerzhaftes Schlucken) bedarf keiner sofortigen Abklärung«, erklärte Professor Dr. Jürgen F. Riemann, Gastroenterologe aus Ludwigshafen. Nur etwa 10 bis 20 Prozent der Betroffenen entwickeln ausgeprägte Entzündungen in der Speiseröhre. Die Entwicklung eines Speiseröhrenkrebses ist eher selten (5).
»Der Patient muss aber wissen, wann die Selbstmedikation ein Ende hat«, so Riemann. Der Apotheker sollte den Patienten darauf aufmerksam machen, dass Pantozol Control ohne ärztliche Abklärung nicht länger als vier Wochen eingenommen werden darf. Auch dann, wenn sich die Symptome nicht innerhalb von zwei Wochen bessern, ist ein Arztbesuch zu empfehlen.
Neben der medikamentösen Therapie ist oftmals eine Änderung des Lebenswandels von Nutzen. Empfehlenswert ist es, den Oberkörper nachts hoch zu lagern. Häufig ist es hilfreich, die Ernährungsgewohnheiten zu ändern: Spätes Abendessen, Fast Food, fettreiche Mahlzeiten, viel Kaffee und Alkohol gehen mit einer Refluxerkrankung einher und müssen vermieden werden. Auch Stress, Nikotin und Adipositas sind Risikofaktoren: Eine Ösophagitis heilt besser, wenn gleichzeitig abgespeckt wird (6).