86 Zytostatika

 Alemtuzumab (MabCampath® Infusion ; MedacSchering)


Seit August 2001 wird auch in Deutschland der humanisierte monoklonale Antikörper Alemtuzumab zur Therapie von Patienten mit Chronisch Lympathischer Leukämie (CLL) vertrieben. Mit MabCampath® dürfen Patienten behandelt werden, die bereits Alkylantien erhalten haben und bei denen die Therapie mit dem Purinanalogon Fludarabin (Fludara® ) nicht ansprach. Der rekombinant hergestellte Antikörper Alemtuzumab bindet spezifisch an CD52, ein Protein, das in großer Zahl auf der Oberfläche von leukämischen und gesunden Leukozyten vorkommt. Die genaue Funktion des CD52-Antigens ist noch nicht geklärt. Es wird jedoch in hoher Dichte auf Monozyten und Makrophagen exprimiert, nicht jedoch auf Vorläufer- und Stammzellen. Nach dem Andocken löst sich der Antigen-Antikörper-Komplex auf und die entartete Blutzelle geht zu Grunde.
CLL zählt zu den Non-Hodgkin-Lymphomen und ist weltweit die häufigste Leukämieform bei Erwachsenen. Alleine in Europa sind circa 60 000 Menschen betroffen. Die Krankheit verläuft schleichend meist über Jahre. Zunächst leiden die Patienten unter Müdigkeit und Infektanfälligkeit. Später schwellen Lymphknoten sowie Milz und Leber an. CLL ist durch ein vermehrtes Auftreten von unreifen weißen Blutkörperchen charakterisiert.
Neben Zytostatika und der autologen Stammzelltransplantation eröffnen immuntherapeutische Strategien neue therapeutische Ansätze. In klinischen Studien haben Wissenschaftler inzwischen Rituximab (MabThera® ), einen chimären Antikörper gegen CD20-Antigene, sowie Ibritumomab (Zevalin®), eine radioaktiv markierte Variante, untersucht. Beide Substanzen sind bislang nicht für CLL-Patienten zugelassen.
Die Daten der Zulassungsstudie zeigen für Alemtuzumab, das in den USA bereits als Campath-1H™ auf dem Markt ist, im Vergleich zu Rituximab bessere Ansprechraten. Bis zu 33 Prozent der Vorbehandelten erreichten eine Remission. Dieser Erfolg geht jedoch mit teils drastischen Nebenwirkungen einher, da der Antikörper nicht nur entartete sondern auch gesunde Leukozyten eliminiert.
Insgesamt drei klinische Studien dokumentieren die Wirksamkeit von Alemtuzumab. Die meisten CLL-Patienten hatten zuvor Alkylantien erhalten und Fludarabin sprach nicht mehr an. Die partielle Remissionsrate unter Alemtuzumab lag im Schnitt bei 30 Prozent und die mediane Überlebenszeit bei 16 Monaten. Dennoch konnten in einer Studie nur ein Bruchteil und ansonsten gar keine Patienten völlig geheilt werden. Leider wird die Alemtuzumab-Therapie mit einer relativ hohen Nebenwirkungsrate erkauft. Im Vordergrund stehen auf Grund der Immunsupression Infektionen und Veränderungen im Blutbild. Daher darf Alemtuzumab nur von erfahrenen Ärzten verabreicht werden. Über 10 Prozent aller Patienten leiden an Infektionskrankheiten, die meist durch Herpesviren oder Pneumokokken ausgelöst werden. Die prophylaktische Gabe von Antiinfektiva kann daher nützlich sein. Zusätzlich leiden bis zu 10 Prozent der Behandelten unter schweren und sogar teils tödlich verlaufenden Blutbildveränderungen wie Granulozyto-, Thrombozyto- und Leukopenien.
Der Hersteller empfiehlt ein genau definiertes Therapieschema. Die Einzeldosen müssen jeweils über zwei Stunden intravenös verabreicht werden. Prophylaktisch sollten die Patienten Antihistaminika, Analgetika, Antibiotika und Virustatika erhalten.
Trotz der gravierenden Nebenwirkungen eröffnet Alemtuzumab in der Leukämietherapie neue Möglichkeiten, besonders für die Patienten, bei denen andere Pharmaka nicht mehr ansprachen. 
|