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EDITORIAL

Gefundenes Fressen

Das war keine gute Woche für die Außenwirkung der deutschen Apotheker. Erst verhängt das Bundeskartellamt Geldbußen von insgesamt 1,2 Millionen Euro gegen die ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, drei Landesverbände und fünf Einzelpersonen. Der Vorwurf: kartellrechtswidrige Aufrufe zum Boykott des Großhändlers Gehe, dessen Mutterkonzern Celesio im April 2007 DocMorris übernommen hatte (siehe dazu Bundeskartellamt: Apothekerschaft widerspricht Bußgeldbescheiden). Ein gefundenes Fressen für die Tageszeitungen. Genüsslich nehmen sie die Bußgeldbescheide zum Anlass, um ein in der Öffentlichkeit verbreitetes Vorurteil zu bedienen: das Klischee vom Apotheker, der seine Pfründe gegen Konkurrenz verteidigt und sich mit allen Mitteln gegen Wettbewerb wehrt. Dass die Bescheide des Kartellamts keineswegs rechtskräftig sind, geht dabei schnell unter. Die ABDA jedenfalls weist die Vorwürfe zum Boykottaufruf zurück und will den Rechtsweg beschreiten - falls nötig bis zur höchstrichterlichen Entscheidung. Das ist ihr gutes Recht. Die Standesvertretung wird es nicht zulassen, dass ihr die unabhängige Vertretung ihrer Mitglieder genommen werden soll, bekräftigt ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf kämpferisch.

 

Doch die Bußgeldbescheide des Kartellamts sollten nicht das einzige Ärgernis dieser turbulenten Woche bleiben. Ein Fernsehbeitrag sorgte dafür, dass die Apotheker nochmals in ein schlechtes Licht gerückt wurden. Das ARD-Magazin »Report München« kritisierte angebliche Schummeleien bei der Abrechnung von Omeprazol-Packungen (siehe dazu Stückelung: Fernsehbeitrag kritisiert Apotheker). Wiederum stürzten sich die Medien auf die Nachricht, allen voran die Zeitung mit den besonders großen Buchstaben. Apotheker sollen statt verordneter Großpackungen mehrere kleine Packungen abgegeben haben, die sie günstiger einkaufen können. Der Preisvorteil, so der Vorwurf des Fernseh-Magazins, wandere in die Taschen der Apotheker. Mit den Krankenkassen werde die Großpackung abgerechnet. Wenn es sich hier tatsächlich nicht um Lieferschwierigkeiten handelt, sondern um bewusste Stückelung, muss das geahndet werden, findet der Deutsche Apothekerverband (DAV). Er fordert aber auch die Pharmahersteller auf, ihre Preispolitik zu überdenken. Schließlich ist es ja die Industrie, die beispielsweise eine 100er-Packung teurer verkauft als zwei 50er-Packungen, was jeder marktwirtschaftlichen Logik widerspricht. Das ist der eigentliche Skandal, denn wenn den Krankenkassen ein Schaden entsteht, dann dadurch.

 

Dr. Uta Grossmann

Ressortleitung Wirtschaft und Handel



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