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Pharmaweekend: Weiterbildung an der Ostseeküste

CAMPUS

 
Pharmaweekend

Weiterbildung an der Ostseeküste

Von Elisabeth Kersten

 

Angehende Apotheker und Ärzte kombiniert mit wissenschaftlichen Vorträgen und einer steifen Brise auf einem Segelschiff – fertig ist ein rundum gelungenes Pharmaweekend. Wie es geht, zeigte die Fachschaft Greifswald am ersten Juniwochenende. Zu der Weiterbildung des BPhD kamen mehr als hundert Studenten.

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Schon viele Wochen vorher war die Aufregung groß, denn das Pharmaweekend versprach, alles zu übertreffen. Hochkarätige Dozenten hatten sich für das wissenschaftliche Rahmenprogramm angekündigt, ein Abstecher in die Ostsee mit einem Segelschiff war geplant, Plakate und Flyer luden die Studierenden in die Hansestadt Greifswald. Die Anmeldungen für die Tagung zur Weiterbildung und Vernetzung stapelten sich beim Organisationsteam der Fachschaft Greifswald und Stephanie Lange, der Schatzmeisterin des BPhD, und so wurden aus ursprünglich knapp über hundert eingeplanten Kongressteilnehmern letztendlich rund 180. Zeitweise bangten viele Studierende um ihren Platz beim Pharmaweekend, da sich eine sehr lange Warteliste gebildet hatte. Der große Andrang lässt sich auch mit einer kleinen Premiere begründen: Zum ersten Mal konnten sich Medizinstudenten anmelden. Mit solchen gemeinsamen Aktionen angehender Ärzte und Apotheker soll die Zusammenarbeit der Gesundheitswissenschaftler schon im Studium enger werden.

 

Die Vorträge des wissenschaftlichen Rahmenprogramms drehten sich um das Thema Onkologie. Hervorragende und sehr bekannte Hochschulprofessoren und Vertreter großer Gesellschaften waren der Einladung von Jan Erdmann, dem BPhD-Beauftragten für Bildung und Tagung, gefolgt und gaben dem Pharmaweekend ein sehr hohes fachliches Niveau. Zur Begrüßung hörten die Studierenden einen Festvortrag von Klaus Meier. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Onkologische Pharmazie (DGOP) und der European Society of Oncology Pharmacy (ESOP) betonte vor allem die wichtige Rolle der Klinischen Pharmazie. Zudem regte er zu einer verstärkten Zusammenarbeit aller Gesundheitsberufler an, die an einer Therapie beteiligt sind.

 

Reggae-Klänge beim Vortrag

 

Der gesamte Sonnabend stand im Zeichen der Weiterbildung. Mit jamaikanischer Reggae-Musik starteten Professor Dr. Theo Dingermann und Professor Dr. Dieter Steinhilber aus Frankfurt am Main. Die beiden stellten in ihrem außergewöhnlichen Vortrag das Krankheitsbild des schwarzen Hautkrebses vor und kombinierten das Thema mit der Biografie des Musikers Bob Marley, der an dieser Erkrankung gestorben ist. Zwar gibt es einige therapeutische Ansätze für die Behandlung des malignen Melanoms, doch kein Medikament kann den Tumor in einem späten Stadium effektiv aufhalten.

 

Bei vielen anderen Krebsarten haben Chemotherapeutika einen größeren Effekt, jedoch können die Tumorzellen Resistenzen gegen die Medikamente ausbilden. Diese Probleme erklärte Dr. Patrick Bednarski, Professor für pharmazeutische Chemie an der Universität Greifswald. Es gibt zwar ein breites Wissen über die Resistenzentstehung, aber bisher wenig Möglichkeiten, diesen entgegenzuwirken. Oft werden mehrere Chemotherapeutika miteinander kombiniert. Falls das nicht wirkt, gibt es relativ wenige Alternativen, außer einem Wechsel der aktuellen Medikation.

 

Eine große Rolle spielt auch die Palliativmedizin in der Krebstherapie. Welche Chancen Apotheker in diesem Bereich haben, darüber referierte Klaus Ruberg von der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin. So sind Pharmazeuten gefragte Experten bei parenteraler Medikamentengabe oder Ernährung. Jedoch werden die Möglichkeiten einer gewinnbringenden Zusammenarbeit der Gesundheitswissenschaftler in Deutschland noch zu wenig genutzt.

 

»Nichts ist schlimmer als das Gefühl, einer Sache ohnmächtig gegenüberzustehen.« Angelika Richter bekam vor acht Jahren die Diagnose Brustkrebs. Die Referentin von der »Frauenselbsthilfe nach Krebs« hatte damals viele Fragen, große Angst und fühlte sich oft von Ärzten und Apothekern mit ihren Problemen alleingelassen. Nachdem sie die Krankheit erfolgreich überwunden hatte, entschloss sie sich, anderen Frauen mit ähnlichem Schicksal zu helfen. Von den Studierenden forderte Richter vor allem, eine Beteiligung des Patienten an der Behandlung und eine bessere Information über die Krankheit und ihre Folgen und regte auch dazu an, stärker mit Psychologen zusammenzuarbeiten, zum Beispiel beim Überbringen der Diagnose.

 

Ein Target vieler Krebsmedikamente sind Hormonrezeptoren. Denn viele Hormone begünstigen das Wachstum von Tumorzellen, zum Beispiel beim Brustkrebs. Dr. Rolf Hartmann, Professor für pharmazeutische Chemie an der Universität des Saarlandes, erklärte, wie man auf der Basis dieser Theorie dabei vorgeht, einen Hormonrezeptorantagonisten als Arzneistoff zu entwickeln und bot damit einen guten Einblick in die aktuelle Medikamentenforschung.

 

Eine Seefahrt, die ist lustig

 

Neben dem wissenschaftlichen Programm hatten die Kongressteilnehmer am Sonntag die Gelegenheit, die Hansestadt Greifswald in einem ausgiebigen Freizeitprogramm zu erkunden. Die Wahrzeichen der Stadt, wie den Museumshafen, den Stadtwall, die gotischen Kirchen und das Geburtshaus des Malers Caspar David Friedrich, sahen die Studierenden bei einer Stadtrallye. Wer das wissenschaftliche Rahmenprogramm noch ein wenig weiter ausdehnen wollte, schaute sich den botanischen Garten an oder nahm an einer Rundführung durch das Biotechnikum teil. Rund 50 Studierende begaben sich mit dem stadteigenen Segelschiff Greif für einen halben Tag hinaus auf die Ostsee. Hierfür konnte man sich vorher online anmelden, jedoch war der Ansturm für das Schiff einzigartig, denn schon nach wenigen Stunden waren alle Plätze vergeben.

 

Um in den hohen Norden zu kommen, haben manche Teilnehmer lange Strecken zurückgelegt. Eine Gruppe Freiburger Studierender war schon drei Tage früher nach Greifswald gereist, damit sich die lange Fahrtzeit richtig lohnt. Ein paar Studierende aus Österreich scheuten ebenfalls keine Mühen, um den Weg zur Ostsee zurückzulegen. »Wir sind zwölf Stunden mit dem Zug hergefahren, aber der Kongress ist mal etwas anderes, wir sammeln neue Eindrücke und lernen neue Leute kennen«, sagte der Wiener Pharmaziestudent Benedikt Semelliker.

 

Auch die Mediziner-Premiere ist gut angekommen, rund 15 angehende Ärzte waren beim Kongress dabei und es kam zum regen Austausch zwischen beiden Fachrichtungen. »Der Funke ist übergesprungen und die Mediziner konnten aus den Vorträgen viel mitnehmen. Darauf können wir aufbauen«, sagt Jan Erdmann, der für die Initiative zur Zusammenarbeit angehender Gesundheitsberufler verantwortlich ist. Weitere gemeinsame Aktionen sind bereits geplant. Beim Bundeskongress der Mediziner im November in Jena findet eine Art Gegenbesuch statt.

 

»Wir freuen uns sehr darüber, dass wir so viel positives Feedback bekommen haben«, sagt Gloria Steiner. Zusammen mit Karl-Peter Jahns und Franziska Scherer hat die Greifswalder Studentin die Fäden bei der Organisation des Kongresses in der Hand gehabt. Zusammen mit insgesamt 20 Kommilitonen haben die drei Studenten die Tagung ein Jahr lang vorbereitet und durch professionelle Organisation für einen reibungslosen Ablaufs des Wochenendes gesorgt.

 

Das nächste Pharmaweekend findet im Süden Deutschlands statt, denn die Fachschaft München lädt angehende Apotheker und Ärzte zur Weiterbildung in die bayrische Landeshauptstadt ein.


Außerdem in dieser Ausgabe...

Beitrag erschienen in Ausgabe 26/2009

 

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