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Ganzheitliche Pharmazie: Erste deutsche Saint-Charles-Apotheke

WIRTSCHAFT UND HANDEL

 
Ganzheitliche Pharmazie

Erste deutsche Saint-Charles-Apotheke

Von Uta Grossmann, Berlin

 

Deutschlands erste Saint-Charles-Apotheke hat vorige Woche in Berlin eröffnet. Das Konzept setzt auf Hausspezialitäten und eine ganzheitliche Philosophie. Der Berliner Apotheker-Verein reagierte zunächst abwartend auf den neuen Paradiesvogel.

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In den Regalen stehen Tiegel mit Kosmetikprodukten, ätherischen Ölen und Nahrungsergänzungsmitteln, als Hausspezialitäten erkennbar an der einheitlichen Aufmachung mit Saint-Charles-Logo. Preisschilder sind nicht zu sehen, viel massives Eichenholz trägt zu einer Atmosphäre vornehmer Zurückhaltung bei in der neuen Apotheke in der Pariser Straße, nicht weit vom Kurfürstendamm.

 

Sabine Zeeck ist überzeugt von Saint Charles. Die 43 Jahre alte Apothekerin wagt mit der Eröffnung der ersten Saint-Charles-Apotheke in Deutschland den Schritt in die Selbstständigkeit. Zuvor leitete sie eine Apothekenfiliale in Hamburg und war auf der Suche nach einem besonderen Apothekenkonzept, das ihre Vorlieben für einen ganzheitlichen pharmazeutischen Ansatz und die Phytotherapie verbindet.

 

Traditionelle Europäische Medizin

 

Das glaubt sie mit Saint Charles gefunden zu haben. »Das ist richtige Pharmazie, altes Handwerk«, sagt sie mit Blick auf die Eigenprodukte, die in Österreich aus heimischen Heilkräutern gefertigt werden. Altes Wissen der Traditionellen Europäischen Medizin (TEM) soll hier zum Zuge kommen. Sie will klassische Pharmazie und Naturheilkunde verbinden und die Prävention in den Vordergrund stellen.

 

Zeeck hat in der Apotheke einen eigenen Raum für Beratung eingerichtet. Sie plant Veranstaltungen mit einer Heilpraktikerin über klassische Homöopathie, Ausflüge zu einem ökologisch betriebenen Pilzhof im Brandenburger Land, Events mit gesundem Buffet, Vortrag und Fragerunde, bei denen sich die Teilnehmer austauschen können. Den ganzheitlichen Ansatz will sie konsequent leben, mit Mülltrennung und Ökostrom. Stromfressende Leuchten hat sie ausgebaut und durch energiesparende ersetzt.

 

Alexander Ehrmann hat das etwas andere Saint-Charles-Konzept erfunden. Der Wiener ist Apotheker in der sechsten Generation. Er hat die heutige Saint-Charles-Apotheke 2002 gemeinsam mit Martin Rohla und der inzwischen ausgeschiedenen Nicola Hitchman übernommen. Das Konzept hat einige bunte Blüten getrieben: Es gibt unter dem Label Saint Charles ein »Cosmothecary« genanntes Naturkosmetik-Geschäft, ein Zentrum für Wohlbefinden namens »Hideaway« mit Bach-Blüten-Begleitung, Sakralenergetik und Yoga, ein Apotheken-Restaurant, in dem nur mit biologischen Zutaten gekocht wird, und einen Bauernhof als Refugium, wo die Kräuter für die Phytotherapie-Serie gesammelt werden.

 

Ehrmann sagt von sich, er sei mit Leib und Seele Apotheker. Er verstehe sich als Gesundheitsdienstleister, dem es nicht genüge, »ein Rezept entgegenzunehmen und wortlos eine Packung rüberzuschieben«, sagte er im Gespräch mit der PZ. Er will mit der Kompetenz des Pharmazeuten punkten. Bei Hautproblemen etwa könne er fachlich fundiert helfen, »das kann eine Drogerieverkäuferin nicht«. In der Apotheke könne sich jeder gratis von einer akademischen Fachkraft beraten lassen, »wo gibt's das denn sonst?«.

 

Die Apotheke solle keine anonyme Geschichte sein. »Als Heilberufler will ich eine Beziehung zu den Menschen aufbauen.«

 

Vermarktung als Premium-Konzept

 

In Österreich arbeiten 24 Mitarbeiter für Saint Charles. Ehrmann möchte das Konzept als Franchise in Deutschland anbieten, die Berliner Apotheke ist sozusagen der Modellversuch, um zu testen, ob Saint Charles auch hierzulande funktioniert.

 

Horst Tiedtke will Saint Charles als Premium-Apotheken-Konzept in Deutschland vermarkten. Der Volkswirt ist Geschäftsführer des Münchner Instituts für innovatives Marketing im Gesundheitswesen (IMG), das nach seinen Angaben 500 Apotheken verschiedener Konzepte betreut, darunter Diabetes Vital, Anti-Aging-Apotheke und derzeit 23 »preisaktive« Farma-Plus-Apotheken. Dieses Jahr seien noch zwei bis drei weitere Saint-Charles-Apotheken geplant, sagte er der PZ. Er denkt auch an ein Shop-in-Shop-System mit Saint-Charles-Produkten für normale Apotheken.

 

Der Berliner Apotheker-Verein (BAV) verhält sich zunächst abwartend gegenüber dem neuen Paradiesvogel in der Hauptstadt. BAV-Sprecher Jan Ott sagte: »Der Anspruch an die Beratungsqualität in Apotheken kann kaum hoch genug sein. Wir sind daher gespannt, ob die Saint-Charles-Apotheke den selbst gesetzten hohen Maßstäben gerecht wird und das Konzept aus Wien funktioniert ­ dem Vernehmen nach soll ja auch ein österreichischer Unternehmensberater dahinterstecken.«


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Beitrag erschienen in Ausgabe 20/2009

 

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