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»Weiße Wächter«

EDITORIAL

 
»Weiße Wächter«

Benzodiazepine können süchtig machen. Ein alter Hut, sollte man meinen. Doch jetzt belegt eine Studie, dass immer noch viel zu sorglos mit den Substanzen umgegangen wird. Wie das Hamburger Institut für interdiziplinäre Sucht- und Drogenforschung herausgefunden hat, erhalten etwa 1,5 Millionen Menschen in Deutschland die süchtig machenden Präparate länger als in den Leitlinien vorgesehen ist. 800.000 von ihnen entwickeln aufgrund der Verschreibungen eine Sucht, berichtet das Nachrichtenmagazin »Der Spiegel« in seiner aktuellen Ausgabe.

 

Besorgniserregend ist, dass Mediziner Benzodiazepine immer häufiger privat verschreiben. Zwei Drittel der Verordnungen sollen die Privatrezepte bereits ausmachen, schätzen Experten. Eine Kontrolle fällt schwer. Hier ist gerade bei Apothekern Sensibilität gefragt, um die Anzeichen einer Medikamentenabhängigkeit zu erkennen und angemessen zu reagieren (siehe dazu Suchtbekämpfung: Wie Apotheker helfen können). Der erste Schritt ist, den verschreibenden Arzt anzusprechen. Denn nur durch die Zusammenarbeit von Arzt und Apotheker lässt sich das Problem Medikamentensucht erfolgreich angehen.

 

Wie wichtig die beiden Berufsgruppen für die Suchtprävention sind, weiß auch die Politik. Als »weiße Wächter« bezeichnet sie die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, im Interview (siehe dazu Suchtprävention: Die Apotheker sind wichtige Partner). Sie können einen entscheidenden Beitrag leisten, Menschen von dem Weg in die Sucht abzubringen. Eine Hilfe für die täglich Praxis in Apotheken bietet der Leitfaden der Bundesapothekerkammer »Medikamente: Abhängigkeit und Missbrauch«.

 

Neben den Benzodiazepinen haben noch eine Reihe anderer Medikamente Missbrauchspotenzial, auch solche, von denen es bislang nicht bekannt war. In die Presse geraten sind die sogenannten Neuroenhancer - Dopingmittel fürs Hirn. Um die Leistung zu steigern, werden neben Stimulanzien wie Methylphenidat auch GABA-Derivate und Betablocker genommen (siehe dazu Neuroenhancement: Dem Gehirn auf die Sprünge helfen). Medikamente, die für viele Menschen ein Segen sind, können für einige zum Fluch werden, wenn sie in eine Abhängigkeit geraten. Doch Apotheker sind auch mit anderen Suchtmitteln konfrontiert: von Nicotin über Alkohol, Cannabis bis hin zu Naturdrogen. Um sie bei ihrer Arbeit zu unterstützen, stellt die PZ in diesem Schwerpunktheft die verschiedenen Facetten der Sucht und Interventionsmöglichkeiten der Pharmazeuten vor.

 

Christina Hohmann

Ressortleitung Medizin


Außerdem in dieser Ausgabe...

Beitrag erschienen in Ausgabe 17/2009

 

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