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PHARMAZIE

Schilddrüse

Operationen sind häufig vermeidbar

Von Claudia Borchard-Tuch, München

 

Jeder dritte Erwachsene hat eine Erkrankung seiner Schilddrüse, ohne dies zu wissen. Durch gute Aufklärung, Diagnostik und eine frühzeitige medikamentöse Therapie lässt sich eine Operation oft vermeiden. Wichtig bei der Behandlung ist es, beim gleichen Medikament zu bleiben.

 

»Die Schilddrüsenerkrankung ist in Deutschland eine Volkskrankheit«, konstatierte Professor Dr. Onno E. Janßen, Endokrinologe aus Hamburg, auf einer Veranstaltung von Sanofi-Aventis. »Jeder dritte Erwachsene ist betroffen, ohne dass es ihm bekannt ist.« Noch immer ist die Anzahl der Schilddrüsenoperationen sehr hoch: jährlich sind es circa 120.000. Um dieses Problem in den Griff zu bekommen, sei es äußerst wichtig, möglichst vielen Menschen klarzumachen, wie häufig Schilddrüsenerkrankungen vorkommen, und Betroffene über Ursachen, Folgen und mögliche Vorsorgemaßnahmen zu informieren.

 

In diesem Zusammenhang ging Janßen auf die »Schilddrüsenwoche Papillon« ein, die in diesem Jahr am 20. April startet. Unter dem Motto »Die Schilddrüse in guten Händen« werden sich mehrere Tausend Apotheker und Ärzte beteiligen. Die bundesweite Aktionswoche wird unter anderem von der Bundesapothekerkammer, dem Bundesverband der Deutschen Krankenhausapotheker und den Deutschen Gesellschaften für Endokrinologie und Nuklearmedizin unterstützt. Die Teilnehmer erhalten ein kostenloses Servicepaket, das ihnen hilft, ihre Patienten mit Informationen über Schilddrüsenerkrankungen zu versorgen. »Ziel ist es, Schilddrüsenerkrankungen möglichst früh zu erkennen«, erklärte Janßen. »Eine Struma kann zumeist durch eine Palpation diagnostiziert werden, das heißt eine einfache und kostengünstige Tastuntersuchung.«

 

»Oft wird die Diagnostik nur unzureichend durchgeführt, sodass die Schilddrüsenerkrankung zu spät erkannt wird und eine Operation unumgänglich ist«, bemängelte Professor Dr. Martin Grußendorf, Endokrinologe aus Stuttgart. Aber auch andere Faktoren seien schuld daran, dass zu viel operiert wird: die hohe Strumaprävalenz im ehemaligen Iodmangelgebiet Deutschland sowie die Angst vor Schilddrüsenkrebs bei Patient und Arzt. Am einfachsten sei es, die unzureichende Diagnostik zu verbessern. Nur drei Schritte genügten: Anamnese, klinischer Befund inklusive Palpation und Laboruntersuchung.

 

»Die wichtigste Frage ist die nach der familiären Kropfbelastung«, erklärte Grußendorf. »Außerdem muss natürlich nach lokalen Beschwerden und nach Zeichen einer Funktionsstörung gefragt werden.« Frieren bei großer Hitze, schlechte Laune, Obstipation und Gewichtszunahme, nicht selten ist eine Schilddrüsenunterfunktion die Ursache. Bei einer Hyperthyreose hingegen klagen die Patienten über Schweißausbrüche, Durchfälle und Schlaflosigkeit.

 

Klinische Befunde einer Über- und Unterfunktion kann der Arzt bei der körperlichen Untersuchung erkennen. Die manuelle Palpation hat durchaus ihren Stellenwert: So fand die Studie »Papillon 2006« in circa 86 Prozent der Fälle eine hohe Übereinstimmung zwischen Schilddrüsenpalpation und Sonografie.

 

»Bei der Laboruntersuchung genügt die Bestimmung eines einzigen Wertes, nämlich des TSH«, erklärte Grußendorf. Das Ergebnis sagt sehr zuverlässig aus, ob eine normale Schilddrüsenfunktion vorliegt.

 

»Diese einfachen, kostengünstigen und überall verfügbaren Untersuchungsmethoden ermöglichen eine frühzeitige Erkennung von Schilddrüsenerkrankungen«, legte Grußendorf abschließend dar. »Sie sollten bei jedem Patienten über 40 Jahren zumindest einmal durchgeführt werden. Bei unauffälligen Befunden ist eine Wiederholung nur bei neu aufgetretenen Symptomen notwendig.«

 

Tabletten mit dem Wirkstoff Levothyroxin sind Mittel der Wahl, wenn es um die Behandlung einer Hypothyreose oder die Nachsorge eines Schilddrüsenkarzinoms geht. Auch die in Deutschland extrem häufig vorkommende Iodmangelstruma wird oft mit L-Thyroxin behandelt.

 

Der Austausch von Levothyroxin-Präparaten im Zuge der Rabattverträge kann Probleme bereiten. »Präparate-Hopping mit Schilddrüsenhormonen ist gefährlich«, warnte Professorin Dr. Petra-Marie Schumm-Draeger, München. »Schilddrüsenhormone sind Medikamente mit geringer therapeutischer Breite.«

 

Deshalb empfehlen Endokrinologen, möglichst keinen Präparatewechsel vorzunehmen. Wird er dennoch vollzogen, ist eine TSH-Kontrolle unumgänglich, um die Dosis gegebenenfalls anzupassen.

 

»Der finanzielle Aufwand derartiger Kontrollen beim Präparatewechsel beträgt 10 bis 25 Euro«, erklärte Schumm-Draeger. »Demgegenüber stehen Einsparungen von 2 Euro jährlich. Eine falsche Dosierung kann mitunter zu gravierenden Nebenwirkungen für Herz, Skelettsystem und Psyche führen.« Damit wird Präparate-Hopping zu einem Verlustgeschäft.



Schilddrüsen-Initiative Papillon

Unter www.schilddruese.de stärkt die Schilddrüsen-Initiative Papillon das Bewusstsein für Schilddrüsen-Erkrankungen. Die Website hat das Ziel, Betroffene über Ursachen, Folgen und mögliche Vorsorgemaßnahmen aufzuklären. Sie stellt für zahlreiche Erkrankungen der Schilddrüse kostenlose Broschüren zur Verfügung, die auch dem Laien verständlich sind. Außerdem gibt es Informationsmaterial zur Schilddrüsenwoche.



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