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Windeldermatitis: Des Säuglings wunder Punkt

MEDIZIN

 
Windeldermatitis

Des Säuglings wunder Punkt

Von Christina Hohmann

 

Moderne Windeln sind ein Segen. Doch der ständige Kontakt mit Urin und Kot und das feuchtwarme Klima können die Haut angreifen. Aus ersten Hautreizungen können großflächige Entzündungen entstehen.

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Fast jedes Kind im Windelalter leidet zumindest einmal unter einer leichten Form der Windeldermatitis. Jeder vierte Säugling ist sogar regelmäßig betroffen. Hauptursache der entzündlichen Hauterkrankung ist zu langes Liegen in nassen Windeln. Feuchtwarmes Klima lässt die Haut aufquellen. Außerdem kann aus dem Harnstoff im Urin Ammoniak entstehen, der die Haut angreift und das Irritationspotenzial von Stuhl um ein Vielfaches erhöht.

 

Das Urin-Kot-Gemisch schädigt die Hornschicht und macht die Haut empfindlich für chemische oder mechanische Reize wie das Scheuern von Windeln. Die betroffenen Areale entzünden sich, eine Windeldermatitis (»Dermatitis ammoniacalis«) entsteht. Auf der vorgeschädigten Haut können sich Bakterien und Pilze ansiedeln, die unter der Windel auch das ideale Klima antreffen. Häufig treten Infektionen mit Staphylococcus aureus oder mit Candida albicans, der sogenannte Windelsoor, auf.

 

Eine Windeldermatitis ist leicht zu erkennen. Die Haut ist entzündet, rot und geschwollen, sie nässt, schuppt und weist Pusteln und Bläschen auf. Vom Po aus kann sich der Ausschlag zum Genitalbereich und auf Unterbauch und Oberschenkel ausbreiten.

 

Kleine Hautirritationen bekommen Eltern meist schnell in den Griff. Wichtig ist dabei, die reizenden Faktoren Wärme- und Feuchtigkeitsstau sowie Reibung zu vermindern. Daher sollten Eltern mindestens sechsmal am Tag die Windel wechseln und luftdurchlässige Wegwerfwindeln benutzen. Nach jedem Stuhlgang sollte das Kind sofort gewickelt werden, der Po mit warmem, klaren Wasser abgewaschen und vorsichtig durch Tupfen und nicht durch Reiben abgetrocknet werden. Auch Föhnen kann hilfreich sein. Damit Luft an die wunde Haut kommt, sollte das Kind auch mal ohne Windel strampeln oder krabbeln. Auf die geröteten Stellen können Eltern Wundschutzsalbe mit Dexpanthenol, Zink oder Lebertranzusatz geben. Puder ist dagegen nicht zu empfehlen, da er die Haut zusätzlich reizt. Entzündungshemmende Badezusätze wie Kamille oder Eichenrinde beruhigen die Haut. Stillende Mütter können auch ein paar Tropfen Muttermilch auf die betroffenen Areale geben.

 

Wann zum Arzt?

 

Kleine Hautirritationen sollten Eltern ernst nehmen, da sie sich rasch zu großflächigen Entzündungen entwickeln können. Ein Arzt ist aufzusuchen, wenn sich der Zustand der Haut über mehrere Tage nicht bessert oder die Haut stark blutet. Der Mediziner kann die genaue Ursache der Dermatitis feststellen und eine Windeldermatitis von einer Allergie oder Schuppenflechte abgrenzen. Außerdem diagnostiziert er eventuell vorliegende Infektionen, die je nach Erreger mit verschiedenen antimykotischen oder antibakteriellen Wirkstoffen behandelt wird. Pilzinfektionen werden topisch mit Wundsalben oder Pasten behandelt, die zusätzlich Nystatin oder Clotrimazol enthalten. Fettende Salben dürfen wegen des Okklusionseffektes bei Pilzinfektionen nicht eingesetzt werden. Bei hartnäckigen Bakterieninfektionen ist zum Teil eine systemische Antibiotikatherapie nötig. Bei starken Entzündungen verschreibt der Arzt mitunter Kortisonsalben.

 

In der Regel heilt eine Windeldermatitis bei spezieller antimikrobieller Therapie innerhalb weniger Tage ab. Kommt es trotz sorgfältiger Hygiene und entsprechenden Präventionsmaßnahmen zu Rückfällen, könnte eine Grunderkrankung vorliegen, die das Immunsystem des Kindes schwächt und somit für Windeldermatitis anfällig macht. Dies sollten die Eltern vom Kinderarzt untersuchen lassen.

 

Zur Prophylaxe von Windeldermatitis kann es hilfreich sein, die Ernährung des Kindes oder der stillenden Mutter umzustellen. So sollten Frauen in der Stillzeit möglichst auf Zitrusfrüchte und saure Fruchtsäfte verzichten. Säuglingsnahrung sollte nicht stark gewürzt sein, da Gewürze den Stuhl aggressiver machen. Auch der Verzicht auf Zucker ist hilfreich, da dieser den pH-Wert des Urins anhebt und außerdem Nahrung für Hefepilze liefert. Mediziner empfehlen weiterhin, Säuglinge möglichst lange (etwa sechs Monate) zu stillen. Gestillte Kinder erkranken seltener an Windeldermatitis als ungestillte. Bei Flaschenernährung ist es sinnvoll, hypoallergene Säuglingsnahrung (HA-Nahrung) zu verwenden.


Tipps bei Windeldermatitis

Windeln so oft wie möglich wechseln.
Windeln sofort nach der Stuhlentleerung entfernen.
Nach jedem Windelwechseln den Po mit klarem, warmen Wasser reinigen und schonend abtrocknen.
Eventuell trocken föhnen.
Das Baby so oft wie möglich nackt strampeln oder krabbeln lassen, um Luft an den Po zu lassen.
Sitzbäder mit beruhigenden Zusätzen wie Kamille, Schwarztee oder gerbstoffhaltigen Lösungen können helfen.
Zinkhaltige Hautcremes halten Feuchtigkeit von den betroffenen Hautstellen fern.
Muttermilch auf die wunden Stellen lindert die Hautreizung.
Bei Pilzinfektionen helfen nystatinhaltige Pasten. Fettende Salben dürfen bei Pilzbefall nicht verwendet werden.
Auf saure, scharfe und zuckerhaltige Speisen verzichten.

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Beitrag erschienen in Ausgabe 16/2007

 

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