Gehirndoping: Gefährlicher Trend

Neurotransmission als pharmazeutisches Ziel für Gehirndoping stellt heute keine Randerscheinung mehr da. Darauf machte Professor Dr. Christian Behl von der Universität Mainz beim Pharmacon Davos aufmerksam. Zum Beispiel hätten Umfragen in den USA ergeben, dass bis zu 15 Prozent aller College-Studenten schon mal zu einem sogenannten Brainbooster oder Neuropusher gegriffen haben. Für Behl ist das ein gefährlicher Trend. Denn niemand wisse, wie die Langzeitwirkung aussieht. Oft seien es bekannte verschreibungspflichtige Wirkstoffe wie Methylphenidat, Modafinil und Donepezil, die zur Gedächtnisverstärkung zum Einsatz kommen. Jedoch werde auch nicht vor neueren Substanzen zurückgeschreckt. Beispielsweise werde versucht, die Lernleistung mit sogenannten Ampakinen, die eigentlich bei Morbus Alzheimer helfen sollen, zu verbessern. Deren Wirkmechanismus ist dem des Neurotransmitters Glutamat ähnlich. Auch Phosphodiesterase-Hemmer wie MEM-Compounds und Rolipram kommen dem Neurobiologen zufolge zum Einsatz. Sie erhöhen letztlich die zelluläre Menge an CREB (cAMP Response Element-binding Protein). Das ist ein wichtiger Transkriptionsfaktor, der mitbestimmt, was gelernt wird und die Bildung der Langzeiterinnerung in Nervenzellen beeinflusst. (ss)
09.02.2009 l PZ
Foto: Fotolia/KTS-Design 
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